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Der Nordkirchener Himmelsstürmer

NORDKIRCHEN Sein Händedruck ist kräftig. Muss er ja auch sein, denn ohne einen festen Griff könnte sich Alfred Achtelik nicht in die Höhen schrauben. Der 47-jährige Nordkirchener ist mehrfacher Welt- und Europameister im Stabhochsprung.

von Von Malte Woesmann

, 06.11.2007

Erst vor ein paar Wochen bei der WM in Italien war Achtelik wieder der Himmelsstürmer in seiner Altersklasse.

Zum vierten Mal sicherte er sich dort die Goldmedaille, dazu kommen noch vier Goldmedaillen bei Europameisterschaften. Bei großen Wettkämpfen ist er seit Jahren fast unschlagbar. Dabei hatten seine Gegner eigentlich bei der WM in diesem Jahr leichtes Spiel.

Gehandicapt durch einen Magen-Darm-Virus ging Achtelik in den Wettkampf. Er ließ sich als letztes die mögliche Sieghöhe auflegen und im dritten Versuch überquerte er die Latte. Weltmeister! Seine Frau und seine kleine Tochter hatten Achtelik wie immer zu den großen Wettkämpfen begleitet. "Wir verbinden die Welt- oder Europameisterschaften immer gerne mit einem Urlaub", so Achtelik.

Als kleiner Junge wollte er lieber werfen

Aber von vorne. Achtelik begann schon als kleiner Junge mit dem Sport. Heute sagt er, dass er für den Sport lebt. Zunächst probierte er sich im Mehrkampf mit Hauptaugenmerk auf die Wurfdisziplinen.

"Mit 19 wurde ich in meiner Trainingsgruppe in Gladbeck gefragt, ob ich nicht den Stabhochsprung übernehmen könne", erinnert sich Achtelik. Da er der Älteste der Gruppe war, war er fortan Trainer. "So musste ich mich zwangsläufig mehr mit der Disziplin auseinander setzen."

Seine Bestleistung steigerte er Zentimeter um Zentimeter. 5,15 Meter steht für ihn als größte Höhe in den Büchern. Da kommt er zwar heute nicht mehr heran, trotzdem dominiert er seine Altersklasse nach Belieben.

Doch nicht nur in seiner Freizeit ist Achtelik sportlich aktiv. Beruflich arbeitet er als Diplom-Sportlehrer im Gesundheitszentrum Medicos auf Schalke. Das Zentrum gehört zum FC Schalke 04. Die Bundesliga-Spieler des FC Schalke gehen dort zur Rehabilitation ein und aus. So hat Achtelik auch viel Kontakt zu Kevin Kuranyi und Co. Schalke-Fan ist er eh. "Ich bin in Gladbeck aufgewachsen. Da geht gar nichts anderes", sagt er mit einem Schmunzeln.

Als Diplom-Sportlehrer weiß er, für sich die richtigen Trainingspläne zu erstellen. Eine Stunde am Tag reicht da vollkommen aus. Wobei er das Training variiert. Laufen im Parkstadion oder am Berger See in Gelsenkirchen, Technik-Übungen in Nordkirchen und Turnübungen im heimischen Garten. Ein Reck steht dort für seine Übungen parat. "Meine Nachbarn wissen Bescheid, wenn der Wahnsinnige wieder seine Übungen macht", nimmt er sich selber auf den Arm.

Entweder man macht's ganz oder gar nicht

Sein Training zieht er konsequent durch. "Stabhochsprung ist eine komplizierte Sportart. Man macht sie entweder ganz oder gar nicht", umschreibt er seine Leidenschaft. Gerade die Abwechslung reizt ihn. Um gut über die Latte zu kommen, spielen viele Faktoren eine Rolle. Zunächst der Anlauf mit dem kraftvollen Einstich des Stabes. 

Danach sind turnerische Fähigkeiten gefragt, um den Körper über die Latte zu winden. Drehungen um alle Achen macht Stabhochsprung so faszinierend und kompliziert. Heute wünscht sich Achtelik, dass er vielleicht etwas früher mit dem Stabhochsprung begonnen hätte.

Denn zehn bis zwölf Jahre dauert es schon, bis man den Sport richtig beherrscht. "Den perfekten Sprung lernt man wahrscheinlich aber nie", so Achtelik. Muss er ja auch nicht. Denn Weltmeister wird er auch mit nicht so perfekten Sprüngen.