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Viele Wulfener Gesamtschüler kämpften bei den Vorträgen und Filmen mit den Tränen

Crash Kurs NRW

Rund 200 Schüler, der komplette 10. Jahrgang der Wulfener Gesamtschule und eine Klasse der Raoul-Wallenberg-Schule, haben im wahrsten Sinne des Wortes etwas fürs (Über-)Leben gelernt.

Wulfen-Barkenberg

, 13.03.2019 / Lesedauer: 4 min
Viele Wulfener Gesamtschüler kämpften bei den Vorträgen und Filmen mit den Tränen

Im Bild (v.l.): Notarzt Dr. Thomas Meis, Polizeihauptkommissarin Ute Honvehlmann, Dominik Zientek, Seelsorger Gregor Coerdt, Polizeioberkommissarin Katja Pyszny und Polizeihauptkommissarin Susanne Klodt © Guido Bludau

Der sogenannte Crash Kurs NRW war am Dienstag zu Gast im Forum der Gesamtschule. Bei diesem Präventionsprogramm handelt es sich um Vortragsveranstaltungen, die gemeinsam mit Partnern der Polizei NRW im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Recklinghausen an Schulen durchgeführt werden.

„Junge Menschen sollen schon vor dem Erwerb des Führerscheins über die möglichen Konsequenzen eines späteren riskanten Verhaltens aufgeklärt werden. Das heißt, sie müssen motiviert und befähigt werden, sich und andere vor den Unfällen und ihren Folgen zu bewahren“, erklärte Polizeihauptkommissarin Ute Honvehlmann. „Hintergrund ist, dass junge Fahrer unter 25 Jahren nach wie vor überproportional häufig an Verkehrsunfällen beteiligt sind. In vielen Fällen waren dies die weniger erfahrenen und gleichzeitig häufig risikobereiteren Fahrer der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen.“

364 junge Erwachsene verunglückten im Jahr 2017 im Vest

Im Jahr 2017 verunglückten im Kreis Recklinghausen und in der Stadt Bottrop insgesamt 364 junge Erwachsene. Bei 85 Unfällen mit jungen Erwachsenen spielte die Geschwindigkeit eine ursächliche Rolle. Daher ist das angestrebte Ziel von Crash Kurs NRW eine Verringerung der Zahl schwerer Verkehrsunfälle, an denen junge Fahrer beteiligt sind.

Neben Bildern und passender Musik sind die persönlichen Einsatzerfahrungen wichtigster Bestandteil von Crash Kurs NRW. Am Dienstag berichteten auf sehr emotionale Weise ein Notarzt, ein Akteur der Feuerwehr Dorsten, eine Polizistin und ein Notfallseelsorger von ihrer harten Lebenswirklichkeit bei schweren Verkehrsunfällen, bei denen sie selbst dabei waren.

Im Forum war es mucksmäuschenstill

Polizeioberkommissarin Katja Pyszny, die ihren Dienst in Dorsten versieht, berichtete zum Beispiel in ihrem Vortrag von einem Unfall in Hervest, den sie selbst aufnehmen musste. Ein 15-Jähriger war beim Radfahren abgelenkt, wurde von einem Autofahrer erfasst und tödlich verletzt. Bei ihren letzten mahnenden Worten an die Schüler versagte ihr fast die Stimme, als sie davon erzählte, dass sie nun selbst Mutter ist und so etwas Schlimmes in ihrer Familie niemals erleben möchte. Im Forum war es währenddessen mucksmäuschenstill.

Dominik Zientek von der Feuerwehr berichtete von einem sehr schweren Unfall mit vier Jugendlichen in Holsterhausen - einer von ihnen kam wegen seiner tödlichen Verletzungen nicht mehr nach Hause. Notarzt Dr. Thomas Meis aus Bottrop schilderte ebenfalls an einem realen Beispiel, wie es an einer Unfallstelle aussieht, wenn ein Auto mit hoher Geschwindigkeit einen Unfall hat und fünf junge Menschen dabei sterben.

Notfallseelsorger Gregor Coerdt machte mithilfe eines realen Beispiels deutlich, wie schwer es ist, einem Angehörigen zu sagen, dass sein Partner, Kind oder Elternteil bei einem Unfall ums Leben gekommen ist.

Einige Schüler kämpften mit den Tränen

„Crash Kurs NRW will den Schülerinnen und Schülern nicht den Spaß am Autofahren oder am Leben vermiesen, aber sehr deutlich auf die Gefahren aufmerksam machen“, betonte Polizeihauptkommissarin Ute Honvehlmann zum Abschluss. Mit diesen individuellen und authentischen Erfahrungsberichten sollte den Jugendlichen aufgezeigt werden, dass sie verletzlich und sterblich sind. Hierbei wurde jedoch bewusst auf allzu schockierende reale Bilder verzichtet. In den Videos, bei denen vorher bekannt war, dass sie gestellt sind, waren die Szenen ein wenig drastischer. Diese Berichte weckten viele Emotionen, sodass einige Schülerinnen und Schüler mit den Tränen kämpften.

Den Polizeibeamten war diese Reaktion schon bekannt. Sie waren darauf vorbereitet und sofort zur Stelle. Sie sprachen einzelne Schüler an und begleiteten sie nach draußen. Hier waren dann Seelsorger zur Stelle, die sie beruhigten. Beim abschließenden Lied „Wir war’n geboren, um zu leben“ von Unheilig wurde es noch mal sehr emotional. Der Text wurde auf der Leinwand eingeblendet, viele weitere Schüler und auch Lehrer konnten ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.

„Mir gingen die Vorträge schon sehr nah“

Im Anschluss an die Veranstaltung standen alle Verantwortlichen noch für Rückfragen zur Verfügung. Auch in den einzelnen Klassen wurde das Erlebte noch weiter besprochen. „Mir gingen die Vorträge schon nahe, besonders der Moment, als die Polizisten ihre Gefühle gezeigt hat“, erklärte die 16-jährige Schülerin Eva nach der Veranstaltung. Und auch ihr Klassenkamerad stimmte ihr zu. „Das war schon sehr emotional und hat mich nachdenklich gemacht. Besonders der Seelsorger und das Lied zum Abschluss waren noch mal sehr hart, aber auch bleibend.“

Der Hintergrund zu Crash Kurs NRW

  • Das Projekt „Crash Course“ wurde erstmalig in der britischen Grafschaft Staffordshire (West Midlands) entwickelt und umgesetzt. Mitwirkende Akteure waren Vertreter der Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Jugendhilfe, des Opferschutzes und der Gerichtsmedizin.
  • Ergebnis: 2004 gab es in der britischen Grafschaft Staffordshire 464 Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten und Toten. An 40 Prozent dieser Verkehrsunfälle waren „Junge Fahrer“ im Alter von 16 bis 25 Jahren beteiligt.
  • Nach flächendeckender Durchführung der „Crash Course“-Veranstaltungen (2006 – 2008) in allen Abschlussklassen der High School sank die Anzahl der Verkehrsunfälle mit tödlich Verletzten um ca. 50 Prozent.
  • Im Umfeld ohne „Crash Course“ gab es keine entsprechende Entwicklung. Eine Evaluation durch englische Wissenschaftler belegt eine entsprechende Wirkung bezogen auf Wissen und Einstellungen der dort Beschulten.
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