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Nathunis Glück

Die Lepra hatte Nathuni schon Finger und Zehen geraubt. Aber viel schlimmer: auch die Zukunft. Vor zehn Jahren verstieß ihn sein Vater aus der Dorfgemeinschaft in Nepal. Eigentlich der sichere Schritt in ein Leben voller Ausgrenzung, Verachtung, Verstümmelung.

29.11.2007

Nathunis Glück

<p>Der 34-jährige Nathuni hat Zeichen-Talent.</p> <p>Shanti-Leprahilfe</p>

Eigentlich: Heute hat Nathuni (34) eine Frau, ein von ihm abgöttisch geliebtes Kind, eine Arbeit und vor allem - eine Zukunft. Er hat sie, man darf es so pathetisch sagen, von der Shanti-Leprahilfe geschenkt bekommen.

Dorf-Szene

Marianne Grosspietsch, Vorsitzende der in Dortmund ansässigen Hilfsorganisation, kann sich noch gut an die Szene vor zehn Jahren erinnern. "Ich war zufällig in Nathunis Dorf. Sein Vater tobte und schrie, er sei eine Schande, eine Strafe für die Familie und das Dorf." Trauriges, wenn auch tägliches Schicksal vieler Leprakranker.

Marianne Grosspietsch nahm den unglücklichen, verschlossenen, depressiven Kranken mit in die Shanti-Station in Kathmandu. Für Nathuni war alles neu, fremd, ungewohnt, selbst die Sprache. Niemanden ließ er an sich heran. Bis Marianne Grosspietsch ihn eines Tages ansprach: "Du brauchst Schuhe."

Schuhe, Lederschuhe sind für einen Leprakranken in Nepal, dem die Krankheit die Zehen gefressen hat und der in Plastiklatschen geht, ein ungeheures Statussymbol. "Wir haben schwarze Lederschuhe gekauft", erzählt die 63-Jährige: "Er war sehr stolz. Er war wieder jemand."

Jemand, der Vertrauen fassen konnte. Jemand, der auf die Frage, was er denn so könne, zunächst "nichts" sagte. Der dann aber ein künstlerisches Talent offenbarte. "Nathuni kann zeichnen und malen", erzählt Marianne Grosspietsch. Gelernt hatte er es in seinem Dorf bei der alljährlichen rituellen Bemalung der Lehmhäuser.

Muster im Kopf

Damit fing er auch in der Station der Leprahilfe an. Dann malte Nathuni Ornamente, Briefrahmen, Bilder. Die Figuren und Muster hat er im Kopf. Er malt freihändig, ohne Vorlage. Seine Rahmen passen genau auf die Papiergröße. "Wunderbar", sagt Marianne Grosspietsch und animierte auf einer ihrer jüngsten Reisen nach Nepal den mittlerweile 34-Jährigen, einen Schmuckrahmen für diese RN-Sonderseite zu fertigen.

Heute können sich Nathuni, seine Frau und sein Sohn ein eigenes Zimmer in der Nähe der Shanti-Station leisten. "Jeden Morgen kommt er in unsere Werkstatt, malt, und verdient sein Geld."

Marianne Grosspietsch ist weniger stolz als sehr dankbar, ein fast schon von der Lepra geraubtes Leben so aufblühen zu sehen.

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