Fall Marvin: „Schnarch-Gutachten“ beantragt

Landgericht Bochum

Im Prozess um den Fall Marvin könnte ein Beweisantrag den Prozess in die Verlängerung zwingen. Nach Abschluss der Zeugenvernehmung soll Marvin nun noch in ein Schlaflabor geschickt werden.

Bochum

, 07.01.2021, 05:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Verteidiger des Angeklagten Lars H. aus Recklinghausen haben die Einholung eines sogenannten phonetischen Gutachtens beantragt.

Die Verteidiger des Angeklagten Lars H. aus Recklinghausen haben die Einholung eines sogenannten phonetischen Gutachtens beantragt. © Werner von Braunschweig

Im Prozess um den Fall Marvin ist die Vernehmung des 16-jährigen Belastungszeugen am Mittwoch am Bochumer Landgericht zwar abgeschlossen worden. Ob tatsächlich am 29. Januar ein Urteil verkündet werden kann, ist aber weiterhin unklar. Denn jetzt steht sogar noch ein „Schnarch-Gutachten“ im Raum.

Die Verteidiger des Angeklagten Lars H. aus Recklinghausen haben nämlich die Einholung eines sogenannten phonetischen Gutachtens beantragt. Dadurch wollen die Anwälte die Annahme zerstreuen, dass auf einem beim Angeklagten sichergestellten Video der schnarchende Marvin zu hören ist.

Lars H. soll Marvin hundertfach missbraucht haben

Der 16-Jährige, der am Mittwoch im Anschluss an den vierten (nicht-öffentlichen) Vernehmungstermin noch im einem Nebenraum saß, stimmte der Mitarbeit für einen Stimm-Identifizierung in einem Schlaflabor grundsätzlich zu. Die Richter haben jedoch bereits erste Signale gesendet, dass sie die Einholung eines solchen „Schnarch-Gutachten“ nach vorläufiger Einschätzung für eher entbehrlich halten.

Der wegen Kinderporno-Besitzes vorbestrafte Lars H. soll den anfangs 13-jährigen Marvin in seiner Wohnung im Süden von Recklinghausen jahrelang untergebracht, mit Geld und Zigaretten belohnt und hundertfach sexuell missbraucht haben. Entdeckt worden war der als vermisst geltende Marvin im Dezember 2019 zufällig bei einer Razzia in der Wohnung des Angeklagten in einem Kleiderschrank. Nach dem ersten Termin zur stets per Video durchgeführten Vernehmung Marvins am 1. Dezember hatte das Gericht offiziell bekanntgegeben, dass der Nebenkläger die Vorwürfe gegen den Angeklagten bislang „im Wesentlichen bestätigt hat“.

wvb

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