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Caritas will Wohnungslose in die Gesellschaft zurückbringen

Wohnungslosenhilfe

Ein neues Hilfsangebot der Caritas soll Obdachlosen und von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen in Schermbeck helfen. Doch gibt es die in dem Ort überhaupt?

Schermbeck

, 10.01.2019 / Lesedauer: 4 min
Caritas will Wohnungslose in die Gesellschaft zurückbringen

Bürgermeister Mike Rexforth sowie Tobias Krause und Günter Mertesacker von der Caritas stellten am Mittwoch im ehemaligen Ecco-Hotel die neuen Hilfen für Wohnungslose vor. © Berthold Fehmer

„Obdachlose in Schermbeck?“ Diese Frage, die sich bei einigen vielleicht aufdrängen könnte, kann Bürgermeister Mike Rexforth ein Stück weit nachvollziehen, sagt aber auch: „Hier ist nicht alles in Ordnung.“ In seiner 30-jährigen Dienstzeit habe er immer wieder von Obdachlosigkeit Betroffene erlebt. Und das wolle er auch nicht totschweigen.

Derzeit wohnen laut Tobias Krause, Leiter der Flüchtlingshilfe der Caritas in Schermbeck, sechs Wohnungslose in Schermbecker Unterkünften, „eine Frau, fünf Männer“. Obdachlosigkeit ist kein reines „Männerproblem“. Armut und verdeckte Wohnungslosigkeit gebe es auch bei Frauen, denen es aber meistens schneller gelinge, Wohnraum zu akquirieren, „wobei man in Fachkreisen von der ‚Beischlafproblematik‘ spricht“, sagt Caritas-Mitarbeiter Guido Busch.

Dunkelziffer könnte weit höher liegen

Viele Wohnungslose kommen zunächst bei Freunden und Bekannten unter. Eine höhere Dunkelziffer an von Obdachlosigkeit Bedrohten als die sechs bekannten Fälle in Schermbeck vermutet nicht nur Busch, sondern auch Mike Rexforth: „Wir haben 200 angemeldete Erstwohnsitze auf den Campingplätzen.“ Sicherlich gebe es dort viele, die aus Überzeugung dort lebten, aber auch einige, für die keinen anderen Wohnraum gefunden hätten. Manche seien suchtkrank, andere vielleicht aus einer Haft entlassen. „Dort fragt keiner, wer ich bin oder wo ich herkomme.“

Rexforth sagt, dass man an ergänzenden Hilfen wie Wohngeld oder Pflegeleistungen erkennen könne, dass einige Bewohner der Campingplätze „an der Schwelle zu sozialen Problemen stehen“. Hinzu komme, dass dort mittlerweile erste Pflegefälle zu verzeichnen seien. Viele Menschen auf Campingplätzen würden aber auch keine Hilfen in Anspruch nehmen und „sich immer mehr von sozialen Strukturen und Hilfsangeboten“ entfernen. Auf der Spirale nach unten, „malen sich viele nicht aus, was das langfristig für einen selber bedeutet“.

Familie bei Zwangsräumung geholfen

Bereits im vergangenen Jahr hat die Caritas eingegriffen, als eine Schermbecker Familie mit einem minderjährigen Kind vor der Zwangsräumung stand. „Mit unserem Team haben wir den Umzug organisiert. Für vier Wochen ist die Familie in der Unterkunft am Schulweg eingezogen, bis wir eine neue Wohnung für sie gefunden haben“, erzählt Tobias Krause, der in Schermbeck für die Caritas als Leiter der Flüchtlingshilfe arbeitet. „Wir wären da mit unserem Latein am Ende gewesen“, sagt Rexforth mit Blick auf die Verwaltung.

Günter Mertesacker, Sozialarbeiter bei der Obdachlosenhilfe der Caritas für Wesel und Schermbeck, sowie Guido Busch haben die neuen Caritas-Hilfen für Obdachlosen vor Weihnachten in Dinslaken und Wesel vorgestellt. Seitdem gebe es dort „gravierend mehr Nachfragen“, so Busch. Auch in Schermbeck will man an offiziellen Stellen wie im Rathaus, aber auch inoffiziellen Stellen Karten auslegen, um auf das Angebot aufmerksam zu machen. „Etwa im Hallenbad oder in der Bücherei. Dort wollen wir auch die Menschen, die hinter der Theke stehen, für die Problematik sensibilisieren“, so Busch.

Oft fehlen Papiere

Günter Mertesacker kennt die Probleme der Wohnungslosen aus der Fachberatungsstelle in Wesel. Dort besuchten 15 bis 20 Personen täglich die Anlaufstelle mit Teestube und Dusche. Die Caritas-Mitarbeiter versuchten, die Menschen „wieder ins System zu bekommen“. Oft fehlten Papiere, Ausweise, Krankenversicherung und Kleidung. Ein betreutes Wohnen sei an die Einrichtung angeschlossen, wo die Menschen begleitet würden, damit sie später nachhaltig in ihren Wohnungen bleiben könnten, ohne dass sich Fehler oder Ursachen wiederholten, die ursprünglich zur Räumung geführt hatten.

„Herzlich willkommen“, so steht es nicht nur auf den Karten die das Angebot der Wohnungslosenhilfe bewerben sollen, sondern auch als erste Wörter im neunseitigen Konzept, das die Caritas für Schermbeck erarbeitet hat. Einen ersten Fall, in dem die Caritas in Schermbeck ein betreutes Wohnen angeboten hat, gab es bereits. „Wir wollen eine Perspektive für einzelne Menschen schaffen“, sagt Busch: „Eine Wohnung oder ein Schlafsack sind uns nicht genug.“

Betroffene wieder in Tagesstruktur bringen

Als erste Herberge könnten zwei Bungalows an der ehemaligen Uefter Schule dienen. Auch im Ecco-Hotel seien noch zehn bis zwölf freie Zimmer, sagt Krause. Ziel ist, die Betroffenen in eine Tagesstruktur zu bringen, sozialpädagogisch zu betreuen und sie schnell wieder in eine eigene Wohnung zu bringen und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Vier Stunden pro Woche, immer donnerstags, wird Mertesacker in Schermbeck sein. Ansprechbar sind die Caritasmitarbeiter im ehemaligen Ecco-Hotel in Fragen der Wohnungslosigkeit aber montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr. Telefonisch kann man sie erreichen unter Tel. (02853) 4480731.

Geboten wird Hilfe bei Fragen zum Thema Geld, zu ärztlicher Versorgung, Schutz vor Kälte im Winter, beim Finden einer eigenen Wohnung, Fragen rund um den Beruf und im Umgang und Kontakt mit Mitmenschen. Auch können Betroffene Spinde nutzen, um ihr Hab und Gut sicher wegzuschließen. Busch: „Das ist für die Betroffenen etwas ganz wichtiges.“

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