Eingesperrt, geschlagen, vergewaltigt: Anklage schildert Albtraum-Tat

dzProzess

Ein junger Mann aus Recklinghausen wird festgenommen. Die Vorwürfe sind schwer. Er soll eine Bekannte eingesperrt, geschlagen und mehrfach vergewaltigt haben.

Bochum/Recklinghausen

, 22.06.2020, 16:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diese Anklage hat es in sich. Ein junger Mann aus Recklinghausen soll eine Frau eingesperrt, geschlagen und mehrfach vergewaltigt haben. Seit Montag beschäftigt der Albtraum-Fall das Bochumer Landgericht.

Es war die Nacht auf den 11. Januar 2020, Tatort eine kleine Wohnung an der Bochumer Straße in Recklinghausen-Süd. Es ist nicht ganz klar, warum sich die Frau überhaupt beim Angeklagten aufgehalten hat. Nach Hause durfte sie aber angeblich erst am nächsten Morgen.

Aufs Bett geschmissen und angeschrien

Laut Anklage hat der 22-Jährige die Wohnungstür verschlossen, seine Bekannte geschlagen und ins Schlafzimmer gezerrt. Er soll sie an den Handgelenken gepackt, ihr in die Lippe gebissen, sie aufs Bett geschmissen und angeschrien haben: „Sei leise!“ Später hat er laut Anklage sogar noch gefragt, ob sie die „Pille danach“ nehme. Er wolle nämlich keine Kinder.

Im Prozess hat sich der 22-Jährige noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Das soll sich nach Angaben seines Verteidigers Matthias Düllberg im Laufe des Prozesses jedoch ändern. Mit einem Geständnis ist aber offenbar nicht unbedingt zu rechnen. Im Gefängnis soll der Angeklagte zum Beispiel diesen Satz gesagt haben: „Wenn ich verurteilt werde, bringe ich mich um.“

Sonder-Beobachtung im Gefängnis

Die Folgen waren für ihn damals nicht nur sofort spürbar, sondern nach eigenen Angaben auch dramatisch. Sechs Wochen will er in einer Spezialzelle verbracht haben – zur besonderen Beobachtung.

Wer ihm am meisten fehlt, ist offenbar seine Mutter. Der Angeklagte war 17, als er von seinen Eltern auf den Weg von Syrien nach Deutschland geschickt wurde. Das war 2015. Für alle drei hatte das Geld nicht gereicht. Zwei Jahre war er damals schon nicht mehr zur Schule gegangen. Der Weg nach Aleppo war durch den Krieg nicht passierbar, in den Schulen hätten Familien Schutz gesucht.

Mutmaßliches Opfer wird erst später vernommen

Eigentlich hätte er im Februar seinen ersten Job anfangen können. Doch dann kam die Festnahme. Die Frau, um die es geht, hat noch nicht als Zeugin ausgesagt. Sie soll erst an einem späteren Verhandlungstag vernommen werden. Im Falle einer Verurteilung drohen dem 22-Jährigen mehrere Jahre Gefängnis. Urteil voraussichtlich Mitte Juli.

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