Fachleute fordern neue „Stiftung Industriekultur Ruhr“

Bergbau endet 2018

Wer bewahrt das industrielle Erbe des Ruhrgebietes nach dem Ende der Steinkohleförderung im Jahr 2018? Drei bekannte Kulturfachleute des Reviers fordern dazu das Engagement des Bundes. Ulrich Borsdorf, Dieter Nellen und Stefan Berger bringen eine neue "Stiftung Industriekultur Ruhr" ins Gespräch.

BOCHUM/WITTEN/ESSEN

, 25.06.2015, 23:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Ruhr Museum - hier der Aufgang - gehört zu den Einrichtungen, die das Erbe des Reviers bewahren.

Das Ruhr Museum - hier der Aufgang - gehört zu den Einrichtungen, die das Erbe des Reviers bewahren.

Das Trio ist nicht irgendwer: Ulrich Borsdorf war Gründungsdirektor und Leiter des Essener Ruhr Museums, Dieter Nellen  war bis 2014 Leiter der Abteilung Kultur beim Regionalverband Ruhr und Stefan Berger ist Lehrstuhlinhaber und Direktor des Instituts für soziale Bewegungen der Ruhr-Uni Bochum sowie Vorsitzender der Stiftung Bibliothek des Ruhrgebietes. Gemeinsam haben sie in der der Zeitung "Politik und Kultur" des Kulturrates einen Artikel veröffentlicht, der die Bewahrung unsere industriellen Erbes eine "nationale Aufgabe" nennt. "Wir fordern ein stärkeres bundespolitisches Engagement", betont Nellen. Die Ruhr-Geschichte unterliege einer "weit verbreiteten Unterbewertung und geschichtspolitischen Ignoranz." Sie kritisieren, dass der Bund im Ruhrgebiet "launisch-zufällig" fördere, während sich zum Beispiel in Berlin die vom Bund finanzierte "Stiftung Preußischer Kulturbesitz" umfassend um das preußische Erbe kümmert.

Schon bestehende Einrichtung ertüchtigen

Eine ähnliche Funktion könnte eine noch zu gründende "Stiftung Industriekultur Ruhr" übernehmen. Es wäre aber auch denkbar, so Nellen, dass der Bund eine schon bestehende Einrichtung dazu finanziell ertüchtigt - etwa das Ruhr Museum in Essen, die Stiftung Industriedenkmalpflege in Dortmund oder die Bibliothek des Ruhrgebietes in Bochum.

Weg zum Welterbe ebnen

"Ein Engagement des Bundes würde eine sofortige Nobilitierung des Ruhrgebietes bedeuten", so Nellen - und damit wäre auch der Weg zum Welterbetitel frei. Das Trio weist auf das Jahr 2018 hin, in dem der Steinkohlebergbau endet. Nellen: "Jetzt ist der richtige Augenblick für eine Weichenstellung."

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt