Fall Marvin: 16-Jähriger weigert sich, im Beisein von Lars H. auszusagen

dzLandgericht Bochum

Jahrelang soll Lars H. einen Jungen versteckt und missbraucht haben. Im Prozess weigert sich der heute 16-Jährige strikt, im Beisein des Angeklagten auszusagen. Doch jetzt gibt es einen Termin.

Recklinghausen, Bochum

, 29.09.2020, 17:20 Uhr / Lesedauer: 1 min

Vierter Versuch: Im November soll der mutmaßlich hundertfach missbrauchte Teenager Marvin im Prozess gegen seinen mutmaßlichen Peiniger aussagen – drei vorherige Befragungen waren geplatzt.

Der wegen Kindeporno-Besitzes vorbestrafte Lars H. soll den anfangs 13-jährigen Marvin jahrelang in seiner Wohnung im Süden von Recklinghausen versteckt, mit Geld und Zigaretten belohnt und hundertfach missbraucht haben. Entdeckt wurde Marvin Ende 2019 bei einer Kinderporno-Razzia in der Wohnung des Angeklagten in einem Kleiderschrank.

Nach bislang drei ausgefallenen Vernehmungsterminen soll der heute 16-Jährige jetzt Mitte November am Bochumer Landgericht im Prozess gegen seinen mutmaßlichen Peiniger Lars H. (45) aus Recklinghausen als Zeuge aussagen.

Angeklagter soll während der Vernehmung den Saal verlassen

Bereits im Juni, Juli und August waren geplante Zeugenbefragungen des 16-jährigen Marvin aus Duisburg aus unterschiedlichen Gründen kurzfristig wieder aufgehoben worden. Im Vordergrund stand insbesondere zuletzt jedoch stets die Forderung der Nebenklage-Vertreterin Marie Lingnau, dass der Angeklagte während der Zeugenvernehmung den Saal verlassen soll.

Auch nachdem das Oberlandesgericht (OLG) Hamm Ende August die Ablehnung eines Angeklagten-Ausschlusses durch die 8. Bochumer Strafkammer gestützt hatte, war es trotzdem nicht zu einer Vernehmung gekommen. Via Brief hatte sich der laut Anklage hundertfach von Lars H. missbrauchte Teenager strikt geweigert, im Beisein der Person auszusagen, die ihm „all das angetan hat“.

Dass mit dem 14. und dem 21. November nun zwei Samstage als Zeugentermine reserviert worden sind, ist sehr ungewöhnlich, aber nach Angaben von Gerichtssprecher Michael Rehaag vor allem massiven Terminnöten geschuldet.

Vernehmung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt

Während feststeht, dass die Befragung Marvins aus Opferschutzgründen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden wird, ist die Frage eines Angeklagten-Ausschlusses oder einer Video-Zeugenvernehmung immer noch nicht abschließend geklärt.

Die Bochumer Richter erwarten dazu noch ein Gutachten zu denkbaren psychischen Belastungen bei einer Konfrontation mit dem Angeklagten.

Lesen Sie jetzt