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Leitungswasser-Kampagne macht der Stiftsquelle Sorgen

dzFünf-Punkte-Plan

Das Bundesumweltministerium macht Werbung für Leitungswasser. Die Stiftsquelle und andere Mineralwasser-Brunnen fürchten erhebliche Umsatzeinbußen und den Verlust von Arbeitsplätzen.

Dorsten

, 10.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Wasserflaschen für den Hausgebrauch – ob aus Glas oder PET – sind nach Ansicht des Bundesumweltministeriums überflüssig. In einem Ende Novemver veröffentlichten „Fünf-Punkte-Plan“ ist unter anderem von einer Werbekampagne für die „verstärkte Nutzung von Leitungswasser als Trinkwasser in Haushalten sowie in öffentlichen Einrichtungen“ die Rede. Für Sebastian Brodmann hat diese Forderung einen bitteren Beigeschmack. „Es besteht die große Gefahr, dass erhebliche Absatzverluste bei den Mineralbrunnen in Deutschland drohen und einhergehend damit Arbeitsplätze wegfallen würden.“

„Wir sind nicht für die Vermüllung der Weltmeere verantwortlich“

Brodmann ist Geschäftsführer der Johann Spielmann GmbH, die früher in Essen und seit einigen Jahren im Industriegebiet Dorsten-Marl unter dem Namen „Stiftsquelle“ verschiedene Mineralwasser produziert. Kurz vor Weihnachten hatte sein Unternehmen den Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Oliver Wittke (CDU), zu Gast. Ihm hat Brodmann klargemacht, dass „wir nicht für die Vermüllung der Weltmeere verantwortlich sind, weil unser Recyclingsystem und die Wiederverwertung weltweit führend sind“.

In diesem Punkt ist sich der Stiftsquelle-Chef mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) einig. Zwar stamme der Müll in den Weltmeeren eher nicht aus Deutschland, sondern vor allem aus zehn Flüssen in Asien und Afrika, bestätigt sie. „Aber wir produzieren in unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft einfach auch zu viel Plastik. Auch wenn wir es gar nicht wollen, exportieren wir diese Konsummuster in Schwellen- und Entwicklungsländer.“ In Deutschland fielen 2016 rund 220,5 Kilogramm Verpackungsabfall pro Kopf an - deutlich mehr als im EU-Durchschnitt.

Leitungswasser an öffentlichen Orten

Die Ministerin stellte im November in Berlin ihren Fünf-Punkte-Plan mit zahlreichen Unterpunkten vor. Ein Thema: das Leitungswasser. Schulze will, dass in allen Städten an öffentlichen Orten Leitungswasser zur Verfügung steht. „Trinkwasser aus dem Wasserhahn, das ist nahezu überall verfügbar und die Qualität wird flächendeckend von den Wasserwerken überwacht“, sagte sie.

Der Verband Deutscher Mineralbrunnen spricht von einer „existenzbedrohenden Situation“, verweist u.a. auf die „ursprüngliche Reinheit“, die „wohl einzigartige Bandbreite in Zusammensetzungen und Geschmacksrichtungen“ und die enormen Investitionen der mittelständisch geprägten Unternehmen in ein funktionierendes Mehrweg-System.

Rücklauf-Quote der Flaschen bei über 98 Prozent

Sebastian Brodmann verdeutlicht das an Zahlen aus Dorsten: „Unser Unternehmen hat einen PET-Anteil von rund 40 Prozent, die aber in einem Mehrwegkasten vertrieben werden und einem Stoffkreislauf zugeführt werden.“ Um die Umwelt zu schonen, werde der Großteil der gebrauchten Flaschen wieder zu neuen PET-Cycle-Flaschen. „Aktuell bestehen alle Neuflaschen bei uns zu mindestens 55 Prozent aus recycelten Altflaschen.“

Diese werden dem Kasten entnommen, gepresst, geschreddert und gesäubert. Aus dem Granulat entstehen wieder neue PET-Rohlinge (Preforms) und daraus neue Flaschen. „Die Rücklaufquote der Flaschen im Kasten liegt aktuell bei über 98 Prozent.“ Die Stiftsquelle beschäftigt mehr als 100 Mitarbeiter, bis zu 750.000 Flaschen verlassen täglich das Firmengelände.

0,4 Liter Mineralwasser täglich

Der Verband Deutscher Mineralbrunnen hat errechnet, dass jeder Bundesbürger täglich durchschnittlich 0,4 Liter natürliches Mineralwasser trinkt. Gönnt er sich stattdessen ein Glas (0,2 Liter) Leitungswasser, wäre „die Rentabilität der Betriebe nicht mehr gewährleistet. Insofern fördert die Kampagne eine Entwicklung, die einem erklärten Ziel des Bundesumweltministeriums zuwiderläuft: der Stärkung von Mehrwegsystemen.“

Von den Stadtwerken kam Lob zum Leitungswasser-Vorstoß der Ministerin. Es brauche „keinen Vergleich zu scheuen, nur weil ein Etikett draufklebt“, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes Kommunaler Unternehmen im November. Auch die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft (RWW) hatte in der Vergangenheit stets betont, dass das unter anderem in Holsterhausen geförderte Wasser „von hoher Qualität“ sei.

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