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Gunter Demnig erinnert an Deportation sechs jüdischer Schermbecker

Stolpersteine in Georgstraße

SCHERMBECK In einer bewegenden Zeremonie hat der Künstler Gunter Demnig am Donnerstag sechs Stolpersteine auf der Georgstraße verlegt. Initiiert wurde dies von Schülern der Gesamtschule.

von Von Berthold Fehmer

, 24.06.2010

Sichtlich berührt meldete sich gegen Ende Maria Köching zu Wort. Sie lebt in dem Haus der Familie Schönbach, die 1941 nach Riga deportiert wurde. In der zweiten und dritten Generation wohnt Köchings Familie bereits in dem Gebäude, ihr Vater hatte es von der Gemeinde Schermbeck abgekauft. Häufig frage sie sich, „mit welchem Recht wohne ich da?“, sagte Köching und bedankte sich persönlich bei Gunter Demnig und den Schülern: „Mir ist sehr bewusst, wo ich wohne.“ Pfarrer Wolfgang Bornebusch, der sich bereits seit vielen Jahren mit der jüdischen Geschichte Schermbecks beschäftigt, erinnerte an die Familie Schönbach. Vater Hugo Schönbach war Viehhändler, wurde 1933 zum „Giseler“ (Vorsteher) der Nachbarschaft gewählt. 1941 wurde die vierköpfige Familie, darunter die einjährige Tochter Miriam, nach Riga deportiert. Über ihr Schicksal herrscht Ungewissheit. Bornebusch: „Vermutlich wurden sie ermordet.“ Ein Schermbecker, der zuvor an der Ostfront eingesetzt war, hatte Vater Hugo Schönbach zuletzt auf dem Heimweg gesehen – als Zwangsarbeiter im Straßenbau. Elf Juden lebten 1938 noch in Schermbeck, mit der Deportation von Rika Hoffmann endete 1942 die 130-jährige Geschichte der Jüdischen Gemeinde in Schermbeck, so Bornebusch.

Schermbeck sei die 563. Kommune, in der er Stolpersteine verlegt habe, sagte Demnig, der sich über das Interesse der Schermbecker Gesamtschüler freute. Obwohl er sich jeden Tag mit dem Thema beschäftige, bleibe die Zahl von sechs Millionen ermordeten Juden für ihn immer noch eine „abstrakte Größe“. Das ändere sich, wenn man die Familiengeschichten studiere. „Stolpern mit dem Kopf und mit dem Herzen“, so bezeichnet Demnig seine Kunst. „Anständig anstößig“ seien die Stolpersteine, sagte Pfarrer Klaus Honermann. Das Erinnern müsse Konsequenzen für die Gegenwart haben, so eine Schülerin und forderte mehr Zivilcourage. Der häufig geäußerten Kritik, dass man bei den Stolpersteinen auf den Namen der Ermordeten herumtrampele, entgegnete Demnig, dass durch das „Drüberlaufen“ das Messing und damit die Erinnerung glatt poliert würden.   In Fußgängerzonen großer Städte funktioniere das gut, in Schermbeck an der Georgrstraße müsse man vielleicht ab und zu von Hand nachhelfen. „Und wenn Sie Passanten beobachten, die sich die Stolpersteine ansehen, werden Sie merken, dass man sich dabei automatisch vor den Opfern verneigt.“  

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