Die Essener Ballett-Compagnie tanzt ein bezauberndes „Dornröschen“ wie aus dem Bilderbuch

Aalto-Theater Essen

Ben Van Cauwenbergh setzt den Kassiker von Peter Tschaikowski und Marius Petipa am Aalto-Theater als buntes, kurzweiliges Märchenstück für die Familie in Szene. Für Akzente sorgen Tiere.

10.11.2019, 13:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Essener Ballett-Compagnie tanzt ein bezauberndes „Dornröschen“ wie aus dem Bilderbuch

Für einen kurzen Moment ist Artem Sorochan als Dornröschens Prinz auf einem echten Pferd zu erleben. © HANS GERRITSEN

Jetzt ist sie vollständig, Ben Van Cauwenberghs Reihe der drei großen Tschaikowski-Ballette am Aalto-Theater: Nach seinem „Nussknacker“ von 2016 (Wiederaufnahme des Weihnachtsklassikers ist am 21. Dezember) und „Schwanensee“ von 2018 (ab März 2020 wieder im Programm) brachte Essens Ballettintendant am Samstag „Dornröschen“ heraus. Und auch hier peppte er dabei die Originalchoreografie von Marius Petipa wirkungsvoll auf. So hüpft etwa der Tänzer Denis Untila am Anfang akrobatisch als Frosch herum, zeigt Davit Jeyranyan als blauer Vogel Sprünge, als würde er fliegen, oder necken sich im Schlussbild der in den Gestiefelten Kater verwandelte Wataru Shimizu und Kätzchen Amari Saotome.

In der Jagdszene zu Beginn des zweiten Akts lässt Van Cauwenbergh sogar vier englische Spaniel und ein Pferd (das bei der Premiere prompt Szenenapplaus erhielt) mitmischen. Ausstatter Dorin Gal hat für das Märchenballett historisierende Kostüme entworfen und deutet klassische Interieurs an, Videokünstlerin Valeria Lampadova schafft stimmungsvolle Ausblicke auf bewegte, fantasy-artige Landschaften.

Prinzessin gleich doppelt besetzt

Dornröschen, das in dem Ballett Prinzessin Aurora heißt, ist doppelt besetzt. Laura Kubicko tanzt das junge Mädchen, federleicht und natürlich in den Bewegungen, voller Lebensfreude, gleichzeitig aber auch ein von den Eltern eingeengter liebreizender Trotzkopf. Schade, dass sie so schnell heranwächst – man hätte gern mehr von ihr gesehen. Wobei Yanelis Rodriguez als volljährige Aurora durchaus auch über jugendliche Ausstrahlung verfügt. Die kubanische Solotänzerin glänzt durch perfekten Spitzentanz, trippelt und schwebt über die Bühne. Ihren Prinzen findet sie in Artem Sorochan, einem großen, drehsprungstarken Tänzer, der als stolzer Jäger einreitet und die nach 100 Jahren Wachgeküsste in mehreren Pas de deux wirkungsvoll in Szene setzt.

Die Riege der fünf guten Feen wird angeführt von der schwerelosen, sehr präzisen Mika Yoneyama. Eine eindrucksvolle Gegenspielerin findet sie in Adeline Pastor, die, schwarz gekleidet und von einem Männertrio begleitet, Auftritte von hochdramatischem Ausdruck hinlegt.

Märchenhaft schönes Handlungsballett

Nach der Jagdszene bietet Van Cauwenberghs Choreografie keine großen Überraschungen mehr, sondern lässt die Zuschauer in klassischen Schrittfolgen und Sprüngen der Aalto-Compagnie schwelgen. Die Essener Philharmoniker unter Andrea Sanguineti leisten ihren Teil dazu bei, indem sie Tschaikowskis Musik brillant, vital und stimmungsvoll rüberbringen, klangvolle Geigensoli von Konzertmeister Daniel Bell inbegriffen.

Das Premierenpublikum zeigte sich zu Recht begeistert von dieser märchenhaft schönen Produktion, die man auch als ganze Familie genießen kann – sofern man denn noch Karten ergattert. Die nächsten Termine sind bereits weitgehend ausverkauft.

Termine: 14. / 15. / 24. 11., 6. / 8. / 14. 12., 17. / 19. / 29. 1.; Karten: Tel. (0201) 812 22 00. www.theater-essen.de