Ex-Sekretärin von Rudi Assauer bricht vor Gericht in Tränen aus

Landgericht Essen

Die Schlammschlacht um das Erbe von Ex-Schalke-Manager Rudi Assauer geht weiter. Jetzt ist die Ex-Sekretärin verklagt worden. Vor Gericht brach sie in Tränen aus

Essen/Gelsenkirchen

von Jörn Hartwich

, 22.01.2021, 17:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die langjährige Sekretärin des Ex-Schalke-Managers zwischen ihren Anwälten Burkhardt Benecken (links) und Dirk Giesen.

Die langjährige Sekretärin des Ex-Schalke-Managers zwischen ihren Anwälten Burkhardt Benecken (links) und Dirk Giesen. © Jörn Hartwich

Die langjährige Sekretärin von Rudi Assauer muss Auskunft darüber geben, was sie mit einer Generalvollmacht des ehemaligen Schalke-Managers gemacht hat. Das hat das Essener Landgericht per Urteil entschieden.

Es waren emotionale Szenen, die sich am Freitag vor der 16. Zivilkammer abgespielt haben. „Wir waren wie ein altes Ehepaar“, sagte die langjährige Assistentin Assauers den Richtern. Fast 40 Jahre lang habe man eng zusammengearbeitet. „Wir haben uns ohne Worte verstanden.“ Manchmal habe schon ein Blick gereicht, um zu wissen, was zu tun sei.

200.000 in bar abgehoben

Wie weit das Vertrauensverhältnis angeblich ging, unterstrichen auch ihre Anwälte Dirk Giesen und Burkhard Benecken. Sie sprachen von Barabhebungen in Höhe von 200.000 Euro pro Jahr, um die sich die Sekretärin gekümmert habe. Außerdem habe sie auch vertrauliche Post öffnen dürfen und sei bei Vertragsverhandlungen dabei gewesen.

Die Generalvollmacht hatte Assauer ihr erteilt – für sie und seinen Hausarzt. Sogar Entscheidungen über freiheitsentziehende und lebensverlängernde Maßnahmen waren davon umfasst.

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Als dieser Punkt im Prozess zur Sprache kam, brach die ehemalige Sekretärin in Tränen aus. „Ich konnte das erst nicht glauben“, sagte sie den Richtern. „Mir war anfangs gar nicht klar, was das bedeutet.“ Um der großen Verantwortung gerecht zu werden, habe sie sogar noch einen Betreuungsschein gemacht. „Ich wollte für ihn da sein, auch dann noch, wenn er sich nicht mehr verständigen kann.“

„Rudi wollte keine Schlammschlacht“

Die Generalvollmacht umfasste natürlich auch alle finanziellen Angelegenheiten. Die interessieren den vom Gericht eingesetzten Nachlassverwalter, der sich um die Erbangelegenheiten kümmern soll. Durch die Klage will er für die noch nicht feststehenden Erben herausfinden, was mit bestimmten Vermögenswerten passiert ist.

Diese Auskunft hatte die Sekretärin jedoch verweigert. „Rudi Assauer wollte keine Schlammschlacht“, sagt sie den Richtern. Schon gar nicht innerhalb seiner eigenen Familie. Alles sollte ruhig und leise weiterlaufen. „Deshalb hat er mich gebeten, die Generalvollmacht zu unterschreiben. Ich sollte alles in seinem Sinne weiter regeln.“

Arzt ist nicht erschienen

Dass sie nun alles offenlegen soll, wäre nicht in Assauers Sinn gewesen. Genau das überzeugte die Essener Richter allerdings nicht. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, muss die Sekretärin Auskunft erteilen. Die Anwälte haben bereits signalisiert, dass sie Berufung einlegen wollen.

Die Auskunftsklage gegen Assauers Arzt geht dagegen in die Verlängerung. Der Mediziner soll ebenfalls an Demenz erkrankt sein und war nicht zum Prozess erschienen. Er soll sich auf Sylt aufhalten und nun möglicherweise von einem Amtsarzt untersucht werden.

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