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Den Tod immer vor Augen

06.11.2007

Den Tod immer vor Augen

<p>Helmut Schmälter arbeitet seit 1991 im städtischen Krematorium. Kolle</p>

5 vor 5 in Dortmund. Jeden Mittwoch porträtieren wir an dieser Stelle Menschen unserer Stadt.

Immer wieder muss Helmut Schmälter die Frage beantworten: "Kommt da nicht ein Schippchen Asche von hier und ein Schippchen von da in die Urne?". "Nein", sagt er dann. Und er muss es wissen. Helmut Schmälter arbeitet im Krematorium am Hauptfriedhof. An vorderster Front. Den Tod immer vor Augen .

Der 57-Jährige schiebt seit 1991 die Särge per Knopfdruck in den Verbrennungsofen. Wenn's nach ihm geht, ist das die Endstation seiner Berufskarriere. Der gelernte Bergmann hat schon viel gemacht. War u.a. auf Montage im Stahlhochbau, Kraftfahrer und hat sich bei der Bundesbahn vom Hemmschuhleger zum Rangierleiter hochgearbeitet. Dann lernte er seine Frau kennen, sagt er, "und das Unglück fing an". "Sie meinen das Glück?", frag' ich. Nein, er beharrt auf dem Unglück. Hat sich im Privatleben die Finger verbrannt.

Heute ist der Vater von zwei erwachsenen Töchtern glücklich. In zweiter Ehe. Und mit seinem Beruf ist er auch zufrieden. Wenn er Spätschicht hat, steht er um fünf vor Fünf am Verbrennungsofen oder holt gerade einen Sarg aus der Kühlkammer. Oder putzt die blank gewienerten Rohre in den Technikräumen. Alles picobello. "Das machen wir fünf Kollegen alle zusammen."

Bei Frühschicht spielt er nachmittags oft Golf. Seit fünf Jahren auf der Driving Range an der Galopprennbahn in Wambel. Handicap? Er lacht unter seinen buschigen Augenbrauen: "18,8". Ganz ordentlich.

Beim Abschlussturnier am letzten Donnerstag konnte er nicht dabei sein. Im Krematorium war Tag der offenen Tür und Helmut Schmälter dienstverpflichtet. Wird er sich nach seinem Tod auch verbrennen lassen? "Ja klar". Gaby Kolle

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