Drei Tage nicht geschlafen: Imbissbetreiber schlägt Freund fast tot

dzLandgericht

Ein ehemaliger Imbissbetreiber aus Gladbeck schlägt einen Freund fast tot. Jetzt steht er vor Gericht. Auslöser des Gewaltexzesses sollen Drogen und Schlafmangel gewesen sein – und ein Foto.

Gladbeck/Essen

, 21.07.2020, 15:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn es stimmt, was der Angeklagte sagt, dann war es ein Foto, dass ihn im Februar 2020 völlig ausrasten ließ. Das Opfer war ein guter Freund. Dass der andere Mann überlebt hat, ist wohl Glück.

„Ich habe Schwarz gesehen“, sagte der 27-jährige ehemalige Imbissbetreiber aus Gladbeck am Dienstag vor dem Essener Schwurgericht. „Ein Blackout.“ Er könne sich an fast nichts mehr erinnern. Nur noch, dass er ein Foto in der Hand gehalten habe, auf dem sein Kumpel mit seiner Freundin zu sehen war. „Das habe ich zumindest geglaubt.“ Die Frau auf dem Bild habe ihr sehr ähnlich gesehen.

Schädelhirntraume, Schnittwunden, Quetschungen

Was dann passierte, ist nicht ganz klar. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der ehemalige Imbissbetreiber immer wieder auf sein Opfer eingeschlagen und eingetreten hat. Auch und vor allem gegen den Kopf. Die Ärzte hatten später ein schweres Schädelhirntrauma festgestellt, dazu Quetschungen, Platzwunden, Brüche. Außerdem gab es Schnittwunden an der Schläfe.

„Der konnte nicht mehr richtig atmen“

„Der lag dann da auf dem Boden“, sagte der 27-Jährige den Richtern. „Ich weiß noch, dass er nicht richtig atmen konnte. Und dass er geblutet hat – aus dem Mund, am Kopf.“

Schuld an dem Gewaltexzess sollen die Drogen gewesen sein. Drei Tage lang will der Angeklagte nicht geschlafen haben – aufgeputscht durch immer mehr Kokain. „Ich hatte schon Halluzinationen, Wahnvorstellungen.“ In dieser Situation habe er schließlich gedacht, dass ihm sein Kumpel die Freundin ausspannen wollte oder sogar schon ausgespannt hat. Angeblich soll es Andeutungen gegeben haben.

Schon früher gewaltsame Ausraster

Es war der der 6. Februar 2020, als sich der Angeklagte mal wieder in der Gladbecker Wohnung des späteren Opfers aufgehalten hat. Alkohol und Kokain machten die Runde. Irgendwann will er dann in einer Box im Schlafzimmer das Foto entdeckt haben.

Gewaltsame Ausraster hat es im Leben des 27-Jährigen schon mehrfach gegeben. Im aktuellen Prozess geht es auch noch um einen Angriff aus Juli 2019. Auch da soll der Angeklagte brutal zugeschlagen und getreten haben. Laut Anklage, weil ihn das spätere Opfer als „Lappen“ bezeichnet habe.

„Es wird Blut fließen“

Und dann ist da noch eine Vorstrafe – wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte. Nach einer Schlägerei in einer Gaststätte hatte er die Beamten laut Urteil (sieben Monate Haft auf Bewährung) so bedroht: „Das hat ein Nachspiel. Meine Familie wird das regeln. Es wird Blut fließen.“

Der Prozess wird fortgesetzt. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag.

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