Coronavirus: So können Sie das Infektionsrisiko in Innenräumen minimieren

Coronavirus

In der kalten Jahreszeit werden sich die Menschen wieder vermehrt in Innenräumen aufhalten. Damit steigt das Risiko einer Corona-Infektionen. So können Sie das Infektionsrisiko minimieren.

von Laura Beigel

, 29.09.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Regelmäßiges Lüften minimiert die Infektionsgefahr mit dem Coronavirus.

Regelmäßiges Lüften minimiert die Infektionsgefahr mit dem Coronavirus. © picture alliance/dpa

Die ersten bunten Blätter fallen von den Bäumen, die Temperaturen sinken auf weniger als 15 Grad – in Deutschland hat der Herbst Einzug gehalten. Diese Jahreszeit ist während der Corona-Pandemie allerdings mit einigen Sorgen behaftet. Denn schon seit mehreren Monaten warnen Mediziner und Wissenschaftler davor, dass die Zahl der Neuinfektionen steigen könnte – ausgelöst durch den vermehrten Aufenthalt in Innenräumen.

Doch wie können dort Infektionen verhindert werden? In der Diskussion stehen unter anderem Maßnahmen wie UV-Licht, Luftbefeuchter, Luftfilter und Fensterlüftung. Wir klären, ob und wie diese Ansätze vor Corona-Infektionen in Innenräumen schützen können.

UV-Licht

Der Einsatz von UV-Licht – insbesondere UV-C-Licht mit einer Wellenlänge von 280 bis 100 Nanometern – ist nach wie vor umstritten. Forscher der Universität Duisburg-Essen fanden Anfang September heraus, dass schon neun Minuten Bestrahlung mit künstlich erzeugtem UV-C-Licht genügen, um eine hohe Viruslast von mehr als einer Million Sars-CoV-2-Viren abzutöten. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten sie im American Journal of Infection Control.

UVC-Lampen könnten beispielsweise dazu genutzt werden, um medizinische Ausrüstung zu desinfizieren, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität. Ob die Anwendung von UV-C-Licht auch im privaten Bereich hilfreich ist, wollen die Forscher in weiteren Studien untersuchen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) rät beim Einsatz von UV-C-Desinfektionsgeräten gegen Sars-CoV-2 hingegen zur Vorsicht. „Die vorliegenden Forschungsergebnisse lassen derzeit noch keine belastbare Einschätzung zu, inwiefern kurzwelligere UV-C-Strahlung ein geringeres Risiko darstellt“, sagt Inge Paulini, Präsidentin des BfS.

UV-C-Desinfektionsgeräte sollten nur so angewandt werden, dass keine Menschen der Strahlung ausgesetzt sind. „Wenn auf den Einsatz von UV-C-Geräten nicht verzichtet werden kann, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass Haut und Augen vor Strahlung geschützt sind“, macht Paulini deutlich.

Luftbefeuchter

Gerade in den kalten Jahreszeiten, wenn die eingeschaltete Heizung für eine trockene Raumluft sorgt, greifen viele Menschen zu Luftbefeuchtern in Innenräumen. Ob diese Maßnahme Infektionen vorbeugt, ist auch nicht eindeutig geklärt. Ein indisch-deutsches Forscherteam des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung und des CSIR-National Physical Laboratory in Neu-Delhi empfiehlt in öffentlichen Gebäuden eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent.

„Liegt die relative Luftfeuchtigkeit der Raumluft unter 40 Prozent, dann nehmen die von Infizierten ausgestoßenen Partikel weniger Wasser auf, bleiben leichter, fliegen weiter durch den Raum und werden eher von Gesunden eingeatmet“, sagt Ajit Ahlawat, Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Troposphärisches Aerosol am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung. „Außerdem werden bei trockener Luft auch die Nasenschleimhäute in unseren Nasen trockener und durchlässiger für Viren.“

Dass die Luftfeuchtigkeit keine Rolle für die Bewegung von potenziell mit Viren beladenen Aerosolen spielt, meint hingegen Martin Kriegel. „Natürlich haben diese Partikel einen Flüssigkeitsanteil, der bei trockener Luft schneller verdunstet, wodurch die Aerosole kleiner werden. Das bedeutet aber nicht, dass die Teilchen noch ideal luftgetragener werden“, sagt der Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts an der Technischen Universität Berlin im RND-Interview.

Luftfilter

Luftfilter wie HEPA-Filter können bis zu 99,9 Prozent der potenziell mit Viren beladenen Aerosole aus der Raumluft filtern. Die Luft gilt dann als partikelfrei. Genutzt wird diese Technik unter anderem in Operationssälen, Intensivstationen und Laboratorien.

Schon des Öfteren wurde darüber diskutiert, ob auch Schulen mit derartigen Luftfiltern nachgerüstet werden sollten. HEPA-Filter können jedoch nicht so einfach in bestehenden Lüftungsanlagen montiert werden, „weil die spezielle Vorrichtung zum Einbau nicht vorhanden ist und selbst wenn das möglich wäre, sich auch das Verhalten der Lüftungsanlage durch einen Einbau ändern würde“, schreibt das Hermann-Rietschel-Institut auf seiner Website. „Es kann dann in der Regel weniger Luft transportiert werden.“

Fensterlüftung

Die effektivste Maßnahme gegen das Coronavirus in Innenräumen ist ein gutes Lüftungsverhalten. „Wenn wir das bisherige Lüftungsverhalten durch das eigentlich notwendige ersetzen würden, um ausreichend Sauerstoff und wenig CO₂ in der Raumluft zu haben, könnten wir das Infektionsrisiko durch Aerosole um 90 Prozent senken“, sagt Kriegel.

Der Aerosolforscher empfiehlt, alle 20 Minuten für fünf Minuten die Fenster komplett zu öffnen. „Im Idealfall gibt es eine raumlufttechnische Anlage, die automatisch Frischluft mit Sauerstoff von draußen in die Räume transportiert.“ Ansonsten können auch CO₂-Ampeln ein wichtiger Indikator für eine gute Luftqualität sein. Zeigt die Ampel Grün, ist genügend Frischluft im Raum, springt die Ampel auf Rot, ist die CO₂-Konzentration im Raum hygienisch bedenklich.

Gerade an Orten, wo viele Menschen aufeinandertreffen, wie in Schulen, sollten Innenräume regelmäßig gelüftet werden. Die Arbeitsstätten-Richtlinien geben vor, dass die CO₂-Konzentration dort nicht größer als 1000 Parts per million sein darf – kontrolliert wird das jedoch selten. „Wenn sich ein Raum nicht vernünftig lüften lässt, wird damit eigentlich bewusst gegen geltendes Recht verstoßen“, so Kriegel.

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