Deutsche Corona-App mischt britisches Parlament auf

Coronavirus

Der britische Premierminister verteidigt sich gegen Vorwürfe, die Einführung einer Warn-App vermasselt zu haben. So etwas funktioniere in keinem Land - dann belehrt ihn der Oppositionsführer.

London

25.06.2020, 11:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eine Corona-Warn-App würde kein Land hinkriegen? Labour-Chef Keir Starmer belehrt Premierminister Johnson eines Besseren - und verwies auf Deutschland.

Eine Corona-Warn-App würde kein Land hinkriegen? Labour-Chef Keir Starmer belehrt Premierminister Johnson eines Besseren - und verwies auf Deutschland. © picture alliance/dpa

Trotz Kritik unabhängiger Wissenschaftler dürfen Pubs, Restaurants, Hotels und viele andere Einrichtungen in England vom 4. Juli an wieder öffnen. Das hatte der britische Premierminister Boris Johnson am Dienstag im Parlament in London angekündigt.

Großbritannien: App könnte erst im Winter einsatzbereit sein

Die Reduzierung des Mindestabstands in Innenräumen auf einen Meter komme einer Aufhebung der Kontaktbeschränkungen gleich, warnte die Gruppe unabhängiger Wissenschaftler “Independent Sage”. Dafür sei die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit rund 1000 noch zu hoch.

Zudem müsse es ein funktionierendes System zur Nachverfolgung von Kontakten geben.

Johnson hatte angekündigt, bis Anfang Juni ein “Weltklasse-System” einzuführen. Inzwischen musste die Regierung aber eingestehen, dass dieses Versprechen nicht eingehalten werden konnte. Eine Warn-App, die seit Wochen auf der Isle of Wight getestet wurde, wurde zugunsten einer Alternative verworfen. Es könnte nach Regierungsangaben bis zum Winter dauern, bis die neue App einsatzbereit ist.

Johnson verteidigte sich am Dienstag im Parlament mit der Behauptung, bisher habe kein Land der Welt eine funktionierende Kontaktverfolgungs-App. Dann folgte ein Rededuell zwischen Johnson und Labour-Chef Keir Starmer.

Mehr als 42.900 positiv auf das Coronavirus getestet

Der Premier fragte den Oppositionsführer, ob er “ein einziges Land” nennen könne, dass über eine “zweckmäßige Kontaktnachverfolgungs-App” verfüge. Starmer antwortete trocken: “Deutschland! Läuft seit dem 15. Juni. Zwölf Millionen Downloads”. Sehr zur Freude der Netzgemeinde.

Großbritannien ist das am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Land in Europa. Dort starben bislang mehr als 42.900 positiv auf das Coronavirus getestete Menschen. Die Zahl der Todesfälle, bei denen die Lungenkrankheit Covid-19 als Ursache festgestellt wurde, liegt bei mehr als 54.000.

RND/cle/dpa