Fall George Floyd: Eine Million Dollar Kaution gegen Polizist verhängt

Rassismus

Am Donnerstag soll George Floyd in Houston beigesetzt werden. Bereits am Montag nahmen Hunderte Menschen Abschied. Sein mutmaßlicher Mörder müsste derweil eine Million Dollar Kaution bezahlen, um freizukommen.

Minneapolis

08.06.2020, 22:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Tod von George Floyd durch Polizeigewalt hat in den USA schwere Unruhen und heftige Proteste ausgelöst. (Symbolbild).

Der Tod von George Floyd durch Polizeigewalt hat in den USA schwere Unruhen und heftige Proteste ausgelöst. (Symbolbild). © picture alliance/dpa

Eine Richterin hat die Höhe der Kaution für den haupttatverdächtigen Polizisten im Fall George Floyd am Montag auf eine Million Dollar (885.000 Euro) festgesetzt. Der Afroamerikaner Floyd war gestorben, nachdem ein weißer Polizist bei einem Einsatz am 25. Mai in Minneapolis minutenlang das Knie gegen seinen Hals gedrückt hatte.

Der 44-jährige Verdächtige Derek C. sagte in der elfminütigen Anhörung über Videoschalte aus dem Hochsicherheitsgefängnis Oak Park Hights fast nichts. Sein Anwalt Eric Nelson legte keinen Widerspruch gegen die von der Richterin im Bezirk Hennepin, Denise Reilly, festgesetzte Kaution ein, die ursprünglich nur 500.000 Dollar betragen hatte.

Die Anklage gegen den Hauptverdächtigen C. wurde vergangene Woche hochgestuft und lautet inzwischen auf „unbeabsichtigter Mord zweiten Grades“. Als solcher gilt nach dem Recht von Minnesota, wenn der Täter ein Schwerverbrechen begehen wollte und das Opfer dabei unbeabsichtigt tötete. Zudem werden ihm „Mord dritten Grades“, was in etwa einem Totschlag nach deutschem Recht entspricht, und „Totschlag zweiten Grades“ zur Last gelegt.

Für weitere drei Polizisten gilt Kaution von je 750.000 Dollar

Die anderen drei an dem Vorfall beteiligten Polizisten befinden sich im Gefängnis des Bezirks Hennepin, für sie gilt eine Kaution von jeweils 750.000 Dollar. Zwei sollen die Beine des mit Handschellen gefesselten Mannes festgehalten haben, der dritte stand daneben, kehrte seinen Kollegen teilweise den Rücken zu. Sie sind wegen Beihilfe angeklagt. Alle vier wurden am Tag nach Floyds Tod aus dem Polizeidienst entlassen.

Die Tat hat rund um den Globus Proteste ausgelöst, in den USA teils mit schweren Ausschreitungen.

Hunderte nehmen Abschied von Floyd

Floyd ist vor der Beisetzung in einer Kirche im US-Bundesstaat Texas aufgebahrt worden. Hunderte Besucher der Kirche „The Fountain of Praise“ im Südwesten der Großstadt Houston nahmen am Montag Abschied. Floyds goldglänzender Sarg in der Kirche war geöffnet, TV-Bilder zeigten Menschen, die nacheinander zu seinem Leichnam vorgelassen wurden.

Darunter waren auch mehrere Uniformierte und ein Mann, der vor dem Getöteten niederkniete. Mehrere Personen reckten auch die Faust als Zeichen des Kampfes gegen Rassismus vor dem Sarg in die Luft.

Platzanweiser stehen in der «The Fountain of Praise» Kirche, um die Trauergäste im Rahmen einer öffentlichen Gedenkfeier für George Floyd durch die Räumlichkeiten zu führen.

Platzanweiser stehen in der „The Fountain of Praise“ Kirche, um die Trauergäste im Rahmen einer öffentlichen Gedenkfeier für George Floyd durch die Räumlichkeiten zu führen. © picture alliance/dpa

Wegen der Gefahr durch das Coronavirus gelten bei den Trauerfeierlichkeiten strikte Sicherheitsmaßnahmen. So zeigten Fotos, wie bei Besuchern vor der Kirche die Körpertemperatur gemessen wurde. Die Menschen - meistens eine Gesichtsmaske tragend - wurden aufgefordert, Abstand voneinander zu halten.

Auch der texanische Gouverneur Greg Abbott verharrte einige Zeit schweigend vor dem Sarg. Er werde die Familie des Toten in Diskussionen über eine Polizeireform und damit in Zusammenhang stehende Gesetze einbeziehen, sagte Abbott vor der Kirche zu Reportern. Viele der Trauernden in der Kirche trugen T-Shirts mit der Aufschrift „I Can’t Breathe“ (Ich kann nicht atmen) - einige der letzten Worte Floyds.

Am Donnerstag wird Floyd in Houston beigesetzt.

RND