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Zwischen Werktreue und Eigeninterpretation

18.11.2007

Enger Lack glänzt im Scheinwerferlicht. Darüber eine blonde Perücke, darunter Netzstrümpfe und Stiefel, klagt "Mrs. Peachum" aus der Dreigroschenoper: "Der frechste Hund! Der schlimmste Hurentreiber! Wer kocht ihn ab, der alle abkocht? Weiber! Ob er will oder nicht - er ist bereit. Das ist die sexuelle Hörigkeit."

Bei der Bertolt-Brecht-Revue am Samstag im Roto Theater singt, spricht und spielt Barbara Kleyboldt, begleitet von Gerhard Giel.

Werktreue trifft Eigeninterpretation: Die gekonnte Balance zwischen persönlichem Ausdruck und einer Stimmung nah am Original fegt den Staub aus den Werken des 1956 verstorbenen Genies. Das knallige Hurenkostüm ist die Ausnahme, humorvoller Kommentar zur "Ballade von der sexuellen Hörigkeit" und Höhepunkt der sparsamen Requisite, die viel Platz lässt für das Wesentliche: Die Akteure.

Denn Barbara Kleyboldt braucht Raum, den sie füllen kann. Köstlich schmachtend gedenkt sie etwa einer Jugendliebe ("Erinnerung an die Marie A.") mit nur leichter, präzise kalkulierter Überzeichnung. Kurze Einführungen zu Brechts marxistisch gefärbten Motiven unterstreichen die Tragik seiner Inhalte wie beim dramatischen Monolog "Johanna der Schlachthöfe" - und die Aktualität seiner Anliegen: "In Erwägung, dass wir der Regierung, was sie immer auch verspricht, nicht trau'n" ("Die Resolution der Kommunarden").

Eindringlich und kunstvoll ist Kleyboldts Ernst. Umso willkommener ihr farbiger Humor bei eindeutig parodistischen Einlagen wie dem Augen rollend gesungenen "Matrosen Song".

Dem Schauspiel verleiht Gerhard Giel (Flügel, Akkordeon) das musikalische Fundament. In der Begleitung zurückhaltend und der Sängerin dienlich, nimmt auch er zwischendurch mit expressiv isolierten Eigen- und Fremdkompositionen die Bühne ganz für sich ein. tag

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