Darum will die Gemeinde Nordkirchen das Thema Mobilität neu definieren

dzVertragsunterzeichnung

Der direkte Gang zum Auto ist auch für viele Nordkirchener Routine geworden - soll es nach dem Willen der Verwaltung aber nicht bleiben. Sie hat deshalb einen starken Partner ins Boot geholt.

Nordkirchen, Südkirchen, Capelle

, 07.04.2019, 12:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele wertvolle Hinweise hat die Gemeinde Nordkirchen vom Zukunftsnetz Mobilität NRW bekommen, um Mobilität im Ort neu zu definieren. Jetzt haben die Partner ihre Zusammenarbeit nach einem einstimmigen Ratsbeschluss auch offiziell besiegelt. Aus gutem Grund. „Wir haben die Erfahrung nicht und auch in Detailfragen nicht das Wissen“, sagt Bürgermeister Dietmar Bergmann und betont zugleich die Notwendigkeit zur Veränderung. „Wir wollen an das zweite oder dritte Auto in der Familie heran.“ Dabei geht es um den Umweltschutz, aber auch darum, dass sich nicht unbedingt alle mehre Autos leisten können.

Mehr als eine Stunde für 15 Kilometer unterwegs

Doch viele Familien nehmen nicht freiwillig viel Geld in die Hand und schaffen sich mehrere Autos an. Viele Jahre führte der Öffentliche Personennahverkehr eher ein Schattendasein. Mit Blick auf zu erwartende Defizite wurden Linien zusammengestrichen oder gleich ganz aufgegeben. Die Folgen sind heute an vielen Stellen der Region spürbar. Städte und Gemeinden im Südkreis Coesfeld, die weniger als 15 Kilometer voneinander entfernt sind, können nicht mit Bus und Bahn erreicht werden. Es sei denn, die Bürger sind bereit, für dieses kurze Stück lange Umwege und damit einen hohen Zeitaufwand von mehr als einer Stunde in Kauf zu nehmen. Dazu kam, dass die Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel kaum möglich war.

Gemeinde hofft eine hohe Förderung der Mobilstationen

Genau hier will die Gemeinde Nordkirchen ansetzen. Sie hat bei der Bezirksregierung einen Förderantrag für den Bau von vier Mobilstationen gestellt - eine Gesamtinvestition von rund einer Million Euro. Wenn es optimal läuft, bekommt die Gemeinde eine Förderung von 80 bis 90 Prozent. Auf diesen erhofften Fall ist sie bestens vorbereitet. „Wir haben einen Eigenanteil von 120.000 Euro in den Haushalt für dieses Jahr eingestellt“, sagt Bürgermeister Dietmar Bergmann. Zugleich räumt er ein, dass es zwar Gespräche mit möglichen Betreibern der Mobilstationen gibt, aber noch keine Entscheidung.

Die Erwartungen sind groß. Die neuen Stationen sollen verschiedenste Aufgaben erfüllen. „Es geht um ein möglichst breites Angebot“, sagt Bergmann. Um nur einige Beispiele zu nennen: An diesen Stationen können Lebensmittel oder gewaschene Wäsche hinterlegt werden. Hinter diesem Ansatz steckt die Erkenntnis, dass Berufspendler erst dann wieder an den Stationen ankommen, wenn die Geschäfte bereits geschlossen haben. Somit würde der Kunde der Station doppelt profitieren: Er müsste sich keine Sorgen um frische Lebensmittel machen. Und er würde sich zudem die Fahrt zu den Anbietern sparen können.

Einstufung als Modellregion eröffnet Nordkirchen neue Möglichkeiten

„Nachhaltige Mobilitätsentwicklung macht Kommunen lebenswert“, sagt auch das Zukunftsnetz Mobilität NRW. Allerdings räumt Dr. Andreas Leistikow, Leiter Koordinierungsstelle Ländliche Mobilität und Mobilstationen, auch ein, dass es bei allen Ideen auch Sachzwänge gibt. Also: Nicht alles, was wünschenswert wäre, ist am Ende auch finanzierbar. Doch Leistikow ist überzeugt, dass viel mehr möglich ist, als heute angeboten wird. „Wir sind dabei als Dienstleister unterwegs.“ Dass dabei gerade in Nordkirchen viel mehr passieren könnte als in anderen Orten, begründet Wirtschaftsförderer Manuel Lachman damit, dass Nordkirchen Modellregion sei. Ein autonomer Bus wie beispielsweise in Drolshagen soll deshalb nicht nur eine Vision bleiben. Gerade mit diesen Bussen, die ohne einen Fahrer auskommen, könnten bislang nicht finanzierbare Angebote möglich werden. „Bei Busslinien sind 70 Prozent der Kosten Personalkosten“, sagt Leistikow.

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