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Zahl der Pflegefamilien steigt

Eltern gesucht

Immer mehr Kinder wachsen in Dorsten in Pflegefamilien auf, sagt Jugendamtsleiter Dietmar Gayk. Er spricht von erziehungsunfähigen Menschen, oft mit seelischen Wunden. Und er spricht von neun bis zehn Millionen Euro, die erzieherische Hilfen die Stadt kosten.

DORSTEN

, 10.04.2015
Zahl der Pflegefamilien steigt

Wichtig: Verständnis und Zusammenhalt.

Rund 250 Anrufe, in denen das Wohl eines Kindes in Frage gestellt wird, bekommt das Dorstener Jugendamt im Jahr, sagt Dietmar Gayk. "Und bei der Hälfte der Fälle sehen wir keinen Handlungsbedarf." Aber dann sei da noch die andere Hälfte.

Hier reiche das Spektrum von überforderten Eltern, die Entlastung brauchen (rund 30 Prozent der gemeldeten Fälle) über "latente Kindeswohlgefährdung" (10 Prozent) – zum Beispiel bei Sauberkeitsmangel in der Wohnung – bis hin zu akuter Gefahr eines Kinder (10 Prozent), das dann sofort aus der Familie geholt werden muss. Zum Beispiel wegen sexuellem Missbrauch. "Oder man holt den Täter aus der Familie", sagt Gayk. Wenn vom Partner keine Gefahr ausgehe.

Knapp 500 Fälle

Insgesamt gibt es laut Gayk knapp 500 Fälle erzieherischer Hilfe in Dorsten. Dazu zählt im Extremfall die Unterbringung in einem Heim (Kosten laut Gayk: rund 3,2 Millionen Euro im Jahr) oder einer Pflegefamilie (Kosten laut Gayk: rund eine Million Euro im Jahr). Dazu zählt aber auch die Betreuung von Kindern in einer Nachmittagsgruppe, um vor allem Alleinerziehende zu entlasten. 

Pflegeeltern, die suche das Jugendamt immer. „Und es ist nicht immer einfach, ein passendes Kind zu finden“, sagt Gayk. "Wer auf unserer Warteliste steht, der hat immer konkrete Wünsche. Bitte ein Mädchen, bitte klein und süß, und bitte nicht von einer Alkoholikerin gezeugt." Das klinge überspitzt – sei aber durchaus realitätsnah. "Niemand holt sich gerne Ärger ins Haus", sagt Gayk. Aber wenn eine Entscheidung getroffen sei, dann stünden die Pflegeeltern dahinter. Scheiternde Fälle seien Einzelfälle. 

"Man muss das Chaos lieben"

"Man muss ein bisschen verrückt sein, wenn man sich ein Pflegekind ins Haus holt", sagt Ute Tewes-Thielemann, zweifache Pflegemutter."Man muss das Chaos lieben. Und man muss sich darauf einlassen, dass plötzlich nichts mehr planbar ist." Aber wenn man sich darauf einlasse, dann beginne ein unvergleichbares Abenteuer. "Und ein Kind bekommt eine Chance."

Kontakt zum Jugendamt: Tel. (02362)  664551

 

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