Deutsche Ärzte retten Eddie Siemes aus Aalten – 10.292 neue Corona-Fälle

dzCoronavirus in den Niederlanden

Das niederländische Gesundheitsministerium meldet 10.292 neu gemeldete Corona-Infektionen und 70 Todesfälle. Eddie Siemes aus Aalten hatte Corona und wurde von Ärzten in Osnabrück gerettet.

Winterswijk/Enschede

, 27.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zahl der neuen Corona-Infektionen in den Niederlanden steigt fast ungebremst. Am Dienstagmittag (27.10.2020) meldet das niederländische Gesundheitsministerium 10.292 Neuinfektionen mit dem Virus innerhalb von 24 Stunden. Am Montag waren es 10.343 Neuinfektionen.

Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit dem Virus hat sich fast verdreifacht. Waren es am Montag noch 26 Tote, so berichtet das Gesundheitsministerium jetzt von 70 Todesfällen in Zusammenhang mit einer Erkrankung an dem Coronavirus.

67.000 Neuinfektionen in einer Woche

Zum Vergleich: Für Deutschland mit seinen 83,02 Millionen Einwohnern meldet das RKI (Robert Koch Institut) am Dienstag 11.409 Neuinfektionen. Die Niederlande haben allerdings nur 17,28 Millionen Einwohner.

Im Nachbarland wurde binnen Wochenfrist, also vom 21. bis 27. Oktober, bei rund 67.000 Menschen das Coronavirus neu diagnostiziert. In den drei Wochen davor waren es 55.000, 44.000 bzw. 27.000 Neuinfektionen.

In diesem Zeitraum wurden 1.739 Menschen mit Symptomen der Viruserkrankung in ein Krankenhaus eingewiesen. Insgesamt sind in den Niederlanden bisher 7.142 Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben.

In Enschede 145 positive Tests in 24 Stunden

In Enschede, der größten Gemeinde im Raum Twente, wurden 145 positive Tests gemeldet, so die Tageszeitung de Gelderlander. Am Montag waren es 106 Fälle. In der Region Twente waren es am Dienstag 489 neu gemeldete Corona-Infektionen.

Zwei Todesfälle hat das niederländische Gesundheitsministerium am Dienstagmittag für diese Region gemeldet. Je ein Bewohner aus Enschede und Haaksbergen starben, nachdem bei ihnen eine Coronainfektion festgestellt wurde.

Das sind die neu gemeldeten Corona-Fälle in den Kommunen:

Almelo - 54

Borne - 15

Dinkelland - 18

Enschede - 145

Haaksbergen - 20

Losser - 19

Oldenzaal - 20

Aalten - 3

Winterswijk - 5

East Gelre - 17

Berkelland - 28

Eddie Siemes überlebte Corona-Erkrankung nur ganz knapp

Die Tageszeitung de Gelderlander aus Winterswijk berichtete in den vergangenen Tagen von Eddie Siemes aus der Winterswijker Nachbargemeinde Aalten. Der 64-Jährige wurde im Frühjahr mit dem Coronavirus infiziert und erkrankte schwer. Er stand kurz vor dem Tod, berichtet Siemes gegenüber der Tageszeitung, nachdem er in der ersten Coronawelle erkrankte.

Wie schwer das Coronavirus den Berufskraftfahrer getroffen hat beschreibt allein schon, dass er erst jetzt wieder, zum ersten Mal seit dem Frühjahr, wieder ein Glas Gurken öffnen konnte. Die Krankheit hat den 64-Jährigen gezeichnet. „Ich kann kaum eine Kiste heben“, zitiert de Gelderlander den Aaltener, den das Coronavirus irgendwann ins Winterswijker Krankenhaus gebracht hat.

Als dort das Krankenhaus an die Kapazitätsgrenzen stößt, holt die Deutsche Bundeswehr Eddie Siemes ins 150 Kilometer entfernte Klinikum Osnabrück. Intensivstation, künstliches Koma, Herz- und Nierenprobleme, Lungenentzündung, tagelang hohes Fieber, das Leben des 64-Jährigen hing am sprichwörtlichen Seidenen Faden, blickt Siemes heute zurück.

Bundeswehr holt Aaltener ins Klinikum Osnabrück

Anfang April steht das Leben von Siemes auf der Kippe, als die Ärzte in Osnabrück sich als letzte Maßnahme dafür entscheiden, dem Aaltener 100 Prozent Sauerstoff zu geben. Letzte Chance, letzte Hoffnung für Eddie Siemes, dessen Zustand sich dann verbessert.

„Die Ärzte sprachen von einer zweiten Geburt, als ich nach drei Wochen langsam aus dem Koma erwachte“, berichtet der 64-Jährige der niederländischen Tageszeitung. Nach 82 Tagen im Krankenhaus konnte Eddie Siemes wieder nach Hause entlassen werden.

Das war am 19. Juni. Siemes spürt aber noch heute jeden Tag die Konsequenzen der lebensbedrohlichen Erkrankung. Als Folge einer Thrombose ist ein Bein steif. Die Kraft hat den 64-Jährigen verlassen, der schnell unter Müdigkeit leidet. Seinen Beruf als LKW-Fahrer kann Eddie Siemes nicht mehr ausüben. Er geht halbtags arbeiten, hat einen leichten Bürojob.

„Corona macht wirklich keinen Spaß“, zitiert de Gelderlander den genesenen Corona-Patienten.

Niederländische Corona-Patienten in deutschen Krankenhäusern

  • Im Frühjahr waren 58 schwerkranke Corona-Patienten aus den Niederlanden in NRW behandelt worden.

  • In der vergangenen Woche wurden erneut Patienten aus den Niederlanden in deutschen Krankenhäusern aufgenommen. Am Freitagmorgen (23.10.) wurde zum Beispiel ein Patient aus dem Nachbarland in ein Krankenhaus nach Münster geflogen. Ein weiterer Patient sollte folgen.

  • Auf niederländischer Seite heißt es, dass geplant sei, bis zu 80 Patienten in 48 Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen aufzunehmen.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt