DAK-Report: Psychisch bedingte Krankschreibungen auf Höchststand

Krankenkassen

Seit 1997 untersucht die Krankenkasse im jährlichen „Psychoreport“, wie stark sich psychische Leiden bei Beschäftigten niederschlagen. Die neuen Zahlen zeigen eine wachsende Zahl von Fehltagen.

Berlin

15.09.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Fehltage wegen psychischer Leiden steigen weiter an.

Die Fehltage wegen psychischer Leiden steigen weiter an. © picture alliance / dpa

Die Zahl der Krankheitstage aufgrund psychischer Probleme wächst ungebremst weiter und erreicht immer neue Höchststände. Nach neuesten Zahlen der Krankenkasse DAK-Gesundheit stiegen im vergangenen Jahr die Fehltage von Arbeitnehmern wegen Depressionen, Angst- oder Belastungsstörungen gegenüber 2018 um 24 auf 260 Tage pro 100 Versicherte.

Laut dem aktuellen „Psychoreport“ der DAK , der dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt, ist das der höchste Stand seit Beginn der Untersuchung 1997. Seitdem hat sich die Zahl der Fehltage wegen psychischer Leiden mehr als verdrei­facht, und zwar um 239 Prozent.

Depression ist häufigste Diagnose

Der DAK-Psychoreport ist eine Langzeitanalyse, für die das IGES Institut die anonymisierten Daten von rund zwei Millionen erwerbstätigen Versi­cherten auswertet. Am häufigsten fehlen Arbeitnehmer mit der Diagnose Depression. 2019 gingen demnach 105 Fehltage je 100 Versicherte auf das Konto dieser Erkrankung, bei den Anpassungs­störungen waren es 59. Auf Platz drei folgen andere neurotische Störungen mit 26 Fehltagen je 100 Versicherte. Bei Angststörungen sind es 19 Fehltage.

Die Zusatzdiagnose Burnout verlor dagegen im Krankheitsgeschehen seit 2012 deutlich an Bedeutung. Damals entfielen auf diese Erkrankung noch 10 Fehltage pro 100 Versicherte, 2019 waren es nur noch fünf, wobei es allerdings im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren erneut einen leichten Aufwärtstrend gibt.

Frauen bei Krankschreibungen vorn

Unterschiede gibt es bei der Betroffenheit der Geschlechter: Frauen waren 2019 mit 328 Tagen je 100 Versicherte deutlich länger wegen psy­c­hischer Probleme krankgeschrieben als ihre männlichen Kollegen mit 203 Fehltagen. Zudem verteilen sich die psychischen Erkrankungen unterschiedlich stark auf die Branchen. Am stärksten betroffen ist die öffentliche Verwaltung mit 382 Fehltagen je 100 Versicherte, es folgt das Gesundheitswesen (338 Tage) und der Bereich Verkehr, Lagerei und Kurierdienste (249 Tage). In der Baubranche fällt mit 154 Tagen die geringste Zahl von Fehltagen wegen psychischer Leiden an.

Darüber hinaus bestehen deutliche regionale Unterschiede. Während im Saarland im vergangenen Jahr 340 Fehltage je 100 Versicherte mit den entsprechenden Diagnosen begründet wurden, waren es in Baden-Württemberg lediglich 207. Niedersachsen liegt mit 274 Fehltagen im Mittelfeld.

Kassenschef Storm zeigt sich besorgt

DAK-Chef Andreas Storm zeigt sich besorgt über die Entwicklung. „Psychische Erkrankungen sind nicht nur eine große Belastung für die Betroffenen, sie stellen unsere ganze Gesellschaft vor enorme Herausforderungen“, sagte er dem RND. Depressionen, Angst- oder Belastungsstörungen verursachen heute mehr als dreimal so viele Fehltage wie vor 20 Jahren – Tendenz steigend, warnte der Kassenchef.

Storm begrüßte die Pläne der Bundesregierung, eine Offensive für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu starten. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte vor einer Woche gesagt, im Kampf gegen das Problem müssten Arbeitsmarktpolitik, Arbeitsschutz und Gesundheits- sowie Familienpolitik Hand in Hand gehen. Zentral sei es zunächst, das Thema psychische Leiden „aus der gesellschaftlichen Tabuecke“ zu holen. Deshalb soll nach seinen Angaben mit einer Aufklärungskampagne gestartet werden.

RND

Lesen Sie jetzt