Ein Regal voller Geschichte(n)

Zeche Fürst Leopold

Zehn Tonnen schwer, rund neun Meter hoch und sechs Meter breit - das Leopold-Regal in der Maschinenhalle der ehemaligen Zeche Fürst Leopold in Dorsten beeindruckt nicht nur mit seiner überdimensionalen Erscheinung. Viel wichtiger ist, was drin steckt: In 34 Fächern verbergen sich hinter 32 Exponaten viel Bergbaugeschichte, aber vor allem auch Geschichten von den zahlreichen Kumpel, die tagtäglich auf der Zeche malochten.

DORSTEN

, 03.04.2017, 17:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Regal voller Geschichte(n)

Eröffnung des interaktiven Regals in der Maschinenhalle auf dem Zechengelände.

Nach geschlagenen fünf Jahren steht das Hochregal endlich in voller Pracht in der Maschinenhalle. Eine Dauerausstellung, um das bergbauliche Erbe der Stadt zu bewahren, war von Anfang an das angestrebte Ziel. Doch wie das genau aussehen sollte, darüber mussten die Mitglieder des Bergbauvereins noch einige Jahre grübeln.

Anstatt alte Grubenlampen sinnlos in Vitrinen zu stellen - für die auch gar kein Platz gewesen wäre - "sollte ein Alleinstellungsmerkmal für das Ruhrgebiet gesetzt werden", betont Vereinsgeschäftsführer Jürgen Robbert.

"Wir wollten zwar eine umfassende Dokumentation über Fürst Leopold. Doch gleichzeitig nicht zu viel machen. Am Wichtigsten war, dass die Ausstellung zur Maschinenhalle passt." Daher fiel 2012 die Wahl auf die Regal-Variante.

Konzept verfeinert

Welche Geschichten sich hinter den vier Gartenzwergen, dem Moped oder dem Zahnrad verstecken, erfahren Besucher am sogenannten Terminal. Mit nur einem Klick werden die Geheimnisse des Regals enthüllt - durch Fotos und Texte. Einige Gegenstände sind nur symbolisch und erzählen zum Beispiel wie die "Gastarbeiter" damals den Kontakt in ihre Heimat aufrechterhielten oder vom gesetzten Ende des Steinkohlebergbaus in Deutschland im nächsten Jahr.

Dem Bergbauverein zur Seite gestanden, das Konzept verfeinert und historische Schwerpunkte gesetzt hat Ulrich Borsdorf, Gründungsdirektor des Ruhr Museums. Federführend bei der modernen Architektur war der bereits museumserfahrene Stuttgarter Hannes Bierkämper. Die 150000 Euro Gesamtkosten übernahmen die NRW-Stiftung, die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, der Bergbauverein und weitere Spender.

Erinnerungen und Neues entdecken

Dass die stählerne Ausstellungswand ein Hingucker in jeder Hinsicht ist, konnte der Vereinsvorsitzende Gerhard Schute bereits bei der Eröffnung beobachten: "Zwei Bergbauwitwen schwelgten in Erinnerungen. Da hörte man Sätze wie ‚ach, weisse noch?' oder ‚das hab ich auch'."

Für die jüngeren unter den über 200 Besuchern sei das Regal eine wahre Fundgrube gewesen. Denn von einem Arschleder, auf dem die Kumpel bei ihrer Schicht durch die Gänge rutschten, oder von mit Kohle betriebenen Bügeleisen hatten die vorher wohl noch nichts gehört.

Fürst Leopold Dorsten: "Das Leopold-Regal", Fürst-Leopold-Platz 4, So/Feiertags 11-18 Uhr.