Dürreversicherungen sind bei Landwirten wenig gefragt

dzTrockenheit

Die Möglichkeit, sich gegen Ernteausfälle in Folge von langanhaltender Trockenheit zu versichern, nehmen in den Niederlanden mehr Bauern wahr.

von Josef Barnekamp

Kreis Borken

, 25.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenn am heutigen Donnerstag (25.7.) die aktuelle Hitzewelle für Rekordtemperaturen sorgen wird, dann werden viele Landwirte wieder sorgenvoll auf ihre Felder blicken – und um ihre Ernte fürchten. Schon im Vorjahr hatte die langanhaltende Trockenheit dafür gesorgt, dass im Kreis Borken viele Landwirte Ernteausfälle zu beklagen hatten.

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Gut 100 Bauern aus der Region hatten im Anschluss Anträge zum Ausgleich von Dürreschäden bei der Landwirtschaftskammer gestellt, rund 600 waren es landesweit. Rund 18 Millionen Euro hatten Bund und Land NRW-weit für solche Ausgleichszahlungen zur Verfügung gestellt.

In den Niederlanden unterstützt der Staat die Bauern

Die Möglichkeit, sich gegen Ernteausfälle in Folge von langanhaltender Trockenheit zu versichern, nehmen in der Region aber trotz des spürbar werdenden Klimawandels nur wenige Landwirte wahr. Bei der Versicherungsberatung des Kreis-Bauernverbandes jedenfalls stellt man „kein zunehmendes Interesse von Mitgliedern an Versicherungslösungen gegen Dürreschäden fest“, wie der WLV-Kreisverband auf Anfrage mitteilt. Die bestehenden Angebote seien erstens in der Absicherung häufig zu pauschal und zweitens deutlich zu teuer, heißt es. Empfehlen könne man seinen Mitgliedern solche Dürre-Versicherungen daher aktuell nicht.

Auf der anderen Seite der Grenze ist die Nachfrage von Dürreversicherungen hingegen allein in diesem Jahr um mehr als zehn Prozent gestiegen, wie die niederländische Zeitung „Tubantia“ berichtet.

Im Nachbarland gibt der Staat schon jetzt rund 54 Millionen Euro aus, damit sich Landwirte gegen Hagel, Unwetter und andere Wetterereignisse versichern können. In Deutschland gibt es solche staatliche Hilfen nicht.

Dürreversicherung übernimmt 50 Prozent des Wertes der Ernte

Die Versicherungen in den Niederlanden übernähmen dabei maximal 50 Prozent des Wertes der Ernte, der – je nach Ackerfrucht – zwischen 2000 und 10.000 Euro liege, heißt es. Um das zumindest zum Großteil abzusichern, müssen die niederländischen Landwirte Prämien bezahlen, die von zweistelligen Beträgen bis hin zu einigen hundert Euro pro Hektar liegen.

Aktuell seien aber immer noch weniger als die Hälfte der niederländischen Bauern gegen Ernteausfall versichert. 2020 sollen es bereits deutlich mehr sein: Dann will Landwirtschaftsministerin Carola Schouten die Versicherungssteuer für solche Ernteausfallversicherungen in Höhe von 21 Prozent streichen.

Versicherungssteuer soll gesenkt werden

Auch in Deutschland könnte eine vom Bundesfinanzministerium ins Spiel gebrachte Absenkung der Versicherungssteuer die Dürreversicherungen attraktiver machen: Noch gilt laut Deutscher Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) die gesetzliche Regelung, dass man für Risiken wie Hagel, Sturm, Starkregen und starken Frost einen ermäßigten Steuersatz in Höhe von 0,03 Prozent der Versicherungssumme zahlt, bei Versicherungen gegen das Risiko Dürre/Trockenheit hingegen 19 Prozent Steuer. Die Folge: Noch sind laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zwar rund 72 Prozent der deutschen Ackerflächen gegen Hagelschäden versichert, aber nur 0,5 Prozent der Flächen gegen Dürreschäden.

In den Niederlanden setzt man aber nicht nur auf finanzielle Vorsorge für Dürre-Fälle, sondern will den Verbraucher in die Pflicht nehmen: So will sich das dortige Landwirtschaftsministerium in Brüssel dafür einsetzen, dass auch Früchte, die in Folge von Trockenheit schrumpelig, klein oder sonst wie eher unansehnlich geworden sind, in den Handel kommen dürfen.

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