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"DEW 21 in Sippenhaft"

Über die Entwicklungen auf dem Energiemarkt sprach RN-Redakteurin Bettina Kiwitt mit Helmut Engelhardt, Vorsitzender der Geschäftsführung von DEW21.

16.11.2007

"DEW 21 in Sippenhaft"

Helmut Engelhardt, Chef von DEW21.

Fühlen Sie sich als Vertreter eines Energieunternehmens wie ein Buhmann?

Engelhardt : Vielleicht nicht wie ein Buhmann, aber ich habe schon das Gefühl, dass DEW 21 in Sippenhaft genommen wird für Entwicklungen, die eher den großen Energiekonzernen anzulasten sind. Es schimpft auch niemand auf die Tankstellenpächter, wenn die Benzinpreise hochgehen. Da schimpfen die Leute auf die Ölkonzerne.

Beim Tankstellenpächter weiß ich, was für den vom Liter Benzin übrig bleibt. Unter zwei Cent pro verkauftem Liter, egal ob die Preise hoch oder runter gehen. Was für DEW beim Verkauf von Strom oder Gas übrig bleibt, weiß ich nicht.

Engelhardt: Wir haben ein Sachanlagevermögen von mindestens 1,5 Mrd. Euro und einen Umsatz von knapp 700 Mio. Euro. Damit erwirtschaften wir - ohne Erträge aus langfristigen Finanzanlagen - einen Gewinn nach Steuern von etwa 24 Mio. Euro. Das ist eher bescheiden. Und dieser Gewinn wird auch noch überwiegend für gemeinwirtschaftliche Zwecke in Dortmund verwendet.

Der Mieterverein meint, DEW hätte versuchen müssen, die jüngsten Preiserhöhungen der Konzerne vollständig aufzufangen. Da die Stromriesen unter dem Verdacht der Preisabsprachen stünden, wäre es Aufgabe von DEW gewesen, den Druck auf die Großlieferanten zu erhöhen.

Engelhardt: Wenn der Mieterverein fair gewesen wäre, hätte er "danke" gesagt, dass wir die Strompreise nicht stärker und beim Gas gar nicht erhöht haben. Da haben wir schon aufgefangen, was verkraftbar war.

Können Sie überhaupt Druck auf Ihre Lieferanten E.ON und RWE ausüben?

Engelhardt : Kaum. Uns fehlen die preisgünstigeren Bezugsalternativen.

Aber warum beteiligen Sie sich dann an einem Kraftwerk, bei dem RWE wieder die Hand im Spiel hat? Wäre es für die Unabhängigkeit von DEW nicht besser gewesen, sich bei einem rein kommunalen Kraftwerk wie Trianel zu engagieren?

Engelhardt: Wir haben lange überlegt, ob wir uns bei Trianel einklinken sollen. Aber wir müssen betriebswirtschaftlich und nicht volkswirtschaftlich denken. Bei RWE fühlten wir uns sicherer, weil die das Know-how für den Kraftwerksbau haben. Weil Trianel die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind, ist es heute fraglich, ob das Kraftwerk überhaupt gebaut wird. Unsere Entscheidung war daher richtig. Entscheidend ist, dass die Beteiligung uns ab 2012 günstigere und kalkulierbare Strombezugsmöglichkeiten eröffnet.

Auf dem Strommarkt gibt es mittlerweile stärker als beim Gas einen Wettbewerb. DEW verrät nicht mehr wie früher, wie viele Kunden zu anderen Anbietern wechselten.

Engelhardt: Das geben andere Mitbewerber auch nicht mehr preis. Aber ich kann Ihnen sagen, dass sich unsere Wechselquote kaum erhöht hat. Denn wenn die Kunden die Preise vergleichen, stellen sie fest, dass unsere Preise günstig sind. Wir sind vor Ort erreichbar, wenn es Probleme gibt. Unser Service ist gut. Unsere Erträge bleiben überwiegend in Dortmund.

Die Zerschlagung der vier großen Energiekonzerne wird von vielen Seiten gefordert, damit es mehr Wettbewerb gibt. Was würde es für DEW bedeuten, wenn der Mitgesellschafter und Großlieferant RWE zerschlagen würde.

Engelhardt: Ich verstehe die Diskussion überhaupt nicht. Das ist kein ernsthaftes Szenario. Eine Zerschlagung der Konzerne ist für mich völlig unrealistisch.

Die Bundesnetzagentur will die Netze von der Stromerzeugung trennen, um mehr Wettbewerb zu schaffen.

Engelhardt: Und was soll das bringen? Ein isolierter Netzbetreiber will auch Geld verdienen. Vielleicht sogar erst recht.

Wie kann man dann mehr Wettbewerb schaffen?

Engelhardt: Die Frage ist doch, ob mehr Wettbewerb zwangsläufig bedeutet, dass es billiger wird. Im Wettbewerb wird doch auch ausgetestet, was der Markt hergibt. Im Bereich der Telekommunikation hat der Wettbewerb für purzelnde Preise gesorgt.

Engelhardt: Das ist nicht vergleichbar. Die wesentlichen Unterschiede: Die Preisschübe beim Strom und Gas sind in erster Linie durch den Anstieg der Erzeugerpreise, also durch die Verteuerung der Produkte verursacht und nicht durch die damit zusammenhängenden Dienstleistungen. Einen solchen "Rohstoff" gibt es bei der Telekommunikation nicht. Dann gab es bei der Telekommunikation etwa zeitgleich mit der Liberalisierung einen Technologiesprung. Stichworte sind Glasfaserkabel und Satellitennetze. Wir müssen unsere Medien immer noch durch Leitungen transportieren.

Was können Sie tun, um den Strompreis möglichst günstig zu halten?

Engelhardt: Wir können das Risiko beim Einkauf streuen mit unterschiedlich strukturierten Strombezugsverträgen, dem Bezug an der Strombörse und künftig der Beteiligung an dem Kraftwerk in Hamm.

Aber selbst an der Strombörse soll manipuliert werden...

Engelhardt: Das kann ich nicht seriös beurteilen, kann es aber auch, wenn es so ist, nicht ändern.

Mit dem Wettbewerb auf dem Gasmarkt sieht es auch miserabel aus.

Engelhardt : Das wird auch in den nächsten 10 bis 15 Jahren so bleiben.

Warum?

Engelhardt: Russland und Norwegen sind die Hauptlieferländer und die wissen, was ihr Stoff wert ist. Dazu kommt der Riesenenergiehunger von China und Indien. Das sind keine Rahmenbedingungen, günstig an Energie zu kommen.

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