Duisburger "Traumzeit"-Festival endete mit Treffen von Ost und West

DUISBURG Der eine Star lieferte das, was seine Fans von ihm erwarteten, der andere entwickelt sich immer weiter.

von Von Klaus Lipinski

, 07.07.2008, 17:37 Uhr / Lesedauer: 1 min

Solomon Burke ersetzte die erkrankte Marianne Faithfull zum Abschluss des Duisburger Traumzeit-Festivals und kaum jemand möchte von ihm anderes hören, als aneinander gereihte Hits. Dass dabei die Attitüde manchmal deutlich die Qualität übertrifft, gehört zum Pop-Geschäft. Brad Mehldau zeigte dagegen, dass sich sein pianistisches Konzept immer weiter entwickelt. Einer der Höhepunkte eines Festivals, das wieder einmal mit Vielseitigkeit und ungewöhnlichen Ideen begeisterte.

So ermöglichte der diesjährige Kompositionsauftrag eine hochinteressante Begegnung. West traf auf Ost, Thierry Titi Robin mit seinem Quartett auf den Sänger Faiz-Ali-Faiz und seine Musiker. Aus der musikalischen Umsetzung von Sufi-Texten entstand eine sehr gelungene Synthese beider Bands, geprägt durch die intensiven Improvisationen des Sängers.

Als Komponistin begeisterte Rita Marcotulli. Die italienische Pianistin untermalte größtenteils stumme Filmszenen von Truffaut und ließ sich zu mit Harfe, Sopran-Saxofon, Akkordeon und Perkussion sensibel arrangierten Klängen inspirieren.

Jeff Ballard hat als Schlagzeuger mittlerweile das Trio von Mehldau verändert. Er setzt deutlich unabhängigere Akzente als sein Vorgänger Jorge Rossy, Larry Grenadier wird dadurch mehr auf das Metrum gezwungen, und Mehldau selbst nutzt die Impulse, um die Form viel freier zu gestalten. Sein großartiges Konzert zeigte, wie sehr sich sein Vorstellung von polyphoner Improvisation weiterentwickelt hat. Versucht hat er so etwas schon seit Jahren, mittlerweile hat er dabei ein Niveau und einen persönlichen Stil erreicht, den niemand sonst so spielt. Eine gereifte große Persönlichkeit. 

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