Countertenor Matthew Shaw über seine "Cäsar"-Rolle

Interview

DORTMUND Zum ersten Mal steht Händels Oper "Julius Cäsar" ab 31. Januar auf dem Spielplan der Oper Dortmund. - Mit einer Besonderheit für unsere Ohren: zwei Countertenören. Matthew Shaw, der sein Rollendebüt als Cäsar gibt, erzählte von der anspruchsvollen Rolle und die künftige Zusammenarbeit mit Cecilia Bartoli.

von Von Julia Gaß

, 23.01.2010, 14:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Countertenor Matthew Shaw im Probenkostüm für "Julius Cäsar in Ägypten".

Countertenor Matthew Shaw im Probenkostüm für "Julius Cäsar in Ägypten".

Ich war zehn Jahre Bariton. Ich habe immer gern Lieder gesungen und die Falsettstimme geübt. Mit meiner früheren Lehrerin habe ich ein bisschen mit der Stimme gespielt. Und dann ging's. In Cavallis "La Calisto" hab ich vor einem Jahr am Landestheater Linz meine erste Counter-Partie gesungen. Als Countertenor singe ich aber mit reiner Kopfstimme und nicht mehr im Falsett, das hört sich sonst künstlich an. Gerade als Cäsar muss die Stimme heroisch klingen. Mein Bariton war nicht sehr groß, jetzt ist meine Stimme unglaublich viel größer.

Die Oper dauert im Original viereinhalb Stunden. In Dortmund ist sie auf zwei Stunden gekürzt. Cäsar bleiben fünf große Arien. Die Koloraturen kosten viel Kraft, und am Schluss muss ich ganz leise im Legato singen. Ich liebe diese Wechsel.

Meine Stimme hat einen guten Sitz, den Cäsar hab ich neun Monate lang trainiert. Countertenöre machen Einsingübungen wie alle anderen Sänger auch. Sie haben keine andere Technik. Wir müssen nur jeden Tag singen. Während einer Vorstellungsserie kann ich keinen Tag Pause machen.

Wenn ich auf die Bühne gehe, bin ich Cäsar. Die Koloraturen zeigen die Gefühle der Figur. Das ist schließlich kein Oratorium. Das Publikum wird überrascht sein, wie schön und aufregend diese Oper ist. Ich bin verliebt in diese Rolle. Cäsar zu spielen und zu singen, ist eine wahnsinnige Rolle, weil die Figur so viele unterschiedliche Charaktereigenschaften zeigt.

Wir sind Freunde, aber die Figuren sind Feinde. Wir singen nur in einer Szene zusammen. Wir wollen beide gut singen und spielen. Konkurrenz gibt es da nicht.

Amerika folgt da wie in allen musikalischen Dingen dem Trend aus Europa. Ich bin 2010 sieben Monate in Europa, hoffe aber, dass sich die Renaissance von Barockopern auch in Amerika durchsetzt.

Ich singe ab September Händels "Semele" im Theater an der Wien. Mit Cecilia Bartoli als Semele. Und 2011 singe ich in der Semperoper Monteverdis "Poppea".

  • Nach der Premiere am 31.1. um 18 Uhr in der Dortmunder Oper sind zehn Vorstellungen geplant. Karten: Tel. (02 31) 5 02 72 22.
  • www.theaterdo.de
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