„Das letzte Wort“: Anke Engelke wird zum Bestattungs-Profi

dzNetflix-Kritik

In der Netflix-Serie „Das letzte Wort“ spielt Anke Engelke eine Trauerrednerin, die mit dem Tod ihres Mannes zu kämpfen hat. Dabei zeigt die Comedy-Queen ungewohnt ernste Seiten von sich.

Dortmund

, 22.09.2020, 15:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Filme, in denen Gevatter Tod heimlich in der Hauptrolle steckt, haben nicht eben Tradition bei uns. Bei Netflix gibt es nun die Serie „Das letzte Wort“, wo Anke Engelke eine Witwe spielt, die von der Trauernden zur Trauerrednerin wird – zum Bestattungs-Profi, wenn man so will. Der Sechsteiler laviert zwischen Drama und Comedy, hält Schweres und Leichtes in Balance und kann auf Darsteller vertrauen, die durch die Bank überzeugen.

Vorneweg Anke Engelke als Klara, deren Mann plötzlich stirbt und sie mit pubertierendem Sohn und erwachsener Tochter (Nina Gummich) zurücklässt. Auf der einen Seite ist „Das letzte Wort“ ein Familien-Psychogramm. Andererseits ein launiges Porträt der Beerdigungsbranche, repräsentiert vom Berliner Bestatter Borowski (Thorsten Merten), in dessen Firma Klara erste Aufträge übernimmt.

„Six Feet Under“ plus Anke Engelke ergibt „Das letzte Wort“

In manchen Episoden ums Geschäft mit dem Tod wispert die US-Kultserie „Six Feet Under“ mit, wenn Tote geschminkt und hergerichtet werden oder Bestattungs-Trends Revue passieren. Hier die New Orleans-Beerdigung mit Marching Band, dort ein Abschied unter Shanti-Shanti-Yoga-Eleven. Immer versucht Klara, Worte jenseits gestanzter Phrasen zu finden.

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Für die Hinterbliebenen ist der Tod ein Schock, für Borowski sein täglich Brot. In jeder Folge gibt es mindestens einen Trauerfall. Klara mausert sich zur Spezialistin für exotische Wünsche und „schrägere“ Klienten. Dabei laboriert sie selber am Verlust ihres Mannes, der ihr aber noch als Geist erscheint; da wird die im Leben geerdete Geschichte dann fantastisch.

Sitcom- und Seifenoper-Elemente trüben nicht die Tiefe

Zum Ende greifen verstärkt Sitcom- und Seifenoper-Motive in den Drehbüchern von Aron Lehmann und Carlos Irmscher. Der Witz ist trocken, wahrt aber einen Kern von Ernst und Tiefe. Eigentlich erzählt die Serie von Menschen mit Defekten und Zweifeln, die mit sich selbst und anderen ringen.

Anke Engelke hat mehr Facetten zu bieten als die Ulknudel. Thorsten Merten (der die Idee zur Serie hatte) glänzt als frustrierter Bestatter. Schon die Leistung dieser beiden lohnt das Anschauen.

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