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Frank Rosin: Kochen ist wie Sex oder Musik

Interview mit Spitzen-Gastronom

18 von 19,5 möglichen Punkten im Gault-Millau und jetzt auch noch der alles überstrahlende zweite Stern in der Gourmet-Bibel, dem Guide Michelin - Kenner der exquisiten Küche überschlagen sich mit Top-Benotungen für den kreativen Gaumenkitzel, den Frank Rosin (45) für seine Gäste zaubert. Anke Klapsing-Reich sprach mit dem Sterne-Chefkoch in seinem Restaurant "Rosin" in Wulfen.

DORSTEN

30.12.2011
Frank Rosin: Kochen ist wie Sex oder Musik

"Ich bin der glücklichste Mensch der Welt, weil ich täglich zu 100 Prozent das machen darf, was mir Spaß macht." Zwei-Sterne-Koch Frank Rosin in seinem Restaurant in Wulfen.

Was hat sich mit dem zweiten Stern für Sie verändert, Herr Rosin? Gar nichts. Die Auszeichnung gilt ja nicht nur mir, sondern meinem maßgeschneiderten Team. Sie beweist, dass wir bis dato alles richtig gemacht haben. Vor 21 Jahren, als ich in Wulfen mein Restaurant eröffnet habe, hat man mir gesagt: "Hier wirste nix." Heute rangiert es auf Platz 27 der besten Lokale in Deutschland.Verändert der zweite Stern denn etwas für Ihre Gäste? Nein, auch nichts. Ich werde auch nicht, wie vielleicht mancher befürchten mag, die Preise erhöhen.Haben Sie denn vermehrt Anfragen nach Tischreservierungen? Wir sind immer gut gebucht. In der Weihnachts- und Silversterzeit sowieso. Ich denke, dass wir erst im kommenden Jahr die Wirkung des zweiten Sterns spüren werden.Mit dem zweiten Stern erhöht sich sicherlich auch der Erwartungsdruck Ihrer Gäste. Ist der Doppelstern mehr Last als Lust? Nein. Wir sind ein gutes Team, halten kontinuierliche Abläufe ein, die Qualität sichern. Außerdem macht uns die Arbeit großen Spaß. Wir müssen uns nicht jeden Tag zu einer Leistung quälen. Im übrigen habe ich eins im Leben gelernt: Nie eine Prognose stellen, was im nächsten Jahr kommen mag!Darf ich Sie dennoch bitten, eine Prognose zu stellen: Bleibt uns "Rosin" in Wulfen erhalten, oder zieht es Sie zu neuen Ufern? Ich bin sehr heimatverbunden und hier angekommen. Eine Großstadt zu erleben ist interessant, aber wohnen möchte ich lieber "auf dem Land". Meine Familie und ich fühlen uns rundum wohl.Sollte ein Zwei-Sterne-Koch denn nicht in einer pulsierenden Großstadt mit internationalem Flair seine Strahlkraft entfalten? Meine Gäste kommen ja schon aus allen Teilen Deutschland, auch aus dem Ausland. Es ist doch gerade unsere Region, die Innovationen braucht. 25 Millionen Zuschauer sehen mich monatlich im Fernsehen. Ich möchte diese Strahlkraft nutzen, um diesen Standort so kosmopolitisch strahlen zu lassen, wie sich die Stadtväter nicht vorzustellen vermögen. Deswegen unterstütze ich auch die kulturell ausgerichteten Projekte, die Jürgen Tempelmann unter anderem auf der Hervester Zechenfläche umsetzen möchte: Kunst ist ein ganz wichtiger Ansatzpunkt. Jugendliche von der Straße holen und sie ihre eigene Kreativität entwickeln zu lassen - das sind Projekte, die unsere Region weiter bringt.Wie schmeckt für Sie Silvester? Nach Bockwurst und Kartoffelsalat, das haben wir zu Hause nämlich immer gegessen. Aber meinen Gästen muss ich Silvester nicht besonders schmackhaft machen. Die bringen selbst schon so viel Stimmung mit, dass ich auf traditionelle "Silvesterknaller" verzichten kann. Karpfen zum Beispiel kommt mir nicht in den Topf.Was macht denn für Sie ein richtig gutes Essen aus? Es muss authentisch sein. Kochen ist wie Sex oder Musik machen - das muss man nicht erklären. Da ist keine Kopf-Intelligenz, sondern das Bauchgefühl gefragt. Jeder bringt seine eigene Inbrunst und Leidenschaft bei der Umsetzung mit ins Spiel. Selbstvertrauen, eine Spur Talent und Lustempfinden gehören auch dazu, denn Kochen hat zu 80 Prozent mit Lust zu tun. Außerdem sollte man hungrig kochen, das bringt die besten Ergebnisse.Topfgeldjäger, Rosins Restaurant, Fast-Food-Duell - mittlerweile rühren Sie auch kräftig im Fernsehgeschäft mit. Kriegen Sie das alles noch gebacken? Ich kann meine Fernsehtätigkeit so organisieren, dass ich in meinem Restaurant sein kann, wann ich möchte. Der Helikopter-Shuttle macht es möglich, dass ich auf schnellem Wege punktgenau dort lande, wo ich benötigt werde. Ich denke, dass ein Koch heute sehr vielschichtig aufgestellt sein muss, sozusagen als kochender Unternehmer. Mein mittelständisches Unternehmen, das ich nun im 21. Jahr führe, hat mit Catering, Agentur, Restaurant und anderem auch mehrere Standbeine.Es heißt, Sie seien ein Mann mit klaren Zielen. Was peilen Sie als nächstes an, vielleicht den dritten Stern? Nein. Eigentlich habe ich alles erreicht. Was will ich mehr? Ich bin der glücklichste Mensch der Welt, weil ich täglich zu 100 Prozent das machen darf, was mir Spaß macht.Und damit sind Sie auch noch ausgesprochen erfolgreich. Haben Sie denn noch ein Vorbild, vielleicht aus der 3-Sterne-Küche? Harald Wohlfahrt aus Baiersbronn, der ist schon ein Vorbild für meine Generation. Aber wir machen hier das, was uns Spaß macht und was wir für richtig halten. Und das ist wichtig. Ich mach´ mein eigenes Ding.Apropos: Woher haben Sie eigentlich den Begriff "Schmackofatze", der Ihre Speisekarte unverwechselbar macht? Von meiner Großmutter, die aus Ostpreußen stammte. Wenn sie gekocht hat, habe ich mir im Vorbeigehen gerne einmal ein Häppchen geklaut. Das waren unsere Schmacko-fatze - einfach lecker!

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