Düsseldorf würdigt Marcel Broodthaers als Poeten der Kunst

K 21 Ständehaus

Den Kunstbegriff hat der Belgier Marcel Broodthaers so fundamental infrage gestellt wie kaum ein anderer. Und gleich noch das Museum als sakrosankte Institution wie die fragwürdige Rolle des Kunstmarktes. Dennoch entwickelte er sich zu einem der einflussreichsten Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

DÜSSELDORF

, 02.03.2017, 16:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Düsseldorf würdigt Marcel Broodthaers als Poeten der Kunst

Marcel Broodthaers' Arbeit "Chez votre fournisseur Le vinaigre des Aigles (Bei ihrem Händler Adleressig, 1968).

Zwei der international bedeutendsten Museen, das New Yorker Museum of Modern Art und das Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia in Madrid, haben vier Jahre aufgewandt, um für eine umfassende Retrospektive alle Facetten dieses komplexen Werkes aufzuarbeiten. Die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf lässt sich diese Schau nicht entgehen. Immerhin verbrachte Brooedhaers in dieser Stadt von 1970 bis 1972 eine entscheidende Schaffensphase.

Das Ergebnis im Ständehaus am Schwanenspiegel mit über 200 Arbeiten ist ein Ereignis. Es entdeckt den humorbegabten Poeten, der die Kunst mit Ironie auf den Kopf gestellt hat, um im vermeintlich Vertrauten Rätselhaftes zu entdecken.

Ritterschlag durch documenta 5

Zwei große Ausstellungen hat ihm 1970 und 1972 die Kunsthalle Düsseldorf gewidmet. Teile davon sind im Souterrain des Ständehauses rekonstruiert. Den Ritterschlag erhielt Marcel Broodthaers durch Harald Szeemanns legendäre documenta 5. Auch auf der documenta 6, 7 und 10 begegnete man seiner gewitzten neuen Lesart der Kunst.

Inspiriert durch die visuellen Rätsel seines Landsmannes René Magritte gründete er 1968 in seiner Brüsseler Wohnung sein eigenes imaginäres Museum. Es bestand aus zugenagelten Transportkisten und Kunstpostkarten.

Verwunschene Räume

Dem folgten die sogenannten Décors, verwunschene Räume wie der Wintergarten mit 30 Topfpalmen. Unmengen von Miesmuschelschalen hat Brooedthaers in seinen Objekten als Elixier vergangenen Lebens verarbeitet.

Erst mit 40 fand er als mäßig erfolgreicher Dichter zur bildenden Kunst. Zwölf intensive Schaffensjahre blieben ihm bis zu seinem Tod 1976 in Köln am 52. Geburtstag. Die Düsseldorfer Retrospektive verknüpft die Chronologie der künstlerischen Entwicklung spannend mit Einblicken in die geistige Physiognomie eines Unangepassten.

K 21 Ständehaus in Düsseldorf: "Marcel Broodthaers", Ständehausstraße 1, 3.3. (Eröffnung 18.15 Uhr) bis 11.6.17, Di-Fr 10-18, Sa/So 11-18 Uhr, Katalog 49,90 Euro. Weitere Infos .