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Mit 94 Jahren noch einmal ins Cockpit

Rüstige Fliegerin

Elisabeth Lohmeyer ist eine begeisterte Fliegerin. Ihr Alter ist kein Hindernis. Die 94-Jährige hat in ihrem Leben schon weit über 100 Starts mit Segelfliegern absolviert. Aktuell ging sie über Dorsten in die Luft.

Dorsten

, 29.07.2016

Keine Spur von Angst oder Aufregung. Immer gelassen und mit einem Lächeln im Gesicht bereitet sich Elisabeth Lohmeyer auf jeden Flug mit dem Segelflugzeug vor. Die rüstige Rentnerin ist bereits 94 Jahre alt und hat in ihrem Leben weit über 100 Starts mit Segelfliegern absolviert – in ihrer Jugend saß sie sogar selbst am Steuerknüppel.

Mehrmals in den vergangenen Wochen war sie Gast auf dem Flugplatz des Luftsportvereins Dorsten. Als der Verein 1931 gegründet wurde, war Elisabeth Lohmeyer gerade mal zehn Jahre alt. In den 1940er-Jahren begann sie mit dem Fliegen. „Im Vergleich zu den heutigen Segelflugzeugen waren es damals Bretterkisten, mit denen ich geflogen bin“, erzählt sie. „Ich habe auf dem Schulgleiter SG-38 das Fliegen erlernt. Der Vorgänger meines Fliegers hatte aufgrund seiner Konstruktion den Beinamen ‚Schädelspalter‘.“

An ihre erste Flugstunde kann sich die 94-Jährige noch gut erinnern: „Ich startete an einem Hang und wurde von einem menschlichen Katapult in die Luft befördert.“ Nach dem Herstellen der Startbereitschaft hielt der Fluglehrer den Flügel waagerecht und gab die Startkommandos. Auf das Kommando „Ausziehen!“ begannen die Startmannschaften, ihr Seilende zu straffen und auszuziehen. Auf das Kommando „Laufen!“ liefen sie los und brachten das Seil auf die optimale Spannung. Sobald diese erreicht war, gab der Fluglehrer das Kommando „Los!“, worauf die Haltemannschaft das Seil losließ. Das Flugzeug wurde vom Gummiseil beschleunigt und hob ab.

Flugzeiten in Sekunden

Die damaligen Flugzeiten wurden im Flugbuch in Sekunden angegeben. Anfang der 1940er-Jahre stand noch nicht die Technik zur Verfügung, um die Segelflieger höher in die Luft zu bringen und so eine längere Flugzeit zu ermöglichen. Außerdem waren die Flugzeuge schwer – zusammengebaut aus Dachlatten. „Nach jedem Start musste der Segelflieger mit Muskelkraft wieder den Hang hinauf gezogen werden.“ Erfolgreich bestand die Buerer-Dame ihre A- und B-Prüfung.

Flugverbot für Frauen

„Fliegen ist nichts für Mädchen.“ So urteilte das NSDAP-Regime nach Ausbruch des Krieges. Darum war nach 102 Starts erst einmal Schluss mit der Fliegerei für Elisabeth Lohmeyer. Zumindest offiziell. Die Leidenschaft für die Fliegerei war bei der jungen Pilotin entfesselt und ein paar heimliche Flüge gab es auch zur Kriegszeit. Während des Krieges und in der Zeit danach arbeitete Lohmeyer als Lehrerin. Auch wenn sie nach dem Krieg selbst nicht mehr aktive Pilotin war, besuchte sie Flugplätze in ganz Deutschland und im benachbarten Ausland und startete als Gast in verschiedensten Segelfliegern. So erlebte sie die Veränderungen bei der Flugtechnik hautnah. „Heute sitzt man entspannt in einem Cockpit, früher war es ein offenes Gestell unter den Tragflächen.“ Auch die Flugzeiten haben sich sehr verändert, sodass Elisabeth Lohmeyer nicht nur für Sekunden, sondern für viel längere Zeit den Blick auf Dorsten und Umgebung aus der Luft genießen konnte. Der Spaß am Fliegen ist ihr bei jedem Flug ins Gesicht geschrieben.

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