Ermittler in Sachen Corona: Kreishaus-Mitarbeiter spüren Adresse auf

dzCoronavirus im Kreis Borken

Rund ein Dutzend Mitarbeiter im Kreishaus haben in den vergangenen Wochen nach Personen gesucht, die Kontakt mit einem tatsächlichen oder mutmaßlichen Corona-Infizierten hatten. Ein Einblick.

von Josef Barnekamp

Borken

, 14.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Immer weniger neu positiv getestete Personen, keine „Infektionsherde“, von denen sich das Virus gleich massenweise auf andere verteilt: Die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus angesteckten Personen geht auch im Kreis Borken deutlich zurück. Dazu haben alle jene Bürger ihren Beitrag geleistet, die sich an die Hygieneregeln halten, all jene, die von Berufs wegen mit der Bekämpfung der Pandemie beschäftigt sind, aber auch sicherlich Ramona Wevers und Bettina Donner.

„Viele waren gefasst, manche haben geweint“

Die beiden Frauen haben in den vergangenen Wochen im Auftrag des Kreisgesundheitsamtes zig Telefonate geführt, Namen abgeglichen, Faxe verschickt und Adressen aufgespürt. Ihr Auftrag: Mögliche Kontaktpersonen von tatsächlichen oder mutmaßlichen Corona-Infizierten zu finden und dafür zu sorgen, dass sich das Virus nicht ungehemmt verbreiten kann.

Gemeinsam mit zehn anderen Helfern aus anderen Aufgabenbereichen haben sie das wegen der Coronakrise ohnehin schon mehr als ausgelastete Gesundheitsamt unterstützt. Bettina Donner beispielsweise arbeitet sonst im Kinder- und Jugendärztlichen Dienst, Ramona Wevers beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen Westfalen-Lippe.

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„Oft waren wir der erste Kontakt für die Betroffenen“, erinnert sich Bettina Donner an den Start ihrer Tätigkeit im März, als die ersten Faxe mit einem bestätigten positiven Befund im Kreishaus eingingen. Viele seien relativ gefasst gewesen, einige hätten aber auch geweint, als sie die Nachricht bekamen, dass sie positiv getestet worden seien.

Zeitfaktor und Mindestabstand standen im Fokus

Für Donner, Wevers und deren Kollegen ging es dann ganz schnell darum, mögliche Kontakte herauszufinden. Dabei hätten Zeitfaktor und Mindestabstand im Fokus gestanden, sagt Michael Heistermann, Abteilungsleiter im Gesundheitsamt. Das heißt, jeder, der mehr als zehn Minuten mit dem Infizierten zusammen war und weniger als 1,5 Meter Abstand zu ihm hatte, galt als Kontaktperson der Kategorie 1 und wurde, mitunter auch unter Mithilfe von Dolmetschern, angerufen.

Viele Fragen gestellt

Wo arbeiten Sie? Welche Personen haben Sie in den vergangenen 36 Stunden getroffen? Haben Sie Fieber? Solche und andere Fragen wurden dann telefonisch abgearbeitet. „Wenn wir dann Kranken- oder Altenpfleger am Telefon hatten, dann gingen bei uns schon die Alarmglocken“, sagt Donner. Die Bereitschaft, Auskunft zu geben, sei hoch gewesen, sagt Ramona Wevers.

Auch wenn zunächst mitunter Telefonnummern fehlten, sei die Ermittlung der Kontaktpersonen „nicht ganz so schwierig gewesen“ sagt sie. Sprachen sich Verdachtsfälle herum, „meldeten sich manche auch freiwillig bei uns“, so die Bocholterin. In der Anfangszeit seien so pro Fall bis zu 30, 40 Kontaktpersonen zusammengekommen, im späteren Verlauf der Pandemie waren es deutlich weniger.

Kein Geburtsdatum von „Elvira“

„Zu Anfang galt: Lieber mal einen mehr kontaktieren als einen zu wenig“, sagt Heistermann. Dabei muss er ein bisschen lachen, erinnert er sich doch an einen Fall, als man von allen Kontaktpersonen in einem Fall das Geburtsdatum ermittelt hatte – nur von einer gewissen Elvira nicht. Diese „Elvira“ stellte sich nach einigen Telefonaten dann letztlich als relativ unverdächtig heraus: Es war ein Hund, der zufällig ins Visier der Kontaktermittler geraten war.

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Wenn klar war, dass die Angerufenen in die Quarantäne mussten, mussten Donner, Wevers und Kollegen noch viele Fragen beantworten „Darf ich mit dem Hund raus? Wo kriege ich ein Fieberthermometer her? Was ist mit der Oma, die nebenan wohnt? Solche Fragen waren das“, sagt Ramona Wevers. Im Anschluss übernahmen die örtlichen Ordnungsämter, die auch die Quarantäne verfügten, den täglichen Kontakt.

„Geschehen ist deutlich ruhiger geworden“

„Es war auf jeden Fall schön zu sehen, dass die Maßnahmen greifen“, sagt Ramona Wevers rückblickend. „Ich glaube, da können wir uns mit unserer Arbeit gut sehen lassen“, sagt auch Bettina Donner stellvertretend für alle Mitarbeiter im Gesundheitsamt. Bis Ende Juni sind die beiden und ihre Kollegen vorerst noch für die Kontaktermittlung zuständig.

„Das Geschehen ist deutlich ruhiger geworden“, sagt Michael Heistermann. Von einer Entwarnung mag er aber trotz eines Rückgangs der Infiziertenzahlen auf (Stand Freitag) 22 nicht reden. Mit Blick auf die Öffnung der Schulen habe er schon ein „mulmiges Gefühl“, sagt er.

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