Die Milchtankstelle Südkirchen will wachsen

Bilanz nach einem Jahr

Seit Januar dieses Jahres macht Julia Schulte Althoff das, was sie eigener Aussage nach schon immer im Kopf hatte: Sie vermarktet Milch direkt an dem Hof an der Cappenberger Straße in Südkirchen. Wir sprachen mit dem Paar über die Milchtankstelle und den geplanten Ausbau der Selbstvermarktung ihrer Produkte.

SÜDKIRCHEN

22.11.2016, 05:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 2011 betreibt die heute 34-jährige diplomierte Agraringenieurin Julia Schulte Althoff gemeinsam mit ihrem Mann Martin den Milchviehbetrieb mit Acker- und Futterbau in Südkirchen. Sie ist mit der Milchwirtschaft groß geworden, und sagt: „Kühe mussten sein.“ Zurzeit halten und melken sie rund fünfzig Tiere.

„Die Entscheidung für unsere Milchtankstelle ist nicht entstanden, um die niedrigen Milchauszahlungspreise abzufangen“, sagt Julia Schulte Althoff. „Das wäre auch gar nicht möglich. So eine Anlage rettet keinen Betrieb. Wir wollten uns ein zweites Standbein schaffen.“ Und die Milchzapfanlage sei ein guter Einstieg in die Selbstvermarktung.

Die Milchzapfanlage steht in einem Holzhäuschen an der Zufahrt zum Betrieb. Es ist so nah am Betrieb, wie das Gesetz es vorschreibt, aber auch so platziert, dass Kunden einkaufen können, ohne sich beobachtet zu fühlen. „Denn nicht jeder mag das“, sagt Martin Schulte Althoff. Der ausgebildete Landwirt füllt den Edelstahlbehälter im Automaten mit der Rohmilch des Betriebes. Dieser Behälter ist transportabel und wird aus dem Milchtank am Hof befüllt. Die übrige Milch wird weiterhin alle zwei Tage vom Tankwagen der Molkerei abgeholt.

Hygiene ist wichtig

Die Kunden können bei den Schulte Althoffs Plastik- oder Glasflaschen kaufen und befüllen. Sie können aber auch Gefäße von zu Hause mitbringen. „Es kommen Kunden, die ihre gute alte Milchkanne mitbringen. Alle Gefäße, die in den Abfüllbereich hineinpassen, sind erlaubt. Das entscheidet der Kunde“, sagt Julia Schulte Althoff.

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Wichtig sei allerdings, dass die Kunden die Gefäße zuhause gründlichst reinigen. „Unsere Milch steht ja unter ständiger Kontrolle, sie ist hygienisch einwandfrei. Da Milch ein sehr sensibles Lebensmittel ist, ist Hygiene äußerst wichtig.“ Mit den Kontrollen der Milch durch die Aufsichtsbehörden hat das Ehepaar keinerlei Probleme. „Für uns ist das wie eine Versicherung. Es wird uns damit bescheinigt, dass unser Produkt einwandfrei ist.“

Stetig mehr verkauft

Seit Eröffnung der Milchtankstelle im Januar dieses Jahres hat das Landwirte-Ehepaar stetig mehr verkaufen können. „Innerhalb der Woche kommen unsere Kunden aus der näheren Umgebung“, sagt Martin Schulte Althoff. „Ab freitags parken dann aber auch Autos aus Lünen und Dortmund auf dem Platz an unserer Milchtankstelle. Da finden so manches Mal richtige Familienausflüge statt.“ Dann schauen sich die Kinder die Kälber, Ziegen und Kaninchen an oder nutzen das Holzschaukelpferd. Martin Schulte Althoff: „Wir kommen mit unseren Kunden ins Gespräch, können unsere Arbeit erklären.“

Neben Milch werden im Holzhäuschen Marmelade, Honig, Eier, Kartoffeln, verkauft. „Alles Produkte aus der näheren Umgebung“, sagt Julia Schulte Althoff. Alles, was im Häuschen angeboten wird, können die Kunden sich selbst nehmen und den fälligen Betrag in eine Kasse zahlen. „Die meisten Kunden sind ehrlich. Leider nicht alle.“ Aber die Unehrlichkeit halte sich in Grenzen, sagt das Paar. „Was wir allerdings nicht mehr machen können, ist Wechselgeld bereitzustellen.“ Das wurde leider ausgenutzt, das Geld fehlte.

Automaten aufgebrochen

Videokameras mussten zusätzlich angebracht werden, da Milchzapfanlagen immer wieder Ziel von Überfällen waren. „Das ist extrem ärgerlich“, sagte Martin Schulte Althoff. „Die Automaten sind sehr teuer, und die Diebe richten beim Aufbruch erheblichen Schaden an.“

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Ende des Jahres macht das Paar einen weiteren Schritt in die Selbstvermarktung: Auf dem Hof entsteht in einem Container eine kleine Molkerei, der Pasteur ist bereits geliefert, der Zulaufstutzen für die Milch installiert. „Ich freue mich darauf“, sagt Julia Schulte Althoff. Hier will sie pasteurisierte Milch, Joghurt und Dickmilch herstellen. Sachkundenachweis und Gesundheitszeugnis hat sie bereits, sie darf also starten. Damit möchte sie ihr regionales und eigen hergestelltes Repertoire ausbauen.

Parallel wird sie in den nächsten zweieinhalb Jahren eine Ausbildung zur Fach-Agrarwirtin Handwerkliche Milchverarbeitung machen, sagt sie.

So funktioniert die Zapfstelle
Die Milchtankstelle ist von 6 bis 21.30 Uhr geöffnet.
In der Milchtankstelle wird Rohmilch verkauft. Ein Schild weist die Kunden darauf hin, dass diese Milch vor dem Verzehr abgekocht werden sollten.
Die Bedienung des Automaten wird anhand von Schaubildern erläutert. Der Kunde wirft einen Betrag in den Geldschlitz und zapft die Milch dann per ständigem Knopfdruck ab. Der Zapfvorgang kann jederzeit unterbrochen werden, um etwa ein Gefäß zu wechseln. Wird der Zapfvorgang abgeschlossen, kann der Kunde per Knopfdruck das Rückgeld anfordern.

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