Ein ehemaliger Philharmoniker hat sich in die Cupa Cupa aus Matera verliebt

dzSeltenes Volksmusikinstrument

Matera ist Kulturhauptstadt und bekannt für ihre Höhlenwohnungen. Ein ehemaliger Dortmunder Philharmoniker hat dort aber etwas anderes entdeckt.

Dortmund

, 18.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Es war ein Zufallsfund: Das Buch „Christus kam nur bis Eboli“ von Carlo Levi hat Joachim Tirler, ehemaliger Solokontrabassist der Dortmunder Philharmoniker, seiner Frau geschenkt. Die war begeistert und wollte die Höhlenstadt Matera, die in dem Buch (und in der Verfilmung von Francesco Rosi) beschrieben wird, unbedingt sehen.

Seit dem ersten Besuch sind die Tirlers Stammgäste in der süditalienischen Stadt, die in diesem Jahr Kulturhauptstadt ist. „Das ist unsere Stadt geworden“, sagt Joachim Tirler.

Dieses Volksmusik-Instrument kann man nicht kaufen

Die inzwischen restaurierten Höhlenwohnungen, die gastfreundlichen Restaurants, die Felsenkirche – all‘ das kennt das Ehepaar inzwischen. Auch den Dialekt der Stadt in Apulien versteht der gebürtige Bozener Joachim Tirler, der von 1965 bis 2008 Kontrabass bei den Dortmunder Philharmonikern und davor vier Jahre im Philharmonischen Orchester Hagen gespielt hat.

„Am Anfang habe ich gar nichts verstanden, das ist eine ganz andere Sprache“, erzählt der Musiker und klappt sein Wörterbuch auf, in dem der Dialekt aus Matera ins Italienische übersetzt ist. Bei Buchstabe C wie „Cupa Cupa“ liegt ein Lesezeichen. Das Volksinstrument kannte Joachim Tirler vorher nicht, es wird nur in Matera gespielt.

Der Dortmunder hat sich in Konzerten der Gruppe Ragna-Tela aus Matera von dem Klang des Instruments begeistern lassen. Eine Cupa Cupa wollte der Kontrabassist unbedingt haben und spielen.

Die Cupa Cupa hat einen ganz besonderen Klang

„Aber man kann dieses Instrument nicht kaufen. Die Musiker bauen es sich selbst“, erzählt der Dortmunder: „Zuletzt waren wir sechs Tage in Matera – extra, um eine Cupa Cupa zu kaufen. Aber es gab keine.“

Und so schaute Joachim Tirler am letzten Abend vor der Abreise nach einem Konzert auf dem Platz in der Altstadt in den Abendhimmel, da stand plötzlich der Cupa- Cupa-Spieler von Ragna-Tela neben ihm. Im Arm hatte er das Instrument, das der Dortmunder gesucht hat. „Dich hat ein Engel geschickt“, hat der Musiker zu dem italienischen Kollegen gesagt, „Du musst mir Deine Cupa Cupa verkaufen, wir reisen schon morgen ab“.

Der Musiker aus Italien hat seinen Auftritt verschoben

Der Volksmusiker verschob einen geplanten Auftritt und überließ dem überglücklichen Dortmunder sein Instrument. Für 80 Euro. „So einen Klang hab ich von keinem anderen Instrument gehört“, sagt Joachim Tirler.

Video
Joachim Tirler spielt Cupa Cupa
© Julia Gass

Dabei ist die Bauweise des Instruments seiner Träume simpel: Über ein Plastikrohr ist mit Spanngurten stramm ein Stück Stoff gespannt und durch ein Loch in der Mitte des Stoffs ist ein Bambusstab geführt. Stoff und die Hände des Spielers werden mit Wasser besprüht; reibt man mit der Hand an dem Stab, entsteht ein Basston, der sehr kraftvoll und das Fundament der Volksmusik aus Matera ist. – Ein Klang, der zum Tanzen und Fröhlichsein verleitet, nicht nur Joachim Tirler.

Viel Rummel in der Kulturhauptstadt Matera

Kontrabass übt der ehemalige Philharmoniker immer noch jeden Tag – eine Stunde nach dem Frühstück. Danach hört er alte Schallplatten – zurzeit viel Wagner. Auch bei den Bayreuther Festspielen hat Joachim Tirler in den 70er-Jahren im Orchester-Graben gesessen.

Mit großer Freude schreibt der Musiker, der bis 2018 an der Musikhochschule Düsseldorf unterrichtet hat, auch Bearbeitungen von Kontrabass-Werken. Und mit der Sinfonietta Hungarica gibt der 76-Jährige immer noch gerne Konzerte.

Nach Matera wollen die Tirlers in diesem Jahr nicht fahren. „Im Kulturhauptstadt-Jahr ist da zu viel Rummel. Schon im vergangenen Jahr waren dort viele Japaner. Wir hoffen, dass bald wieder Ruhe in der Stadt einkehrt“, sagt Joachim Tirler. Aber wenn er auf der Cupa Cupa spielt, denkt er gerne an Matera.

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