Die Gülleanlage läuft aktuell noch mit halber Kraft

dzGülleanlage Kreis Borken

Gut 200.000 Kubikmeter Gülle jährlich sollen im Idealfall durch die Anlagen in Nordvelen laufen, um 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche in ihre Einzelteile zerlegt zu werden.

von Josef Barnekamp

Kreis Borken

, 30.08.2019, 12:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Gülllevollaufbereitung“ nennt die NDM Naturwertstoffe GmbH mit Sitz in Nordvelen ihr rund 17 Millionen Euro teures Projekt, bei dem Landwirte aus der Region ihre Rinder- und Schweinegülle anliefern, damit daraus Wärme, und Strom sowie Phosphor- und Stickstoffverbindungen gewonnen werden, die verkauft werden sollen.

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„Aktuell sind wir bei einer Auslastung von 50 bis 60 Prozent“, sagt Doris Nienhaus, Geschäftsführerin des Unternehmens, bei dem Bauern aus der Region als Kommanditisten beteiligt sind. Wenn alles klappt, soll die hundertprozentige Auslastung in ein, zwei Monaten erreicht werden.

Kommanditisten liefern Hälfte der benötigten Gülle

Die Kommanditisten, deren Zahl aktuell bei 90 gedeckelt ist, sollen auch die Hälfte der benötigten Gülle liefern – und damit von den Vorteilen des Verfahrens profitieren, das die Gülleanlage nach Ansicht von Nienhaus hat. Den Rest liefern andere Bauern zu. Gülleimporte aus den Niederlanden soll es ausdrücklich nicht geben.

Weil die 200.000 Tonnen Gülle, die die Anlage mal verarbeitet, nicht in andere Regionen Deutschlands gebracht werden müssten, sondern aus 20 Kilometern Umkreis stammten, liege der ökologische Vorteil auf der Hand.

Eine Million Kubikmeter Gülle mehr als benötigt

Fakt sei nämlich, dass in der tierintensiven Landwirtschaft des Kreises Borken jährlich eine Million Kubikmeter Gülle mehr anfielen, als die heimischen Äcker und das Grünland aufnehmen könnten, erklärt Nienhaus beim Rundgang über das Gelände. Derzeit geben einzelne Landwirte 20.000 Euro und mehr pro Jahr aus, um die Gülle auf Äcker fernab des Westmünsterlandes bringen zu lassen.

Weil die in Nordvelen angelieferten Exkremente zudem nicht auf Äcker und Grünland ausgebracht werden, sondern im geschlossenen Kreislauf der Aufbereitungsanlage landeten, gebe es zudem keine Probleme mit entweichendem Methan. Im Gegenteil: Das Gas werde zur Energiegewinnung genutzt. Jeweils rund 1500 Kilowatt elektrischer und thermischer Energie produziert die Anlage laut Nienhaus – stündlich. „Eigentlich sollte Gülle generell durch eine Biogasanlage laufen“, sagt die Geschäftsführerin.

Dass man das Problem der Riesenmengen von Tiergülle in der Region durch eine Reduzierung des Tierbestandes in den Griff bekommen könnte, hält sie für keine so gute Idee: Dann werde Fleisch unter fragwürdigeren Bedingungen halt woanders produziert.

Gülleproben werden gezogen und untersucht

Angeliefert wird die Rinder- und Schweinegülle von einer eigens dafür bestellten Spedition. Bei der Einfahrt aufs Gelände werden Proben gezogen und untersucht. Im Abschluss durchläuft die Gülle eine Vielzahl von Prozessen. In einer Biogasanlage produzieren Bakterien Gas und somit Strom, ein paar Meter weiter werden der Gülle Phosphor und Stickstoff entzogen, die – aufbereitet – als Dünger verkauft werden. Feste Bestandteile werden getrocknet und verbrannt.

Am Konzept wird schon mehr als zehn Jahre gearbeitet

Dass sich die Fertigstellung der Anlage gegenüber früheren Termineinschätzungen des Unternehmens deutlich nach hinten verschoben hat, erklärt Nienhaus mit dem schwierigen Unterfangen, die diversen Anlagenteile und biologischen und technischen Abläufe miteinander zu verbinden. „Da waren wir vielleicht ein bisschen zu ehrgeizig“, sagt Nienhaus, die seit mehr als zehn Jahren an dem Konzept arbeitet

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