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Ein letztes Mal Magd

Ein höheres Lob kann es für eine Schauspielerin kaum geben. "Du bis zur Magd Zerline geworden." Sagt Kammerschauspieler Claus-Dieter Clausnitzer zu Kammerschauspielerin Helga Uthmann.

09.11.2007

Ein letztes Mal Magd

<p>Das Textbuch ist immer noch das selbe wie vor 20 Jahren: Am Sonntag gibt Helga Uthmann gemeinsam mit Claus-Dieter Clausnitzer ihre letzte Vorstellung als Magd Zerline. Reminghorst</p>

Und er muss es wissen. Schließlich hat er die Auftritte von Helga Uthmann seit 20 Jahren begleitet - als (fast) stummer Zuhörer A. auf dem Biedermeier-Sofa. 179 Mal hat sie bislang die Zerline gespielt. Oder sollte man besser sagen: gelebt? An diesem Sonntag ist es das 180. - und unwiderruflich letzte Mal.

Nach 20 Jahren ist es genug, hat Helga Uthmann für sich entschieden. Ein Rekord ist es gemessen an der Zahl der Vorstellungen ohnehin. Im Dezember 1987 feierte die Magd Zerline in der Regie des damaligen Schauspiel-Chefs Guido Huonder Premiere - damals im Bremer Zimmer des Museums für Kunst und Kulturgeschichte. Sieben Jahre gehörte das Stück - eine Erzählung des österreichischen Schriftstellers Hermann Broch - zum Repertoire des Schauspiels. Danach wechselte es in den Clubraum in der 18. Etage des Harenberg-Centers (HCC) - dank Bodo Harenberg, der selbst einer der größten Zerline-Fans ist. "Ich habe es schon 52 Mal gesehen. Aber ich habe mich nie gelangweilt und das Stück jedes Mal neu erlebt", zollt er Helga Uthmann vor der Abschiedsvorstellung ein Riesen-Lob. "Die Vorstellung fällt schwer, dass es die Magd Zerline bald nicht mehr geben wird."

Helga Uthmann und Claus-Dieter Clausnitzer versuchen aber gar nicht erst, Wehmut aufkommen zu lassen. "Man darf nicht daran denken, dass es das letzte Mal ist", sagt Clausnitzer, der am Sonntag wieder als Herr A. dabei ist. Mit einem halben Dutzend Partnern hat Helga Uthmann das Stück gespielt, das eigentlich ein 80-minütiger Monolog ist, gespielt. Einmal saß auch Regisseur Guido Huonder auf dem Sofa. "Das war der schwerste Abend", erinnert sich Helga Uthmann. "Ich habe immer darauf gewartet, dass er sagt: So habe ich das nicht inszeniert."

Denn natürlich war keine der bislang 179 Vorstellungen wie die andere. "Helga ist immer wahnsinnig präzise, aber nie genau gleich", bestätigt Clausnitzer. Und das schätzt wohl auch der große Fan-Kreis der Zerline. "Am Sonntag sind alle Stammgäste da. Frau Uthmann wird jedes Gesicht kennen", verspricht HCC-Geschäftsführer Klaus Becker. Und die Vorstellung ist natürlich - wie alle 179 zuvor - ausverkauft.

Als Dank und Erinnerung gibt es als Geschenk eine Hör-CD mit einer Aufzeichnung der Zerline. Und für die Fans den Trost, dass Uthmann und Clausnitzer bald wieder gemeinsam auf der Bühne stehen. Am 6. Dezember feiern sie im Studio des Schauspiels Premiere als "Josef und Maria". Oli

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