Etappenziel erreicht? Schweden meldet immer weniger positive Corona-Testergebnisse

Coronavirus

Schwedens oft kritisierter Sonderweg gegen die Corona-Pandemie hat ein erstes Etappenziel erreicht. Die Rate der bestätigten Neuinfektionen liege auf einem Tiefstand.

Hannover

von Alice Mecke

, 09.09.2020, 18:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schweden meldet einen weiteren Etappenerfolg in der Bewältigung der Corona-Pandemie: Die Quote der Positiv-Tests ist auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch des Virus gefallen.

Schweden meldet einen weiteren Etappenerfolg in der Bewältigung der Corona-Pandemie: Die Quote der Positiv-Tests ist auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch des Virus gefallen. © picture alliance/dpa

Der “schwedische Sonderweg” polarisierte europaweit - und tut es bis heute. Während Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den lockeren Umgang Schwedens mit der Pandemie gelobt hatten, hielten viele andere Experten den Weg für unverantwortlich.

Als einziges Land Europas verzichtete das Land auf einen Lockdown, auch Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen wurden nicht verhängt. Stattdessen setzte Schweden auf die Eigenverantwortung der Bürger - mit dem Ergebnis, dass seit einiger Zeit die Zahlen der Neuinfektionen zurückgehen.

Nun meldet Schweden einen weiteren Etappenerfolg in der Bewältigung der Corona-Pandemie: Die Quote der Positiv-Tests ist auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch des Virus im Frühjahr gefallen. In der vergangenen Woche wurden die Tests nach offiziellen Angaben auf den Rekordwert von mehr als 120.000 hochgefahren. Nur 1,3 Prozent fielen positiv aus. Im Frühjahr hatte das Niveau noch über Wochen um die 19 Prozent gelegen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) waren in Deutschland zuletzt 0,74 Prozent aller Tests positiv.

Experte sicher: Strategie war “konsequent und nachhaltig”

Befürworter sehen den schwedischen Sonderweg damit als geglückt an: “Unsere Strategie war konsequent und nachhaltig. Wir haben wahrscheinlich ein geringeres Ausbreitungsrisiko als andere Länder”, sagte Jonas Ludvigsson, Epidemiologie-Professor vom Karolinska Institutet gegenüber der Nachrichtenagentur “AFP”.

Wie er es formuliert, dürfte Schweden nun eine höhere Immunität in der Bevölkerung haben als die meisten anderen Länder. “Ich glaube, wir profitieren jetzt viel davon”, betonte Ludvigsson.

Schweden testet auf Antikörper

In Schweden gibt es zwei Arten von Tests. Zum einen gibt es den sogenannten PCR-Test. Dieser zeigt, ob eine Person eine laufende oder kürzlich aufgetretene Infektion mit Covid-19 hat. Dieser Test untersucht, ob das Virus genetisches Material enthält, das die Infektion verursacht. Der Test wird in einem frühen Stadium der Krankheit durchgeführt.

Die zweite Art von Test wird als Antikörpertest bezeichnet und zeigt, ob eine Person Covid-19 hatte und somit Antikörper gegen das Virus gebildet hat. Der Test zeigt genau, ob eine Person nach einer Infektionen einen vollständigen oder teilweisen Schutz gegen Covid-19 erhalten hat. Beide Tests sind in Schweden kostenlos.

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Theater, Kino, Sportveranstaltungen: Weitere Lockerungen vorgesehen

Weil die Zahlen der Neuinfizierten, Intensivpatienten und Toten seit Wochen sinken, hat die Regierung nun angekündigt, die Grenze von 50 Personen für öffentliche Veranstaltungen ab Oktober wieder zu erhöhen. “Ja, das ist unser Vorhaben ab dem 1. Oktober”, bestätigte die grüne Kultur- und Sportministerin Amanda Lind “Radio Schweden”.

Theater- und Sportveranstaltungen von Lockerung betroffen

Wie hoch die neue Grenze von Personen, die etwa zu Sport- und Kulturveranstaltungen ab dem 1. Oktober zusammenkommen dürfen, sei, sei noch nicht entschieden, so Lind. Das zu bestimmen überlasse sie dem Gesundheitsamt von Staatsepidemiologe Anders Tegnell, dem Architekten des schwedischen Sonderwegs.

Von der Lockerung betroffen sind etwa Theater- und andere Bühnenaufführungen, Sportveranstaltungen, Kinos, aber auch fast alle anderen “Ereignisse, welche die zivile Gesellschaft anbietet”, also voraussichtlich auch das Nachtleben. Allerdings bleibt eine wichtige Einschränkung bestehen: Das Publikum muss bei den Veranstaltungen sitzen.

Todesrate liegt in Nordeuropa am höchsten

In Schweden sind bislang mehr als 5800 Menschen gestorben, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Die Pro-Kopf-Totenzahl liegt damit deutlich höher als in anderen nordeuropäischen Ländern, weshalb der Sonderweg weiterhin stark beobachtet wird. Allerdings ist die Zahl der Todesopfer zugleich niedriger als in Italien, Spanien und Großbritannien, wo es Lockdowns gab.

Aktuell (Stand: 09. September 2020) sind laut schwedischer Gesundheitsbehörde 85.880 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Die am meisten betroffene Altersgruppe ist jene zwischen 50 und 59 Jahren (15.088 Infizierte).

RND/Alice Mecke/André Anwar