Das Feuer des Lang Lang

ESSEN Wie ein Zauberwort ist der Name Lang Lang für Konzertveranstalter. Der Superstar der Klassik lässt Kartentelefonleitungen zusammenbrechen - bei seinen beiden Konzerten beim Klavier-Festival Ruhr in der Philharmonie Essen blieben allerdings noch Plätze frei.

von Von Julia Gaß

, 11.07.2008, 18:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für den Chinesen galt das olympische Motto "dabei sein ist alles", denn Star dieser Abende war sein Landsmann Tan Dun, Komponist aller Werke des Programms und ein gefühlvoller und umsichtiger Dirigent des WDR-Sinfonieorchesters.

Sport war von Lang Lang, der auch bei der Eröffnung der olympischen Spiele am 8. August in Peking spielen wird, auch gefragt: Karate- und Faustschläge fordert der 50-jährige Komponist von seinem Freund, dem er das Werk auf die Finger geschrieben hat. Nach der Uraufführung im April in New York erklang es in Essen in europäischer Erstaufführung.

Klavier wurde zum Schlagwerk-Instrument

"Das Feuer" heißt das Klavierkonzert und ist eine Gegenüberstellung von Feuer und Wasser. Und in den feurigen Passagen war der 26-jährige Lang Lang am meisten in seinem Element.

Schlagzeug spielte er mit einer ungeheuren Wucht und rhythmischen Präzision im ersten Satz am Klavier. Wie mit Stahlkappen auf den Fingerkuppen hämmerte er im Finale die Tonrepetitionen auf die Tasten.

Dialoge mit Trommeln und Gongs hat Tan Dun ihm in den Klavierpart geschrieben. Und dazwischen poetische Momente, die nach Chopin klangen, dann wieder eruptive Strawinsky-Rhythmen.

Explosiv und farbig

Tan Dun, dessen Werke hoch spannend, sehr explosiv und überaus farbig sind, wurde einem breiten Publikum durch seine Oscar-prämierte Filmmusik für "Tiger und Dragon" bekannt.

 Den Filmmusikkomponisten verleugnet auch das Klavierkonzert nicht. Besonders im zweiten Satz, dem Wasser-Satz, klingt Vieles sehr illustrativ. Das Finale dieses Feuer-Werks hat der technisch überragende Lang Lang zu einem emotionalen Flächenbrand gemacht.

Als Begegnungen zwischen Ost und West versteht der Chinese, der in New York lebt, seine Werke. Im Orchesterwerk "Vier geheime Wegen von Marco Polo" für zwölf Solocelli und Orchester mit einer riesigen Schlagwerk-Batterie prallen die asiatische und amerikanische Welt deutlich aufeinander.

Stampfen, laut atmen und rufen ließ Tan Dun die Musiker des vorzüglichen WDR-Sinfonieorchesters, und im Orchester wimmerte und quietschte es - Tan Duns Musik ist ein riesiges Überraschungsbonbon. Und mit Klangeffekten, der Zahl der Solisten, dem Einsatz von Schlagwerk und großen Lautstärken ist der Chinese alles andere als sparsam.

Das Klavier Chinas

Das Klavier Chinas sei das Zheng, erklärte Tan Dun: ein zitherähnliches Instrument, eines der ältesten und populärsten Instrumente des Reichs der Mitte. Virtuosin Yan Li spielte es in der Deutschen Erstaufführung von Tan Duns Solokonzert mit Streichern mit großer Bravour. Und mehr als die anderen Werke erinnerte es an traditionelle chinesische Musik, wie man sie aus der Peking-Oper kennt.

Noch mehr Lang Lang:  Mehr Lang Lang gibt's am 24. und 25. Juli, 20 Uhr, beim Klavier Festival in der Philharmonie Essen mit Pianist Daniel Barenboim und zwei Schlagzeugern und Werken von Bartok, Liszt und Ravel. Karten: Tel. 01805-00 18 12 

 Am 29. März, 20 Uhr, spielt Lang Lang im Konzerthaus Dortmund einen Soloabend mit Werken von Schubert, Bartok, Debussy und Chopin. Der Einzelkartenvorverkauf beginnt am 29.9., der Abo-Vorverkauf für die Reihe „Meisterpianisten“ läuft: Tel. (0231) 22 69 62 00

Für die Tan Dun-Nacht beim Klavier-Festival heute (12.7.), 20 bis 23.30 Uhr Philharmonie Essen, gibt es noch Restkarten.

Das Essener Konzert sendet 3sat heute (12.7.) um 20.15 Uhr.

 

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