Duisburg: Party-Fotograf verliert bei Wohnungsbrand alles

dzSchicksal

Eric Harder ist Fotograf und in Clubs im Ruhrgebiet bekannt. Bei Partynächten standen viele vor seiner Linse. Ein Feuer hat ihm alles genommen.

von Jory Aranda

Duisburg

, 01.05.2020, 12:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eric Harder ist Eventfotograf aus Duisburg. Egal ob bei rauschenden Nächten in der ehemaligen Diskothek Delta oder wie zuletzt auf dem Luft & Liebe-Festival im Villenpark Rheinperle – regelmäßig standen Partygäste im ganzen Ruhrgebiet vor seiner Linse. Seine Schnappschüsse sind Erinnerungen an lange Partynächte. Zuletzt stoppte ihn zwar Corona, dann schlug das Schicksal aber mit voller Wucht zu: Bei einem Wohnungsbrand hat der 38-Jährige alles verloren.

Den 20. April wird Eric Harder nicht mehr vergessen. An jenem Montagmorgen ist er durch ein „lautes Zischen“ wach geworden. Wie Kohlensäure, die beim Öffnen einer Wasserflasche herausströmt. Erst einmal, dann ein zweites Mal. Der Duisburger steht auf und sieht, dass der Akku eines mobilen Blitzgerätes Feuer gefangen hat.

Duisburg: Akku im Ladegerät sorgt für Wohnungsbrand

In seiner Maisonettewohnung an der Beekstraße in der Altstadt eilt er hinunter ins Badezimmer. Ein Eimer Wasser muss her. Doch ein Blick nach oben verrät: Es ist zu spät. „Es wurde hell, und es hat geknistert. Dann stand schon der ganze Raum in Flammen.“ Er eilt hoch, schnappt sich schnell Tablet und Handy vom Bett und rennt aus der Wohnung – „barfuß und in Unterhose.“

Den Nachbarn versucht er aus der Wohnung zu schellen. „Da kamen schon Sachen meine Treppe runtergeflogen. Es hat alles gebrannt.“ Als die Feuerwehr am Mehrfamilienhaus eintrifft, steht das zweite Obergeschoss bereits in Flammen. Das Feuer hatte sich auch aufs Dachgeschoss ausgeweitet. Später stellen die Ermittler fest, dass ein technischer Defekt die Brandursache war: Ein Kurzschluss im Akku hatte das Feuer ausgelöst.

Brandverletzung am Kopf – Behandlung im BG Klinikum Duisburg

Mit Brandverletzungen an Kopf und Fuß konnte Eric Harder den Flammen entkommen. „Ich bin froh, noch unter euch zu sein“, sagt der Fotograf. „Ich bin so glimpflich davon gekommen. Hätte ich nur fünf Minuten weitergeschlafen – ich wäre nicht mehr da.“

Eine Woche wurden seine Verletzungen im Zentrum für Schwerbrandverletzte des BG Klinikums Duisburg behandelt. Mittlerweile ist er raus – und in einem Hotel. Denn die Flammen haben dem 38-Jährigen sein ganzes Hab und Gut genommen.

Persönliche Erinnerungen, sein Kameraequipment, Möbel und Klamotten – alles ist weg. Und es sind vor allem die Bilder seiner Arbeit, die für viele Menschen Ausdruck purer Freude waren, die unwiderruflich gelöscht sind. „Das tut am meisten weh.“ 2003 fing er als Fotograf im Delta an, mittlerweile war er fast jedes Wochenende in der Partyszene unterwegs.

Welle der Unterstützung im Internet

Im Internet löst die Nachricht über sein Schicksal eine Welle der Unterstützung aus. Viele wollen mit alten Möbeln helfen. DJs wie Eric Smax oder Björn Mandry rufen musikalisch zu Spenden für das bekannte Gesicht des Nachtlebens im Ruhrgebiet auf und spielen im Internet ein Live-DJ-Set. „Ich bin einfach überwältigt und dankbar“, sagt Harder über so viel Solidarität.

Die Versicherung habe angekündigt, sie trage die Kosten für den Schaden. Schnell will er nun eine neue Wohnung finden. Viel, sagt er, braucht er erstmal nicht. Eine Wohnung und ein Bett, einen Rechner und eine Kamera. Denn eines steht für Eric Harder fest: So schnell wie möglich möchte er wieder Menschen vor der Linse haben.

Der Artikel erschien zuerst auf WAZ.de.

Fotos von Eric Harder

Der Eventfotograf veröffentlicht auf der Fotoplattform Instagram unter seinem Account „harderphoto“ seine besten Partyfotos. Regelmäßig fotografierte er etwa in der Diskothek Lucy in Essen-Rüttenscheid. Auch auf der Ultraschall-Party in Duisburg oder dem Smag Sundance Open Air Festival hat er Partygäste fotografiert. Zuletzt sorgte Corona für eine kreative Pause und einen deutlichen Rückgang der Aufträge. Bis September, sagt Eric Harder, wurden ihm Events gestrichen.
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