Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Corona-Impfung

Coronavirus

Zwei Impfstoffe stehen in Europa kurz vor der Zulassung, eine von ihnen ist der Impfstoff von Biontech und Pfizer. Wie gut die Impfungen wirklich vertragen werden, wird sich noch zeigen.

Berlin

11.11.2020, 17:34 Uhr / Lesedauer: 4 min
Auf einem Impfstoff liegen derzeit große Hoffnungen.

Auf einem Impfstoff liegen derzeit große Hoffnungen. © picture alliance/dpa

Wie weit ist die Entwicklung eines Impfstoffes und wer wird geimpft, wenn es ihn gibt? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Corona-Impfstoff im Überblick.

Wann gibt es den ersten Impfstoff in Deutschland?

Weltweit befinden sich über 200 Impfstoffe in der Entwicklung. Nach Angaben vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VfA) haben zehn davon die letzte Phase (Phase 3) der klinischen Studien erreicht. Für zwei Impfstoffkandidaten hat bereits das Zulassungsverfahren bei der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) begonnen: Für den Wirkstoff BNT162b2, der vom Mainzer Unternehmen Biontech zusammen mit dem US-Konzern Pfizer entwickelt wurde und für den Wirkstoff AZD1222 von AstraZeneca und der Universität Oxford.

Einer dieser beiden Impfstoffe könnte daher der erste auf dem europäischen Markt sein und ist dann innerhalb weniger Monate verfügbar. Die EU-Kommission hat mit beiden Herstellern Verträge ausgehandelt: Bei einer Zulassung will sie mehrere hundert Millionen-Impfdosen kaufen, die auf die Mitgliedsländer verteilt werden sollen.

Gesundheitsminister Jens Spahn sagte am Dienstag in Berlin, er gehe mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ davon aus, dass im ersten Quartal 2021 ein Corona-Impfstoff zur Verfügung stehen wird.

Gibt es in anderen Ländern schon Impfungen?

Russland hat bereits zwei Impfstoffen eine Art vorläufiger Zulassung erteilt, noch ehe klinische Studien abgeschlossen waren. Auf dem freien Markt sind die Impfungen in Russland aber noch nicht erhältlich. Sie müssen erst in größeren Mengen produziert werden, während die Studien derzeit noch weiterlaufen. Experten vieler Länder hatten kritisiert, dass nicht genug Daten für eine Zulassung der russischen Impfstoffe vorliegen. Mit einer zeitnahen Zulassung in der EU ist daher nicht zu rechnen. Auch in China gibt es eine Notzulassung für drei verschiedene Impfstoffe, mehrere Hunderttausende Menschen sollen geimpft worden sein. Abgeschlossene Studien liegen aber auch zu den chinesischen Studien nicht vor.

Wie gut kann eine Impfung schützen?

Zu keinem Impfstoff liegen bisher gesicherte Daten dazu vor, wie gut er vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützt. Laut einer aktuellen Pressemitteilung von Pfizer und Biontech zeigte deren Wirkstoffkandidat in Studien aber eine gute Wirksamkeit. Die Ergebnisse einer Zwischenanalyse weisen demnach darauf hin, dass direkt nach der zweiten Impfdosis ein Impfschutz von über 90 Prozent besteht.

Die Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. So heißt es in der Pressemitteilung, dass sich im Laufe der Studie noch andere Werte für die Wirksamkeit ergeben könnten. Auch wurde der 90 prozentige Impfschutz direkt nach der Impfung festgestellt. Es ist aber nicht klar, wie schnell und wie stark er danach wieder abfällt. Zudem werden in Studien vor allem junge, gesunde Probanden getestet. Laut einer Veröffentlichung im Wissenschaftsmagazin „Nature“, reagieren ältere Menschen schlechter auf die von Pfizer entwickelten Impfstoff. In der Pressemitteilung wurde zum Alter der Probanden keine Angaben gemacht.

Wie funktionieren die Coronaimpfstoffe?

Die meisten Coronaimpfstoffe lassen sich nach der Wirkungsweise in drei Hauptgruppen einteilen:

Genimpfstoffe: Viele der Impfstoffkandidaten funktionieren nach einem völlig neuartigen Prinzip. Sie enthalten Gene des Virus, gegen das sie schützen sollen: entweder in Form von DNA oder mRNA. Nach der Impfung gelangt dieses Genmaterial in die menschlichen Zellen. Diese produzieren daraufhin selbst Bausteine des Virus, was wiederum eine Immunreaktion auslöst. Zur Gruppe der mRNA-Impfstoffe gehören unter anderem der Impfstoff von Pfizer und Biontech und ein Impfstoff des US-Konzerns Moderna.

Vektorimpfstoffe: Hierbei werden abgeschwächte und ungefährliche Viren verwendet, um Erbinformationen des Coronavirus in die Körperzellen einzuschleusen. Diese produzieren daraufhin Virusproteine, was eine Reaktion des Immunsystems auslöst. Nach dem Prinzip eines Vektorimpfstoffs funktioniert unter anderem der Impfstoffkandidat von Astra Zeneca und der Universität Oxford. Hierbei wird Corona-Erbmaterial mithilfe von genetisch veränderten Schimpansenviren eingeschleust.

Totimpfstoffe mit Virusproteinen: Totimpfstoffe enthalten Proteine des Virus, die direkt eine Reaktion des Immunsystems auslösen.

Wie sicher sind die Impfstoffe?

Bei jeder Impfung kann es grundsätzlich zu Nebenwirkungen kommen. Die Corona-Impfstoffe wurden in einem extrem beschleunigten Verfahren entwickelt. Es steht daher weniger Zeit zur Verfügung, um ihre Sicherheit vor der Zulassung zu prüfen. Auch basieren viele der Impfstoffe auf neuartigen Verfahren, die noch nie für Impfungen bei Menschen zugelassen wurde. Das Risiko dafür, dass unerwünschte Nebenwirkungen auftreten können, ist daher als etwas höher einzuschätzen, als bei langjährig erprobten Impfstoffen. Trotzdem müssen auch die Corona-Impfstoffe erst an mehreren Zehntausend Teilnehmern getestet werden, bevor eine Zulassung erfolgt.

Was ist über Zwischenfälle bei den klinischen Studien bekannt?

Die Impfstoffstudien des Pharmakonzerns Astra Zeneca mussten bereits zweimal unterbrochen werden, weil Versuchsteilnehmer schwer erkrankt waren. Das Unternehmen hielt einen Zusammenhang mit der Impfung aber für nicht erwiesen. In Brasilien soll während der Studien ein Proband an Covid-19 gestorben sein, wobei Astra Zeneca bisher nicht bekannt gibt, ob dieser zuvor die Impfung oder einen Placebo erhalten hatte.

Auch bei den klinischen Studien des US-Konzerns Moderna kam es zu Zwischenfällen. So traten bei Probanden schwere systemische Nebenwirkungen auf, als der Impfstoff in der höchsten Dosierung getestet wurde. Am Dienstag wurden Impfstoffstudien des chinesischen Konzerns Sinovac in Brasilien gestoppt, es ist von einem „ernsten Zwischenfall“ die Rede.

Wer sollte sich impfen lassen und wer kann?

Den größten Nutzen hat eine Impfung der Risikogruppen für schwere Verläufe, also von älteren Menschen mit Vorerkrankungen. Auch medizinisches Personal und Personen mit engem Kontakt zu diesen Gruppen wird die Impfung wohl empfohlen werden. Bei einer Impfempfehlung für andere Personengruppen gilt es, Nutzen und Risiken gegeneinander abzuwägen. Daher kommt es auch darauf an, wie sich die Infektionszahlen weiterentwickeln, wie gut die Impfungen tatsächlich schützen und wie gut sie vertragen werden.

Nach der Markteinführung eines Impfstoffs werden wohl ohnehin nicht sofort genug Dosen für alle zur Verfügung stehen, die sich impfen lassen wollen. Der Ethikrat, die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina haben daher ein Positionspapier dazu verfasst, wer zunächst geimpft werden sollte.

Darin raten sie, den Impfstoff vorrangig für Risikogruppen und medizinisches Personal zu reservieren. Danach könnten Menschen in Gemeinschaftseinrichtungen und Personal mit wichtigen Funktionen im öffentlichen Leben geimpft werden.

Wie groß ist die Impfbereitschaft?

Etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung könnte sich vorstellen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, sobald das möglich ist. Das hat eine Befragung ergeben, die im Rahmen des COVID-19 Snapshot Monitoring (COSMO) durchgeführt wurde. Ende Oktober gaben 53 Prozent der Befragten an, dass sie sich impfen lassen würden, wenn in der nächsten Woche eine Impfung zur Verfügung stünde. Die Impfbereitschaft ist damit deutlich gesunken: Während der ersten Welle im Frühjahr waren noch 79 Prozent bereit gewesen, sich impfen zu lassen.

RND

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