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Salat bleibt in den Regalen liegen

Getrübte Stimmung auf dem Markt

Verunsicherung und Wut sind wegen des grassierenden EHEC-Erregers die bestimmenden Gemütslagen unter Verbrauchern und Händlern.

DORSTEN

von Von Iris Schmellenkamp

, 30.05.2011
Salat bleibt in den Regalen liegen

Am Stand von Christa Haake stehen auf den Preisschilldern auch die Herkunftsländer der Waren.

Der Dorstener Markthändler Andreas Unnebrink hat bereits weniger Salat, Tomaten und Gurken im Angebot. „Der Verkauf geht bald bis auf Null runter“, klagt er. Der Umsatz breche ein, weil die Verbraucher mit allem Frischen derzeit vorsichtig seien: „Die meisten verzichten ganz.“ Sein Kollege Ludger Rössmann am Stand gegenüber gibt sich reserviert. „Alles bestens“, sagt er zwar nach außen, verbittet sich jedoch jegliche Nachfrage. Die Nerven liegen anscheinend blank. Auch Annemarie Dreckmeier (Foto) ist verunsichert. „Man kriegt richtig Angst“, sagt sie. Sie irritiert, dass ständig neue Lebensmittelskandale ans Licht kommen: „Die Kontrollen sind viel zu lasch.“ In ihrer Handtasche kramt Annemarie Dreckmeier nach einem Desinfektionsgel für die Hände. Waldemar Sobotta ist noch zu Scherzen aufgelegt: „Spanische Schlangengurken sollen im Angebot sein, habe ich gehört.“ Der 51-Jährige will nicht in Panik verfallen. Er und seine Familie verzichten dennoch vorübergehend auf Gurken, Tomaten und Salat.

Für diese Produkte hat sich Christa Erdbrink eine neue Quelle gesucht. Die Dorstenerin verzehrt nur noch Gemüse aus den Treibhäusern eines Nachbarn oder ihres Bruders. Die 70-Jährige hat soeben ihren Geburtstag mit einem Frühstück nachgefeiert. Im Café habe es auf den Brötchen keinen Salat mehr gegeben, berichtet die Dorstenerin: „Das können die sich nicht erlauben.“ Gastronom Beco Pupovic (Foto) muss derzeit jede Menge Gemüse entsorgen. Eine Hochzeitsgesellschaft habe für das Wochenende bereits ihr Menü geändert. „Die haben den Salat streichen lassen“, sagt der 62-Jährige. „Heute geht kein Salat“, heißt es auch am Marktstand von Christa Haake. Auf den Preisschildern steht überall der Zusatz „deutsch“. Die Händlerin versichert außerdem: „Gurken und Tomaten kommen aus dem Gewächshaus, da ist nix dran.“

Auch Erzeugerin Maria Balster aus Altendorf-Ulfkotte wird nicht müde zu betonen, dass das Gemüse im Treibhaus nicht gedüngt, sondern auf biologische Art kultiviert werde. Für sie kommt EHEC zur Unzeit: „Die Gurkenernte fängt gerade an. Es ist eine Katastrophe.“ Ihr Mann Hans-Jürgen ärgert sich über die zu pauschale Warnung vor Gemüse. Den beiden bleibt nur zu hoffen, dass der Auslöser bald gefunden ist.

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