"Der unglaubliche Hulk" tobt in neuer Variante

Als vor ziemlich genau fünf Jahren Ang Lees "Hulk" in die Kinos kam, waren die Reaktionen alles andere als freundlich.

von Von Sascha Westphal

, 09.07.2008, 16:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
Edward Norton spielt den Bruce Banner. Durch biochemische Experimente verstrahlt, führt er ein Leben im Abseits.

Edward Norton spielt den Bruce Banner. Durch biochemische Experimente verstrahlt, führt er ein Leben im Abseits.

Die meisten Fans der Marvel-Serie um den Wissenschaftler Bruce Banner, der sich, sobald er seine Gefühle nicht mehr kontrollieren kann, in den riesigen grünen Hulk verwandelt, reagierten mit Enttäuschung oder Entsetzen auf Lees in den Primärfarben der frühen Comics gehaltenen Adaption. Nun schickt Marvel mit Louis Leterriers "Der unglaubliche Hulk" ab heute eine ganz neue Variante auf die Kinoleinwände.

Außer Kontrolle

Diesmal ist es kein Unfall, der den jetzt von Edward Norton gespielten Wissenschaftler erstmals in den so überaus zornigen grünen Koloss verwandelt. Nun geht ein verfrühtes Selbstexperiment schief. Ansonsten hat sich an der Grundkonstellation wenig verändert. Auch dieser Bruce Banner liebt mit Betty Ross (Liv Tyler) ausgerechnet die Tochter des Mannes, der ihn unerbittlich jagt. Und General Ross (William Hurt) ist wieder jedes Mittel recht, um Banner und mit ihm den Hulk in seine Gewalt zu bekommen. Dafür bedient er sich hier des britischen Elitesoldaten Emil Blonsky (Tim Roth), der allerdings während der Jagd auf Ross immer weiter außer Kontrolle gerät.

Louis Leterrier und seine Produzenten machen keinen Hehl daraus, dass ihr Film als Gegenentwurf zu Ang Lees "Hulk" konzipiert ist. Von den ersten Alptraumbildern an weiß man: Der Vorgänger soll möglichst ausradiert werden. Und so gibt es in diesem Film kaum kräftige Farbtöne, an ihre Stelle treten die dunklen Farben und hyperrealen Bilder, die man aus den modernen Marvel-Comics kennt.

Alles Action

Diese Wendung zu einer neueren Ästhetik hat ihren Reiz, zumal Leterrier in den Action-Szenen enormes Können unter Beweis stellt. Doch so großartig die Action ist, vor allem die Verfolgungsjagd durch die Slums von Rio, in jeder anderen Hinsicht erweist sich "Der unglaubliche Hulk" gegenüber Lees Verfilmung als hoffnungslos unterlegen. Die eindringlichen Emotionen, die Lee heraufbeschworen hat, vermisst man wie die Komplexität, die den vermeintlich trivialen Comic in die Nähe griechischer Tragödien rückte.

Bei Leterrier ist alles Action-Oberfläche und Comic-Klischee, besonders die Beziehung zwischen Banner und Betty, der nicht einmal der äußerst engagierte Edward Norton einen Hauch von Wahrhaftigkeit verleihen kann.

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