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Norbert Jendrilek war ein Polizist aus Überzeugung

Bilanz-Interview

Zum Interview-Termin erschien Norbert Jendrilek (61) schon in Zivil. Denn bereits am letzten Freitag war der Leiter der Dorstener Polizeiwache offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden. Seinen letzten Dienst-Tag hatte er aber am Dienstag - Zeit für eine Bilanz.

von Von Michael Klein

, 31.05.2011
Norbert Jendrilek war ein Polizist aus Überzeugung

Norbert Jendrilek hatte am Dienstag seinen letzten Dienst-Tag als Wachleiter der Dorstener Wache und geht nach fast 42 Jahren im Polizeidienst in den Ruhestand.

Hallo Herr Jendrilek, wie fühlt man sich denn ohne Uniform an seinem langjährigen Arbeitsplatz? Es ist komisch, sich nach all den Jahren von den Kollegen zu verabschieden. Ich habe meinen Beruf ja immer mit viel Freude ausgefüllt, vor allem die letzten Jahre in meiner Heimatstadt Dorsten.

Sie sind ein Seitensteiger, haben eigentlich einen ganz anderen Beruf gelernt. Stimmt. Nach der Ausbildung zum Bürokaufmann habe ich zunächst in Dorsten bei DeKoWe Schürholz gearbeitet. Dann hat mich der Bruder eines Freundes dazu überredet, mich bei der Polizei zu bewerben. 1969 kam ich zur Bereitschaftspolizei nach Bochum, zwei Jahre danach auf meine erste Wache nach Duisburg.

Haben Sie den Berufswechsel jemals bereut? Niemals, ich war mit dem Polizeijob immer zufrieden und würde ihn auch im Nachhinein noch wählen. Und ich rate auch jungen Menschen, darüber nachzudenken, ob nicht für sie eine solche Ausbildung in Betracht kommen könnte.

Waren die ersten Jahre im tiefsten Ruhrgebiet nicht ein Kulturschock für Sie? Immerhin kamen Sie vom Land, sind in Lembeck geboren und in Rhade aufgewachsen. Ich bin damals gut auf die Großstadt vorbereitet und von den älteren Kollegen an die Hand genommen worden.

Hat sich der Job auf einer Polizeiwache in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt? Auf alle Fälle. Das ist heute viel partnerschaftlicher geworden, wir haben viel besser ausgebildete und vor allem sprachfähigere Beamte als früher. Damals war die Kommunikation mit dem Bürger eher eine Einbahnstraße, heute setzt die Polizei viel mehr auf Dialog. Aber dabei dürfen wir die klare Ansage und die Androhung von Konsequenzen natürlich nicht vernachlässigen.

Was ist für Sie das Besondere am Polizeiberuf? Dass man sowohl eine wichtige Aufgabe für das Wohl des Einzelnen als auch für das der Gesellschaft hat.

Und die negativen Seiten? Wegen des Schichtdienstes ist der Job sehr stressig. Und der Berufsalltag kann sehr schlimm sein. Ich erinnere nur an die Loveparade in Duisburg, wo auch Kollegen aus Dorsten eingesetzt waren. Da gab es nachher eine Menge Gesprächs- und Beratungsbedarf.

Wie sind Sie persönlich mit schrecklichen Erlebnissen während ihrer Arbeit umgegangen? Vor allem nach tödlichen Unfällen kommen immer wieder unvermittelt Träume hoch. Ich verdränge dies nicht, sondern ziehe solche Dinge immer wieder mal aus einer gedanklichen Schublade hervor, um mich damit auseinander zu setzen.

Bei der Umfrage der Dorstener Zeitung zum Thema Sicherheit haben im Februar viele Teilnehmer erklärt, dass sie sich in dieser Stadt tendenziell unsicher fühlen. Ist diese Einschätzung subjektiv oder objektiv? Wir hatten hier an gewissen Brennpunkten Probleme, ohne Frage. Aber seit unseren Schwerpunkt-Aktionen mit der Ordnungspartnerschaft aus Stadt, Bundespolizei und Verkehrsbetrieben sind die Delikte vor allem am Zentralen Omnibus-Bahnhof zurückgegangen und so ist das Sicherheitsgefühl deutlich gestiegen. Was uns auch spontane Rückmeldungen von Bürgern auf der Wache bestätigt haben.

Apropos Wache: Hat sich die neue Dienststelle in der Innenstadt bewährt? Ja, unbedingt. Der Kontakt zu den Bürgern ist wegen der Zentrale besser geworden, wir bekommen viel mehr mit. Und auch die verkehrliche Anbindung hat sich inzwischen eingespielt. Wir haben uns mit dem Standort verbessert.

Zum Schluss die unvermeintliche Frage: Was macht der Pensionär Norbert Jendrilek ab heute? Ich finde endlich Zeit, mich mehr meiner Familie zu widmen, vor allem meiner sechs-jährigen Enkelin Annabell. Ansonsten muss ich mich erst sortieren und dann als Mitglied des Heimatvereins schauen, was es rechts und links in unserem schönen Dorf Hervest zu tun gibt. Und natürlich werde ich auch weiterhin einen Blick auf das haben, was mich in meinem Berufsalltag beschäftigt hat. Einmal Polizist, immer Polizist.

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