EU lockert Corona-Einreisestopp - aber nicht für die USA

Coronavirus

Die Europäische Union will ihre Außengrenzen für vorerst 15 Staaten öffnen. Einige Länder gehören wegen ihrer hohen Infektionsraten nicht dazu.

Brüssel

29.06.2020, 17:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Europäische Union will ihre Außengrenzen für vorerst 15 Staaten öffnen. Die USA, Russland und Brasilien gehören wegen der hohen Infektionsraten nicht dazu. (Symbolbild)

Die Europäische Union will ihre Außengrenzen für vorerst 15 Staaten öffnen. Die USA, Russland und Brasilien gehören wegen der hohen Infektionsraten nicht dazu. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Amerikaner und Russen dürfen wegen der Corona-Pandemie weiterhin nur in Ausnahmefällen in die EU einreisen. Die Botschafter der EU-Staaten verständigten sich in Brüssel darauf, die Außengrenzen der Europäischen Union vom 1. Juli an für Einreisen aus lediglich 15 Staaten zu öffnen. Für die meisten Staaten also bleibt es bei Einschränkungen. Auch die Türkei steht nicht auf der Liste, die jedoch alle 14 Tage aktualisiert werden soll.

Nach Angaben von EU-Diplomaten sollen von Mittwoch an Einreisen aus Algerien, Australien, Kanada, Georgien, Japan, Montenegro, Marokko, Neuseeland, Ruanda, Serbien, Südkorea, Thailand, Tunesien und Uruguay wieder ohne Einschränkungen möglich sein. Auch Chinesen sollen einreisen dürfen – vorausgesetzt, die Regierung in Peking erlaubt im Gegenzug Europäern die Einreise nach China. Es wurde erwartet, dass die Liste am Montagabend oder spätestens Dienstagmorgen offiziell vorgelegt wird.

Infektionsraten sind noch zu hoch

Dagegen erfüllen die USA, Russland und Brasilien derzeit nicht das wichtigste Kriterium für die Wiedereinführung der Reisefreiheit. Die Infektionsraten liegen auf 100 000 Einwohner gesehen zum Teil erheblich über dem EU-Durchschnitt. Auch sei in diesen Ländern noch kein abnehmender Trend bei den Infektionen festzustellen, hieß es am Montag in Brüssel.

Um die Coronavirus-Pandemie einzudämmen, hatten sich Mitte März alle EU-Staaten außer Irland sowie die Nicht-EU-Staaten Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island darauf geeinigt, nicht zwingend notwendige Reisen in die EU zunächst zu verbieten.

Der Einreisestopp war mehrfach verlängert worden und gilt derzeit bis Ende Juni. Danach soll er nach und nach gelockert werden. Die EU-Kommission legte inzwischen Richtlinien dafür fest. Dazu zählt neben der Infektionsrate in den einzelnen Ländern auch die Prüfung, wie verlässlich Corona-Daten aus den einzelnen Staaten sind.

Nach einer Übersicht der EU-Gesundheitsbehörde ECDC lag die Infektionsrate in den meisten EU-Staaten bei unter 20 Fällen auf 100 000 Einwohner. In Brasilien waren es dagegen mehr als 120 Fälle. Für die USA gab die „New York Times“ schon vor dem jüngsten Anstieg der Infektionen in einigen US-Bundesstaaten einen Wert von 107 an. Auch die Türkei kommt nicht an den EU-Mittelwert heran.

EU besteht auf Gegenseitigkeit

Nach Angaben von EU-Diplomaten müsse zudem sichergestellt sein, dass die Lockerungen auf Gegenseitigkeit beruhten. Das sei derzeit ein Problem im Verhältnis zu den USA. Dort gilt derzeit ein Einreiseverbot für Europäer.

Auch die Türkei ist betroffen. Die weltweite Reisewarnung der Bundesregierung gilt auch für die Türkei, die nach Spanien und Italien das drittbeliebteste Urlaubsland der Deutschen ist. Zudem stuft die Regierung in Berlin die Türkei als Corona-Risikogebiet ein. Wer aus solchen Regionen nach Deutschland einreist, muss mit einer 14-tägigen Quarantäne rechnen. Allerdings können Urlauber aus der Türkei von der Quarantäneregelung befreit werden, wenn sie bei der Einreise nach Deutschland einen negativen Corona-Test vorweisen können, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Die Einstufung als Risikogebiet hat in der Türkei für Verärgerung gesorgt. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Vergangenes Jahr machten nach offiziellen Angaben mehr als fünf Millionen Deutsche dort Urlaub. Jetzt will sich der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu in Berlin beschweren. Er werde zusammen mit dem türkischen Tourismusminister am Donnerstag seinen deutschen Amtskollegen Heiko Maas (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Berlin treffen, meldete die türkische Zeitung „Milliyet“.

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