Erstgeboren, Sandwichkind, Nesthäkchen: Das verrät die Geburtsfolge über die Persönlichkeit

Geschwister

Ob wir ein starkes Konkurrenzdenken an den Tag legen, kontaktfreudig sind oder kriminell werden, hängt von unserer Kindheit ab. Wir erklären, warum die Geburtsfolge entscheidend ist.

von Michèle Förster

, 20.10.2020, 17:19 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Geburtsfolge entscheidet auch über die Persönlichkeit des späteren Erwachsene.

Die Geburtsfolge entscheidet auch über die Persönlichkeit des späteren Erwachsene. © picture alliance/dpa

Einzelkinder sind verwöhnt und wollen immer ihren Willen kriegen, Erstgeborene sind fürsorglich und Sandwichkinder besonders ausgeglichen. Über die Geschwisterkonstellation existieren zahlreiche Klischees – aber einige von ihnen haben auch einen wahren Kern.

Denn mit unseren Geschwistern verbringen wir einen großen und wichtigen Teil unseres Lebens. Wir spielen und streiten mit ihnen, lernen von ihnen und später auch, uns von ihnen abzugrenzen. Da ist es nur logisch, dass Geschwister auch Einfluss auf unseren Charakter haben. Doch wie verschiedene Studien und Psychologen festgestellt haben, ist auch die Reihenfolge der Geburt entscheidend. Wir verraten Ihnen, was die Geschwisterkonstellation über Ihre Persönlichkeit aussagt.

Der oder die Erstgeborene

Das erste Kind hat den Luxus, dass es die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern bekommt. Weil erstgeborene Kinder keine Geschwister haben, an denen sie sich orientieren können, sind die Eltern für sie wichtige Vorbilder. Diese Menschen gelten als perfektionistisch, ehrgeizig und haben häufig Schwierigkeiten, sich Fehler einzugestehen. Psychologen begründen diese Charakterzüge damit, dass sie als Kinder die hohen Erwartungen ihrer Eltern erfüllt haben, weil sie diese nicht enttäuschen wollten. Aus diesem Grund sind Erstgeborene im Berufsleben auch häufig in Führungspositionen zu finden.

Wenn ein Geschwisterchen dazukommt, ändert sich die Situation jedoch schlagartig. Plötzlich muss das erste Kind die Eltern mit jemandem teilen – und bekommt nicht mehr die gesamte Aufmerksamkeit und Liebe. Es erleidet ein sogenanntes Entthronungstrauma, das sich im späteren Leben durch ausgeprägtes Konkurrenzdenken zeigt. Gleichzeitig lernen Erstgeborene, auf ihre jüngeren Geschwister aufzupassen und entwickeln dadurch ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein.

Das Einzelkind

Über Einzelkinder existieren die meisten Vorurteile: Sie gelten als egoistisch, verwöhnt, wollen häufig im Mittelpunkt stehen. Da sie ihr Leben lang die volle Aufmerksamkeit der Eltern genießen und keine „Entthronung“ durch Geschwister erleben, könnte an diesem Klischee etwas dran sein.

Studien ergaben, dass Einzelkinder eine engere Bindung zu ihren Eltern entwickeln. Denn im Vergleich zu anderen Kindern falle es Einzelkindern am leichtesten, mit beiden Elternteilen über Probleme und persönliche Dinge zu reden. Forscher der Southwest University in Chongqing haben zudem herausgefunden, dass bei Einzelkindern die Hirnregionen, die für Sprachkompetenz, Kreativität und räumliches Denken verantwortlich sind, besser entwickelt sind.

Obwohl Einzelkinder als kontaktfreudig gelten, waren die Werte für Verträglichkeit und Kooperationsbereitschaft deutlich schlechter ausgeprägt als bei Kindern mit Geschwistern. Dazu passt auch, dass Einzelkinder in ihren Beziehungen einen weniger ausgeprägten Familiensinn haben und sich im Schnitt häufiger scheiden lassen, als Personen, die mit Geschwistern aufgewachsen sind.

Das Sandwichkind

Das sogenannte Sandwichkind hat es nicht leicht: Es erhält nicht so viel Aufmerksamkeit und Zuwendung der Eltern wie der oder die Erstgeborene und genießt auch nicht die selben Privilegien wie das jüngste Kind. Aus diesem Grund empfinden mittlere Kinder häufig auch die elterliche Zuwendung als zu gering und fühlen sich unsichtbar. Doch dieser Position verdanken Sandwichkinder auch ihr enormes Verhandlungsgeschick und ihre ausgeglichene, diplomatische Art. Häufig werden diese Menschen als in sich ruhend und zufrieden beschrieben.

Die etwas ungerechte Aufmerksamkeitsverteilung in der Familie führt häufig dazu, dass mittlere Kinder sich besonders viele Freunde suchen – oder rebellieren. Denn eine amerikanische Studie hat ergeben, dass Zweitgeborene häufiger als ihre Geschwister kriminell werden. Darin werden Daten zur Jugendkriminalität aus Dänemark und Florida verglichen. Die Wahrscheinlichkeit, mit dem Strafrecht in Berührung zu kommen, ist demnach für Zweitgeborene 33 Prozent (Dänemark), beziehungsweise 20 bis 40 Prozent (Florida) höher als bei Erstgeborenen.

Das Nesthäkchen

Das jüngste Kind hat häufig den Vorteil, dass es noch „Welpenschutz“ genießt und die Eltern daher besonders nachsichtig mit ihm sind. Dieses Wohlwollen führt häufig dazu, dass Nesthäkchen im späteren Leben äußerst charmant sind und genau wissen, wie sie Ärger vermeiden und ihren Willen bekommen. Wenn die Eltern dem Nesthäkchen jedoch zu viele Dinge abnehmen, kann das zu Unselbstständigkeit führen.

Allerdings ist es für das jüngste Kind deutlich schwerer, die Eltern mit seinen Leistungen zu beeindrucken – schließlich haben die älteren Geschwister alles schon vorher geschafft. Nesthäkchen versuchen deshalb häufig auf anderen Wegen, die Aufmerksamkeit ihrer Eltern zu bekommen. Etwa indem sie Hilflosigkeit vorspielen, zum Unterhalter der Familie mutieren – oder sich einem Extremsport verschreiben.

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