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Freundlichkeit siegt - auch als Politesse

Serie: Berufspraxis

"Richtiges Politessenwetter heute", begrüßt mich Marion Schweser, als ich aus dem Regen zu ihr ins Auto hüpfe. Ich bin froh, dass zunächst der Außendienst ansteht. Im Auto fahren wir die von Bürgern gemeldeten Problemstellen im Dorstener Süden ab.

DORSTEN

von Von Iris Schmellenkamp

, 30.05.2011
Freundlichkeit siegt - auch als Politesse

Am Ostwall ist das Parken nur mit Parkscheibe erlaubt. Unsere Volontärin Iris Schmellenkamp muss ein Knöllchen ausstellen.

Während ich beunruhigt den grauen Himmel im Blick behalte, hat Marion Schweser neben mir nur die Falschparker im Visier. Aber heute Morgen sind die Dorstener ganz brav. Marion Schweser kennt ihre Pappenheimer. „Hier stehen schon mal abgemeldete Fahrzeuge“ erläutert sie, als wir den Alten Postweg kontrollieren. Ein paar Meter weiter steht ein Auto auf dem Gehweg. Marion Schweser drosselt das Tempo und prüft mit geübtem Auge die Abstände. Ein Kinderwagen würde noch daneben passen, also fährt die Politesse weiter. „Das ist unser Ermessensspielraum“, erklärt sie.

Noch prasseln die Regentropfen auf die Windschutzscheibe. Marion Schweser hat sich extra eine Regenjacke auf den Rücksitz gelegt. Seit 2001 arbeitet die 49-Jährige als Politesse. Am Anfang hat sie Kolleginnen begleitet, um zu lernen, was sie noch nicht aus der Fahrschule wusste. Irgendwann komme die Routine, sagt sie: „Man sieht schon von Weitem: Ah ja, da stehen sie wieder.“ In Kurven, Halteverboten oder auf Gehwegen seien solche gefährdeten Stellen. So wie am Krankenhaus. Dort steht ein silberner Wagen mitten auf dem Bürgersteig. Er wollte sich anscheinend vor einem Parkschein drücken. Dafür bekommt er jetzt ein Knöllchen. In manchen Fällen zaudert Marion Schweser nicht. In anderen lässt sie Milde walten. In einer verkehrsberuhigten Zone belässt sie es bei einer Verwarnung eines Wagens, weil die Parkflächen gerade erst neu aufgemalt wurden. „Ich schelle auch an, wenn ich weiß, wohin das Auto gehört“, sagt Schweser. Sie setzt auf Freundlichkeit. „Es gibt auch Leute, die sofort anfangen zu moppern.“ Für diese Fälle hat sich die Politesse ein dickes Fell zugelegt. Rechtzeitig vor Beginn des Kontrollgangs in der Innenstadt hat es aufgehört zu regnen. Dafür tut sich bei mir ein neues Problem auf: Ich muss auf die Toilette. „Das ist ein echtes Problem“, zeigt Marion Schweser sofort Verständnis. Mir bleibt nichts anderes übrig, als zwischendurch in die Redaktion zu flitzen. Mit geleerter Blase geht es zurück ans Werk. Während Marion Schweser schon aus der Ferne erkennt, ob Parkschein oder -scheibe gültig sind, marschiere ich umständlich von Windschutzscheibe zu Windschutzscheibe.

Im eingeschränkten Zonenhalteverbot an der Ursulastraße behalte ich auf Anweisung mehrere Autos im Blick, die länger als zehn Minuten ohne besonderen Ausweis dort stehen. Einem Falschparker verpasse ich nach entsprechender Wartezeit die Knolle. Marion Schweser drückt mir den elektronischen Notizblock in die Hand und gibt mir aus dem Kopf die Deliktnummer durch. Ich tippe Straße, Hausnummer, Kennzeichen vorwärts und rückwärts und knipse zwei Beweisfotos. Abschicken, fertig. Das macht dann 15 Euro. Im gleichen Moment hält neben mir ein Autofahrer und fragt durch das geöffnete Seitenfenster, wo man in der City parken könne. Ich verweise auf die kostenlosen Parkplätze auf der anderen Seite des Ostwalls. Eins habe ich von Marion Schweser gelernt: Freundlichkeit siegt.

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