Deutsche Glasfaser in neuen Händen

dzEigentümerwechsel

Die Deutsche Glasfaser mit Sitz in Borken hat neue Eigentümer. Der schwedische Finanzinvestor EQT und die kanadische Pensionskasse OMERS steigen als Investoren ein

von Peter Berger

Borken

, 13.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die neuen Eigentümer lösen KKR (USA) und Reggeborgh (Niederlande) ab.

Das mittelfristig geplante Investitionsvolumen steigt sprunghaft auf sieben Milliarden Euro. Mit diesem Kapitalpolster sollen in Deutschland mittelfristig sechs Millionen Glasfaseranschlüsse geschaffen werden.

Mitte dieses Jahres will das Unternehmen die erste Million erreicht haben. „Borken ist und bleibt führender Standort unseres Unternehmens“, hieß es am Montag auf Nachfrage der Borkener Zeitung.

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Zusammen mit dem Unternehmen inexio aus dem Saarland wird die Deutsche Glasfaser künftig eine auf den Glasfaserausbau fokussierte Unternehmensgruppe bilden. Gemeinsames Ziel sei, den größten Teil der heute noch nicht mit Gigabit-fähigen Internetanschlüssen versorgten Gebiete in Deutschland zu erschließen.

Ziel: sechs Millionen Anschlüsse

Die „Sektorerfahrung und Finanzkraft“ der neuen Eigentümer eröffneten neue Möglichkeiten für eine weitere Beschleunigung des Wachstums“, so Geschäftsführer Uwe Nickl. Mit den für die Gruppe mittelfristig geplanten sechs Millionen „Glasfaser-zum-Haus“-Anschlüssen (FTTH-Anschlüsse) werde man weiter die „weißen und grauen Flecken“ erschließen. „Es wird ein spannender Ritt – und wir freuen uns darauf“, so Uwe Nickl weiter.

KKR und Reggeborgh beabsichtigen ihre Anteile – nach der noch ausstehenden Genehmigung der in Deutschland und Europa zuständigen Behörden – an EQT und OMERS zu übertragen. EQT ist eine börsennotierte schwedische Investmentgesellschaft mit aktuell 41 Milliarden Euro an verwaltetem Beteiligungsvermögen. EQT habe 2019 die Mehrheitsanteile an inexio übernommen und sei im Besitz einer Reihe führender Glasfasernetzbetreiber in Europa, heißt es in einer Pressemitteilung. In Sachen Glasfaser sei EQT der erfahrenste Investor in Europa, ergänzt Jens Müller, Finanzchef der Deutschen Glasfaser

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OMERS Infrastructure investiert weltweit im Namen von OMERS, dem leistungsorientierten Vorsorgeplan für Angestellte der kanadischen Provinz Ontario, in Infrastrukturen. OMERS ist einer der größten kanadischen Pensionsfonds mit einem Anlagevermögen von etwa 70 Milliarden Euro. In Deutschland bestehen OMERS-Beteiligungen unter anderem an Tank&Rast sowie an der auf Eisenbahn-Logistik spezialisierten VTG.

Erneutes Bekenntnis zum Standort Borken

Für die Deutsche Glasfaser ist es die zweite Vervielfachung des Kapitals innerhalb kurzer Zeit. Erst im Januar hatte man bekanntgegeben, dass der Investitionsrahmen von 650 Millionen auf 1,8 Milliarden Euro steige. In einem BZ-Interview hatte Finanzchef Jens Müller nicht ausgeschlossen, dass der amerikanische Finanzinvestor KKR, der 2015 bei den Borkenern einstieg, an Bord bleiben würde. Zum Zeitpunkt des Interviews sei der Prozess noch nicht abgeschlossen gewesen, hieß es jetzt aus der Unternehmenszentrale.

In Borken arbeiten derzeit zwei Drittel der derzeit rund 700 festen Mitarbeiter bundesweit. Nach der Renovierung eines weiteren Gebäudes an der Wilbecke sollen bis Mitte des Jahres 120 Beschäftigte in Borken hinzukommen. Weitere Unternehmensstandorte sind bundesweit geplant. Neben den jüngst geschlossenen Open-Access-Partnerschaften mit der Deutschen Telekom und Vodafone Deutschland werde ein Schwerpunkt der weitere Ausbau von Kooperationen mit anderen Branchenteilnehmern sein, kündigte die Deutsche Glasfaser an.

„Wichtigste Partner sind und bleiben für uns die Menschen vor Ort und die Kommunen“, lässt sich Unternehmenschef Nickl in der Pressemitteilung zitieren. Mit dem Ziel von mehr als sechs Millionen Glasfaseranschlüssen für die neue Unternehmensgruppe habe man sich eine „sehr hohe Schlagzahl beim Ausbau“ vorgenommen, fügt Nickl hinzu: „Für unsere Partner in Kommunen und Verwaltungen bedeutet das ebenfalls viel Arbeit mit Genehmigungen und Anordnungen.“ Daher sei der wichtigste Beitrag der Bundesregierung und der Länder zum schnellen Glasfaserausbau die Entschlackung, Standardisierung und Digitalisierung dieser Verfahren“, fügt Uwe Nickl hinzu.

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