Das Konzerthaus Dortmund pflegt alte Abo-Traditionen und erkundet aber auch Neuland

dzSaison 2019/20

Die Spannung vor der Präsentation des ersten Spielplan des neuen Intendanten des Dortmunder Konzerthauses war groß. Die beiden Saisonbücher, die magnetisch verbunden sind, bieten auch Neues.

Dortmund

, 02.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Präsentation seines ersten eigenen Spielplans im Konzerthaus Dortmund sei „ein bewegender Moment“, weil zwei Jahre Arbeit in die Planung der Saison 2019/20 eingeflossen seien, sagte Intendant Raphael von Hoensbroech am Donnerstagvormittag der Presse und am Abend vor 1000 Besuchern im Saal: „Es war eine Freude auf dem aufzubauen, was im Konzerthaus erfolgreich entwickelt worden ist und was unter dem Begriff ,Dortmunder Dramaturgie‘ so schön zusammen gefasst ist.“

Und so hat der 42-Jährige keine einzige Reihe seines Vorgängers aus dem Spielplan gestrichen, führt aber neue Reihen ein. Deshalb steigt die Zahl der Eigenveranstaltungen von 96 in der laufenden Saison auf 109 in der kommenden Spielzeit. „Musik für Freaks“ habe er streichen wollen, sich dann aber beim ersten Besuch der Reihe „schockverliebt“ in das Format, das der Intendant nun doch beibehalten hat. Die Reihe bietet am 27. Oktober etwas Neues: ein kammermusikalisches „Joker“-Konzert. Das Publikum erfährt erst am Konzertabend, wer auftritt und was gespielt wird. „Vertrauen Sie uns, es wird toll“, verspricht der Intendant. Eintritt: 20 Euro.

Vier neue Reihen bietet der Spielplan


Vier neue Leitlinien bietet der Spielplan. Spannend ist die Reihe „Curation Artist“. Pianist Sergei Babayan kuratiert das Programm der sechs Konzerte vom 12. bis 17. November und lädt dazu Künstlerfreunde wie Martha Argerich, Valery Gergiev, Mischa Maisky und seinen Schüler Daniil Trifonov ein.

„Neuland“ bietet auch die fünfteilige Reihe, in der Künstler mit Konzertformen experimentieren. So wird „La Fura dels Baus“ Beethovens „Pastorale“ inszenieren, und das „Stegreif.orchester“ präsentiert Beethovens Neunte mit Improvisationen. Abende im „Salon“ mit dem Intendanten sind ein weiteres Novum im Spielplan.

Ein Fest für Beethoven mit einem Streichquartett-Marathon


Die sieben Abende von „B250hoven“ sind ein Fest zu Beethovens 250. Geburtstag. Sensationell ist das Konzert von Thomas Hengelbrock am 7. Februar, der mit den Balthasar-Neumann-Ensembles Beethovens vierstündiges Akademie-Konzert aus dem Jahr 1808 rekonstruiert. Eine Besonderheit in der Streichquartettreihe ist der Beethoven-Marathon, bei dem das Quatuor Ébène und das Belcea Quartet am 20./21. Juni sowie an zwei Abenden im September 2020 alle Beethoven-Streichquartette spielen.

Die Zeitinsel ist vom 2. bis 6. Februar ein Festival für den 93 Jahre alten, ungarischen Komponisten György Kurtág mit sechs Konzerten. Bariton Benjamin Appl wird vor seinem Liederabend mit Kurtág in Budapest arbeiten. Das Konzerthaus dokumentiert das filmisch.

Im Saisoneröffnungskonzert dirigiert Franz Welser-Möst am 14. September das Concertgebouw; die Abschlussgala gestaltet am 22. Juni Joyce DiDonato. Exklusivkünstlerin der nächsten drei Jahre ist, wie berichtet, die Chefdirigentin des City of Birmingham Symphony Orchestra, Mirga Grazinyté-Tyla, die in der nächsten Saison fünf Mal zu Gast ist.

Die konzertante Oper ist spektakulär besetzt

Zu den 20 Orchestern, die in den drei Orchesterzyklen auftreten, gehören die Sächsische Staatskapelle, das London Symphony Orchestra, das London Philharmonic, das Rotterdam Philharmonic, das Mariinsky, die Kammerphilharmonie Bremen und die Academy-of-St-Martin-in-the-Fields.

Eine persönliche Note des Intendanten, der aus Berlin nach Dortmund gekommen ist, sind die Einladungen an das Konzerthausorchester Berlin mit Christoph Eschenbach, an Dirigent Ivan Fischer, der mit dem Budapest Festival Orchestra kommt, und das Orchester aus von Hoensbroechs Geburtststadt Tokio.

Teodor Currentzis kommt mit seinem SWR-Orchester und Mitsuko Uchida mit dem Mahler Chamber Orchestra. Zu den Starsolisten gehören Geigerin Janine Jansen, Cellistin Sol Gabetta, die Geiger Frank Peter Zimmermann und Renaud Capucon.

Zwei spektakuläre Abende bietet die „Konzertante Oper“: Yannick Nézet-Séguin dirigiert das Rotterdam Philharmonic in Strauss‘ klangmächtiger „Frau ohne Schatten“ (20.2.) und Gustavo Dudamel leitet das Mahler Chamber Orchestra im halbszenischen „Fidelio“ von Beethoven (22.4.).

185.000 Besucher kamen in der laufenden Saison

Die Liederabende gestalten Christian Gerhaher, Peter Lodahl, Philippe Jaroussky und Anna Prohaska. Meisterpianisten sind Sergei Babayan, Grigory Solokov, Igor Lewit, Pierre-Laurent Aimard und Angela Hewitt. Im Chorklang-Abo gibt es unter anderem eine „Matthäus-Passion“ von Bach mit der Akademie für Alte Musik und ein Osterkonzert mit Hengelbrock.

Neben der Reihe mit den „Jungen Wilden“ gibt es wieder ein Cabaret-Abo, Jazz-Nights, das Pop-Abo, die Orgel-Reihe, Kopfhörer und Kopfnoten. Das Weltmusik-Abo heißt nun „Soundtrack Europa“ und bietet fünf Abende. Die laufende Saison, die erste von Raphael von Hoensbroech, die Benedikt Stampa noch geplant hat, beendet das Konzerthaus mit einer Auslastung von 74,1 Prozent. Es kamen 185.000 Besucher, davon 78.000 zu den Eigenveranstaltungen.

Hier gibt es Karten:

Abonnenten können sofort Abos, Konzertpakete oder Einzelkarten unter Tel. (0231) 22696200, im Konzerthaus oder Internet kaufen. Für alle anderen gibt es Einzelkarten ab 16. Mai, Abos schon jetzt.

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