"Der Parasit" im Wartezimmer der Macht

Düsseldorfer Schauspielhaus

In einer Umbruchsituation entstand 1787 Louis-Benoit Picards Lustspiel "Médiocre et rampant" (Mittelmäßig und kriechend). In der Übersetzung von Friedrich Schiller feierte "Der Parasit oder Die Kunst sein Glück zu machen" seine umjubelte Premiere am Freitag im Düsseldorfer Schauspielhauses. Hausregisseur Nurkan Erpulat zeigt mit seiner amüsanten Inszenierung, dass die Sozialkomödie auch heute noch als Spiegel des Politikbetriebs taugt.

DÜSSELDORF

von Von Britta Helmbold

, 15.09.2013, 13:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
Selicour (Florian Jahr, l.) macht sich beim neuen Minister (Moritz Führmann) unentbehrlich.

Selicour (Florian Jahr, l.) macht sich beim neuen Minister (Moritz Führmann) unentbehrlich.

Effektvoll startet die Aufführung mit Laroches Rausschmiss, er wird aus dem Vorraum der Macht vertrieben, die vierte Wand fährt herab. Und vor der Tür ist Partyzeit der Glückssucher, die Michael Graessner leicht überzeichnet, dennoch typengerecht eingekleidet hat.Moritz Führmanns Minister Narbonne tritt in diversen Freizeit-Looks auf, immer adrett als Muttersöhnen und staatstragend die Merkel-Raute imitierend will er den Neuanfang zum Aufräumen nutzen.Selicour macht sich unentbehrlich Der Machtwechsel beflügelt Opportunist Selicours Aufstiegspläne, er macht sich bei Narbonne unentbehrlich. Florian Jahr gibt diesen geschickten Taktierer als wunderbar aalglatten Schleimbolzen, der mit Intrigen versucht, seine Konkurrenten kaltzustellen.Erfolgreich umgarnt Selicour die Minister-Mama und -Einflüsterin (Verena Reichhardt), nur Narbonnes Töchterchen Charlotte (Patrizia Wapinska) ist seinem Charme noch nicht erlegen. Ihr Herz gehört dem zauseligen Gitarristen (Marian Kindermann), dessen Papa Dirk Ossig als überloyalen Beamten spielt. Dann kommen Selicour noch zwei Freunde aus der Vergangenheit in die Quere: sein vergrätzter Jugendfreund Laroche, hinreißend komisch Christian Ehrich auf Rachefeldzug, und eine Frau aus der Provinz, von Stefanie Rösner als prollig-gerissene Tussi gespielt.Verstaubte Gummibäume

Verhandelt wird die Neupositionierung der Glückssucher im Vorraum der Macht, dem Kathrin Frosch eine billige Wartezimmer-Atmosphäre verpasst hat - Pressspan-Auskleidung und verstaubte Gummibäume.

Leicht karikierend angelegt und spielfreudig vom Ensemble umgesetzt bescherte Erpulat einen launig-heiteren Spielzeitauftakt.

Termine: 17./20./27.9.; Karten: Tel. (0211) 36 99 11.

 

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