Drosten und Intensivmediziner warnen vor steigender Intensivbettenauslastung

Krankenbetten

In einem Prognosemodell haben Intensivmediziner die Intensivbettenauslastung für Covid-19 prognostiziert. Einige Städte aus NRW scheinen besonders gefährdet zu sein.

Hannover

08.04.2021, 12:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Christian Drosten, Direktor Institut für Virologie der Charité Berlin nimmt an einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage um die Corona Pandemie teil.

Christian Drosten, Direktor Institut für Virologie der Charité Berlin nimmt an einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage um die Corona Pandemie teil. © dpa

Der Virologe Christian Drosten und der wissenschaftlicher Leiter des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, haben angesichts der aktuellen Infektionsdynamik vor einer steigenden Auslastung der Intensvibetten in Deutschland gewarnt. Drosten retweetete am Donnerstagmorgen den Tweet von Christian Karagiannidis mit der Einschätzung: „Dies ist ein Notruf.“

Karagiannidis selbst hatte am Mittwoch getwittert: „Liebe Entscheidungsträger, wie hoch sollen die Zahlen denn noch steigen bevor Ihr reagieren wollt???“. Dazu stellte der Intensivmediziner mehrere Grafiken, die verdeutlichen, wie die Prognosen des Divi mit den tatsächlichen Belegungen der Intensivbetten übereinstimmen.

Prognosen der Intensivbettenauslastung

Eine der Grafiken zeigt dabei eine Prognose der Belegung von Intensivstationen in zwei verschiedenen Szenarien: Ein pessimistisches und ein optimistisches Impfszenario (Stand: 3. April 2021). In beiden Fällen werden drei verschiedene Prognosen für jeweils unterschiedliche Szenarien verglichen. Mit grün wird zudem die Echtzeit Belegung der Intensivstationen dargestellt.

Dabei zeigt sich: Der Trend folgt bisher sehr genau der in dem Modell vorausgesagten Kurve - und nähert sich dem Szenario, in dem von einer sehr hohen Auslastung der Intensivbetten ausgegangen werden muss. „Wir verpassen jede Ausfahrt zur Senkung der Zahlen. Unser Prognosemodell im Abgleich mit den realen Zahlen (in Grün) spricht Bände. Bitte handelt endlich!“, schreibt Christian Karagiannidis dazu.

Zahl der freien Intensivbetten in einigen Städten nur noch einstellig

In einem zweiten Tweet betont Karagiannidis zudem die Dringlichkeit für Städte, wie Bonn, Bremen und Köln. Diese hätten „kaum noch freie Betten für den nächsten Herzinfarkt, Verkehrsunfall oder Covid-Patienten!“. Die Bilder zeigten die Lage deutlich: Bonn etwa hat demnach sieben freie Intensivbetten. Im Fall von Bremen sieht die Lage mit acht freien Intensivbetten ähnlich aus.

Karagiannidis mahnt, dass auch Verlegungen keine Lösung für das Problem seien: „Und einen instabilen Patienten kann man NICHT einfach dorthin verlegen wo gerade Platz ist. Ein freies Bett in Ostwestfalen hilft da NICHT!“.

Charité reduziert Zahl der planbaren Eingriffe

Die Berliner Charité, Europas größte Uniklinik, teilte am Donnerstag mit, künftig wieder wegen steigender Patientenzahlen in der dritten Corona-Welle, den übrigen Klinikbetrieb stark ein. Ab kommender Woche würden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder vermehrt in Covid-19-Bereichen eingesetzt, planbare Eingriffe würden zurückgefahren, teilte der für die Krankenversorgung zuständige Vorstand Martin Kreis mit.

rnd/mr


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